Basketball „Die geilste Zeit meiner Laufbahn“

Vertrautes Treffen alter Weggefährten. Daniel Dörr (Bildmitte) mit der Merlins-Führung in Person von Ingo Enskat (sportlicher Leiter, links) und Martin Romig (Manager, rechts).
Vertrautes Treffen alter Weggefährten. Daniel Dörr (Bildmitte) mit der Merlins-Führung in Person von Ingo Enskat (sportlicher Leiter, links) und Martin Romig (Manager, rechts). © Foto: Steffen Förster
Crailsheim / Klaus Helmstetter 02.10.2018
Daniel Dörr stammt aus dem Gießener Raum und war drei Jahre lang Kapitän der Merlins. Jetzt trainiert er die Gießen Pointers in der Regionalliga.

Daniel Dörr hört auf den Spitznamen „Locke“ (aufgrund entsprechender Haarpracht in der Jugend), spielte immer mit der Rückennummer 14, stammt aus dem Raum Gießen, wo er aktuell als Trainer arbeitet und bezeichnet seine fünf Jahre bei den Crailsheim Merlins als „die geilste Zeit meiner Laufbahn“.

Von 2006 bis 2011 ist Daniel Dörr im Crailsheimer Trikot aufgelaufen, war zusammen mit Sean Brooks drei Jahre lang Kapitän der hiesigen Korbjäger. In diese Zeit fällt die Meisterschaft in der Pro B und der damit verbundene Aufstieg in die Pro A.

Daumendrücken für die Merlins

Die Merlins eines Tages einmal in der Bundesliga – war das für den Hessen mit dem TV Lich bei Gießen als Heimatverein vorstellbar? „Am Anfang eher nicht. Mit der Zeit hatte ich dann aber schon den Eindruck, dass es bei den Merlins immer professioneller zuging und ich habe es damit auch für möglich gehalten, dass sie einmal erstklassig spielen würden!“

„Locke“ Dörr hat noch intensive Kontakte in die Region. Schließlich kommt seine Freundin aus Schrozberg. Auch zu ehemaligen Mitspielern wie John Cadmus, Sebastian Kling oder Sean Brooks, wie auch zu den Chefs Martin Romig und Ingo Enskat gibt es nach wie vor Verbindungen.

„Bis 2016 habe ich noch für Lich in der Pro B gespielt, dann meinen Trainerschein gemacht und nicht zuletzt aufgrund von Rückenbeschwerden meine aktive Laufbahn beendet“, berichtet Dörr. Dabei hatte der gelernte Speditionskaufmann, bis auf „eine vierjährige Phase als Vollprofi“ immer das Kunststück zu bewältigen, Berufstätigkeit und ambitionierten Spitzensport unter einen Hut zu bringen.

Dörr Coach in Gießen

In den letzten zwei Jahren ist er als Trainer mit der zweiten Mannschaft der Pointers aus Gießen aus der Landes- in die Oberliga aufgestiegen. Jetzt hat er die Erste übernommen und sich einen Termin dick im Kalender angestrichen: den 13. Oktober – dann treten die Pointers in Crailsheim an und spielen als Aufsteiger gegen die Merlins II um Punkte in der Regionalliga. Wie ist ihm der Wechsel auf die Trainerbank bekommen? „Macht Spaß, fordert nicht in körperlicher Hinsicht, bedeutet aber mehr Arbeit als vorher, nur auf anderer Ebene!“ Und der Rundenauftakt mit einer knappen Niederlage gegen Stuttgart (77:81) und einem noch knapperen Sieg in Saarlouis (74:76) lässt sich schon einmal ganz gut an für den 2,02 Meter langen ehemaligen Power Forward und jetzigen Coach.

Vorsichtig optimistisch

Nach dem Aufstieg in die BBL trifft die erste Mannschaft der Merlins bei ihrer Heimpremiere auf die Gießen 46ers. Für die Mittelhessen hat der junge Daniel Dörr einige Erstligaspiele absolviert. Für wen schlägt sein Herz, wenn beide aufeinandertreffen? „Auf jeden Fall für die Merlins. Als sie vor drei Jahren in Gießen am Start waren, habe ich auch im Merlins-Fanblock mitgefiebert und die Daumen gedrückt.“

Die Frage der Fragen: Schaffen die Merlins dieses Mal den Klassenerhalt? „Es wird schwer. Aber die Merlins spielen nicht zum ersten Mal in der Basketball-Bundesliga. Das Umfeld mit Martin Romig und Ingo Enskat wird seine Schlüsse aus den ersten beiden Jahren im Oberhaus gezogen haben. Ich bin ganz optimistisch, dass es klappen könnte“, betont der 35-Jährige.

Basketballstandort Gießen

Gießen ist ein Basketballstandort mit viel Tradition. In den 60er- und 70er-Jahren holten sich die Mittelhessen ihre fünf Meisterschaften und drei Pokalsiege. Gründungsmitglied MTV Gießen gewann das erste Endspiel der Basketball-Bundesliga 1966/67 gegen den VfL Osnabrück mit 85:73.

Bis zum Abstieg 2012/13 waren die Hessen als einziges Team 46 Jahre lang ununterbrochen in Liga 1 am Start. In der Spielzeit 2015/16 kehrten sie mit dem jetzt nach Würzburg gewechselten Trainer Denis Wucherer zurück. In der ewigen Tabelle tauchen sie hinter Berlin, Bamberg und Leverkusen auf Rang 4 auf.

Daniel Dörr spielte in jungen Jahren für Gießen, ansonsten zumeist im nur 14 Kilometer entfernten Lich. Für Lich war auch der gegenwärtige Ulmer Trainer Thorsten Leibenath als Spieler und Coach tätig. In der Spielzeit 1999/2000 waren beide Standorte im Oberhaus vertreten. Für Gießen spielten unter anderem Michael (und sein Bruder Stefan) Koch sowie Nowitzki-Mentor und Individualtrainer Holger Geschwindner.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel