Sport Stacking „Wir sind keine Hochstapler“

Bianka Engelmann (rechts) von „Stack Attack“ aus Roßfeld mit ihrem Stackingpartner Dennis Schleussner aus Berlin. Gemeinsam fliegen sie vom 7. bis zum 8. April nach Orlando (USA) zu den Weltmeisterschaften – den „World Sport Stacking Championships“.
Bianka Engelmann (rechts) von „Stack Attack“ aus Roßfeld mit ihrem Stackingpartner Dennis Schleussner aus Berlin. Gemeinsam fliegen sie vom 7. bis zum 8. April nach Orlando (USA) zu den Weltmeisterschaften – den „World Sport Stacking Championships“. © Foto: Larissa Wörn
Crailsheim / Larissa Wörn 06.03.2018

Das rhythmische Klopfen der Plastikbecher prägte am Wochenende die Szene in der Hirtenwiesenhalle. 200 Anhänger des Sport Stackings waren zusammengekommen, um sich bei den 13. deutschen Meisterschaften zu messen. Beim Stacking geht es grosso modo um das schnellstmögliche Auf- und Abbauen von Pyramiden aus mehreren Bechern.

Eröffnet wurde der Wettkampf von Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer. Er zollte allen Teilnehmern seinen Respekt: „Ich selbst bin ungeschickt. Wie schnell die Profis das können, fasziniert mich.“ Dass sich der Oberbürgermeister jedoch gar nicht so schlecht anstellte, wie er behauptet hatte, bewies er beim Show­stacking gegen Stargast Michael Smolik. Die Becher wirbelte er fast doppelt so schnell wie sein Kontrahent. „Ich mache es eben präziser“, scherzte der Kickboxweltmeister, der daraufhin Autogramme verteilte und unzählige Selfies mit Fans machen ließ. Die Halle wurde anschließend den Profistackern überlassen.

Acht Stunden im Auto

Die längste Anreise hatte wohl das Sport-Stacking-Team Quickborn aus Schleswig-Holstein. Im Norden gibt es nur wenige Stacking-Wettkämpfe. Teammitglied Daniel Kern verriet: „Wir möchten präsent sein und Erfolge feiern. Da nimmt man gerne acht Stunden im Auto auf sich.“ Die Quickborner sind eines der erfolgreichsten Teams des Landes: Von 43 deutschen Teilnehmern an der Stacking-Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Orlando im April stammen sieben aus Quickborn.

Zu den Weltmeisterschaften darf auch die Crailsheimerin Bianka Engelmann fliegen. Gemeinsam mit ihrem Stackingpartner Dennis Schleussner aus Berlin möchte sie den Weltmeistertitel in der Doppeldisziplin ergattern und nebenbei den bestehenden Weltrekord von 5,953 Sekunden unterbieten. „Während des Trainings haben wir das schon einige Male geschafft. Bei den Wertungsversuchen fehlte jedoch immer etwas Glück“, erzählte Engelmann.

Auch im Crailsheimer Nachwuchsbereich sieht es gut aus:
Bei den deutschen Meisterschaften gingen mehrere Medaillen in die Horaffenstadt (Podestplätze siehe Liste links). Die Mädchenstaffel um Lara und Leonie Schneider, Amelie Schirle und Lea Seibt war kaum aufgeregter als bei ­einem normalen Wettkampf. Pro Saison finden davon fünf bis sechs Stück statt. Die deutschen Meisterschaften bilden daraufhin den krönenden Abschluss. „Wir haben nichts zu ­verlieren“, erklärte Amelie Seibt mit einem breiten Grinsen.
„Wir freuen uns, dass die deutsche Meisterschaft hier stattfindet, auch wenn wir als Austragungsteam viel zu tun ­haben.“ Wenn die Crailsheimer Stacker gerade nicht versuchten, Deutschlands Beste zu werden, kümmerten sie sich um den ­reibungslosen Ablauf der Wettkämpfe und stellten die Schiedsrichter für andere Duelle.

Alle helfen mit

Ohne die Mitarbeit des ganzen Teams und der Eltern sei die Ausrichtung eines solchen Turnieres nicht möglich, so das Credo der Veranstalter. Mütter verkauften ihre selbst gebackenen Kuchen und Getränke. Zudem halfen viele Eltern der „Stack Attacks“ ehrenamtlich als Schiedsrichter aus. Adam Sikorski aus Crailsheim empfindet dies als selbstverständlich. Die Regeln seien für Laien zwar sehr komplex, und man müsse auf viele Kleinigkeiten achten, für das Team, in dem auch sein Sohn Kian stackt, mache er das jedoch liebend gerne.

Beim Sport Stacking wird die gesamte Familie mit eingebunden. Im Falle der Familie Applequist-Steubing des hessischen TSV Bicken heißt das sogar, dass alle mitstacken. Valentin brachte seine Mutter Svenja und seine Großeltern Conny und Michael zum Sport. „Wir bechern nun alle gemeinsam. Natürlich meinen wir damit das Stacking“, erklärte die Mutter lachend.

Freundschaften entstehen

Die Atmosphäre ist während des gesamten Wettkampfes freundschaftlich und familiär. Es nimmt kaum ein Kind teil, dessen Eltern nicht ebenfalls Becher auf Zeit stapeln. Doppel- und Staffelpartner können aus anderen Teams stammen. Das fördert den sportlichen Austausch und führt zu landesweiten Freundschaften. Ronny Sprenger vom TSV Bicken fasst zusammen: „Wir sind keine Hochstapler. Unser Sport ist ehrlich und freundlich.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel