Mit acht Punkten Differenz gegen Frankfurt verloren! Das klingt, wenn man die reinen Zahlen vor Augen hat, nach einem engen, womöglich spannenden Match. Dennoch gab es enttäuschte Zuschauer, die sich mit zum Teil betretenen Mienen auf die Heimfahrt aus der Arena Hohenlohe machten. Enttäuschend war weniger die Niederlage an sich als vielmehr die Art und Weise, wie sie gegen durchaus schlagbare Frankfurter Gäste zustande kam. In puncto physischer Präsenz, Tempo und phasenweise auch Konzentration ließen die heimischen Korbzauberer einiges zu wünschen übrig, was in der Erstklassigkeit unabdingbar ist.

Entsprechend bedient und verärgert war Ingo Enskat. „Ich will gar nichts schönreden“, betonte Crailsheims sportlicher Leiter, unmittelbar nachdem er aus der Kabine kam. „Was unsere Mannschaft abgeliefert hat, war einfach nicht gut genug. So kann man sich nicht präsentieren und nicht jedes Spiel diese Art von Fehlern machen. Man darf nicht immer wieder so wenig physisch auftreten. Die Jungs wollen sich doch auch Respekt als Spieler verschaffen und das vermisse ich“, erklärte Ingo Enskat. „Jeder muss sich“, fuhr er weiter fort, „quasi an der eigenen Nase herausziehen aus dem Schlamassel und nicht akzeptieren, wie es läuft. Wenn man den Ball so oft zum Gegner wirft wie wir, hat man einfach Probleme, so ein Spiel zu gewinnen, weil der Gegner viele einfache Punkte bekommt und man selber im Angriff nicht einmal einen Wurf.“

Joe Lawson läuft für Ben Madgen auf

Coach Tuomas Iisalo sprach ebenfalls von einem „enttäuschenden Auftritt. Uns hat am Anfang die Orientierung gefehlt. Wir hatten keine Antworten auf die Physis und die Aktionen der Skyliners. Das war das dritte Spiel in Folge, in dem junge Spieler wie Seba Herrera und Joschka Ferner oder nicht so junge Spieler wie Konrad Wysocki auf das Feld kommen und wir dann besser spielen. Sie geben, was sie können. Das kann man nicht von allen behaupten.“

Ben Madgen, der sich im Spiel gegen Braunschweig verletzt hatte, blieb beim Aufwärmen der Kollegen nur der passive Part und der eine oder andere aufmunternde Spruch. Für ihn lief Joe Lawson auf und erzielte schließlich mit zwölf Punkten die drittmeisten für Crailsheim.

Im ersten Viertel war vor allem gegen Tyler Larson kein Kraut gewachsen. Der sammelte elf Punkte für die Gäste ein, bestimmte dabei den Rhythmus seiner Mannschaft, war aber stets auch selber korbgefährlich, leistete sich bis dahin keinen Fehlwurf.

Merlins lassen viele Chancen aus

Die Hakro Merlins verpassten in der Offensive viele Chancen. Gerade mal elf Punkte standen nach dem ersten Viertel für sie zu Buche. Eine kleine Vorentscheidung in diesem Spiel.

Mit einem Rückstand von elf Punkten ging es in den zweiten Abschnitt. Joe Lawson von der Freiwurf-Linie und ein Wysocki-­Dreier brachten die Einheimischen auf 16:24 heran. Gordon Herbert nahm für Frankfurt die Auszeit. Lautes und rhythmisches Klatschen in der Halle. Konrad Wysocki legte einen weiteren Dreier zum 19:24 nach. Shawn Huff stellte für Frankfurt den alten Abstand wieder her. Jonas Wohlfarth-Bottermann kam von der Bank zurück und fing sich mit einem Offensivfoul gegen Philipp Neumann schon sein drittes, musste wieder raus. Neumann traf vorne zum 21:27.

Die Merlins sind ganz dicht dran, können das Blatt aber nicht wenden. Frankfurt schlägt immer wieder zur rechten Zeit erfolgreich zurück.

„Es hakt an beiden Enden, wie gegen Würzburg und Braunschweig. Jetzt müssen wir endlich in den Modus kommen dazuzulernen. Frankfurt verschleppt eher das Tempo und wir passen uns dem an“, befand Ingo Enskat zum Seitenwechsel (47:59).

Die Merlins machen jetzt mehr Dampf. Doch Frankfurt hält unentwegt dagegen. Besonders Seba Herrera sorgt für individuelle Energie im Spiel der Hausherren, zieht energisch zum Korb, wird gefoult, der Ball fällt, die Punkte zählen. Die Merlins müssen sich ihre Punkte hart erarbeiten, doch Frankfurt ist nicht beizukommen.

Das Positive zum Start ins letzte Viertel: Bei zwölf Punkten Rückstand (47:59) ist immer noch alles drin. Allerdings muss der Knoten rasch platzen. „Wir gewinnen heute nicht schön, wenn dann richtig dreckig“, intoniert der Hallensprecher.

Crailsheim

Nachverpflichtungen als Lösung?

Joe Lawson eröffnet für die Merlins erfolgreich. Seba Herrera legt mit einem Dreier nach. Die Hoffnung wächst wieder im Lager der Crailsheimer Anhänger. Die Merlins pressen vorne an, wollen Frankfurt im Spielaufbau stören. Doch durch Missverständnisse und Leichtsinnsfehler im Abspiel, unerklärliche Ballverluste machen sich die Gastgeber das Leben selber schwer. Vorne trifft wieder Seba Herrera, noch sieben Punkte Rückstand. Dann dribbelt sich Frank Turner fest.

Joe Lawson versenkt einen Dreier. Frankfurts Coach Herbert erhebt sich wieder von der Bank. Sein Team begeht ein unsportliches Foul. Turner geht an die Linie, verwirft den ersten, trifft den zweiten Freiwurf zum 60:65, bei 2:45 Minuten Restspielzeit. Plötzlich ist wieder alles offen.

Frankfurt trifft einen Dreier, führt mit acht Punkten, 1:29 Minuten vor dem Ende, legt erneut nach. 38 Sekunden vor Schluss versenkt Turner für die Merlins, Frankfurt nimmt eine weitere Auszeit. 64:71, die Entscheidung in dieser Begegnung.

Was muss passieren, damit sich das Blatt rasch wendet? Eine Neuverpflichtung, um das Team zu verstärken? Zwei dürfen die Crailsheimer noch vornehmen. „Wir müssen jetzt die richtigen Ergänzungen für das Team finden, aber auch unsere vorhandenen Spieler müssen aus dem Loch heraus“, unterstreicht Ingo Enskat. „Schließlich sind Nachverpflichtungen kein Allheilmittel: Wir brauchen jeden Spieler. Beides muss zusammenwirken.“

Jetzt nach Würzburg

Am Samstag wartet das Rückspiel in Würzburg. Was können die Verantwortlichen tun, um kurzfristig eine Wende einzuläuten? „Wir haben in der Kabine klare Worte gefunden. Coach Tuomas Iisalo sagt an, was gemacht wird. Er muss mit Konsequenz einfordern, dass jeder das so umsetzt, wie er es will. Wenn das nicht funktioniert, muss das auch sanktioniert werden. Vielleicht ist das der Mannschaft nicht klar genug“, gibt Ingo Enskat zu verstehen. „Wir müssen in jedem Spiel so viel Gas geben, dass wir überhaupt eine Chance haben zu gewinnen. Das haben wir schon zweimal gezeigt. Die Frage ist, warum das jetzt wieder weg ist. Da müssen wir uns noch einmal genau hinterfragen, um wieder diese Atmosphäre zu erzeugen. Man spürt, welche Stimmung in der Halle herrscht, wie die Leute versuchen, die Mannschaft nach vorne zu peitschen, aber der Funke springt nicht auf das Team über. Es kommt nicht das zurück, was alle sehen wollen. Das ist unser Hauptproblem. Dafür gibt es keinen Knopf, den man drücken kann. Da muss viel zusammenkommen, Intensität und auch Zusammenhalt als Team.“

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So spielten sie


Crailsheim – Frankfurt

69:77

Crailsheim: Russell (5 Punkte), Turner (13), Herrera (17; 1 Dreier), Wysocki (7; 2), Neumann (5), Ferner (3; 1), Arnold (0), Cuffee (6), Lawson (12; 1), Gay (1)

Frankfurt: Bell-Haynes (2), Zeeb (0), Clark (20; 3), Huff (6; 2), Freudenberg (3; 1), Wohlfarth-Bottermann (6), Robertson (10; 1), Holder (0), Völler (8), Larson (22; 1).

Viertel: 11:22/17:17/19:20/22:18
Rebounds: 30:32
Dreier: 29%:31%