Leichtathletik „Da steckt zu viel Herzblut drin“

Otto Braun ist wieder Abteilungsleiter und will die Leichtathleten des TSV Crailsheim in eine sportlich erfolgreiche Zukunft führen.
Otto Braun ist wieder Abteilungsleiter und will die Leichtathleten des TSV Crailsheim in eine sportlich erfolgreiche Zukunft führen. © Foto: Verein
Crailsheim / Ralf Mangold 06.02.2019

Schon als junger Erwachsener hat Otto Braun sein Wissen an den Nachwuchs weitergegeben. So legte er die Prüfungen für die C- und B- Lizenz des Württembergischen Leichtathletikverbandes und 1980 für die A-Lizenz des Deutschen Leichtathletikverbandes ab und ist als Coach beim TSV Crailsheim im Nachwuchsbereich tätig. Immer noch hält er einige Bestleistungen im internationalen Fünfkampf, Zehnkampf und Stabhochsprung beim TSV.

Sie sind inzwischen 69 Jahre alt und haben 2007 nach fast genau 30 Jahren Ihr Amt als Abteilungsleiter abgegeben. Wie kam es zu dieser überraschenden Wendung?

Otto Braun: Ich habe damals auf­gehört, weil ich mit dem Stadion­umbau beschäftigt und als stellvertretender Vorsitzender des Gesamtvereins ziemlich ausgelastet war. Zudem wollte ich mich mehr auf Betreuung und Training der Leistungssportler konzentrieren. Als Kadertrainer hatte ich in dieser Zeit nur noch wenig mit der Abteilung zu tun, sondern stand meistens mit den Landes- und Bundestrainern in Verbindung. Da war ich schon mal 5000 bis 6000 Kilometer im Jahr unterwegs. Nachdem Brigitte Vogt das Amt nun aus zeitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnte, habe ich mich für das Amt des Abteilungsleiters zur Verfügung gestellt.

Was sind die wichtigsten Aufgaben als Trainer?

Im Leistungsbereich ist es sicherlich die Periodisierung, also den Athleten zum richtigen Zeitpunkt in die bestmögliche Form zu ­bringen. Während des Wettkampfes kann man den Sportler taktisch und psychologisch unterstützen. Ganz wichtig ist, dass die Chemie zwischen Trainer und Sportler stimmt. Mein persönliches Highlight war 2006 die württembergische Meisterschaft im „deutschen Schüler-Mannschaftswettbewerb“ der Schülerinnen U 16 in Heilbronn. Mit Marie Koch will ich in diesem Jahr bei den deutschen Meisterschaften U 23 unter die ersten acht kommen. In meiner Leistungsgruppe waren außerdem noch Jonathan und Simone Vogt bei württembergischen und süddeutschen Meisterschaften erfolgreich am Start, die ich inzwischen aber nicht mehr trainiere. Marie Koch studiert in den USA und hat sich im Kugelstoßen auf 11,77 Meter verbessert und kann deshalb nur in den Sommermonaten in Deutschland bei mir ins Training. Seit zwei Jahren trainiere ich deshalb wieder die Zehn- bis Elfjährigen – zurück zu den Wurzeln sozusagen. Mit dieser Altersgruppe habe ich Anfang der 1970er-Jahre auch als Trainer begonnen.

Sie könnten bereits der Urgroßvater der Kinder sein, die Sie momentan trainieren. Gibt es da nicht einen Generationenkonflikt?

Ich verstehe nicht mehr alles, was die Kinder heutzutage machen, aber die Kinder verstehen noch alles, was ich sage. Sie akzeptieren mich trotz des großen Altersunterschiedes. Nach dem Training nutze ich Videos zur Analyse und auch die neuen Medien zum regelmäßigen Austausch. Zudem habe ich mit Annika Vogt und Sabine Horlacher zwei jüngere Mittrainerinnen, die die Sprache der Kids sprechen und bei denen sie ihren Spieltrieb ausleben dürfen. Wir ergänzen uns prima, ich kümmere mich um das Rhythmusgefühl, die Koordination und das Erlernen der einzelnen Leichtathletikdisziplinen.

Was waren die Beweggründe dafür, dass Sie auf Ihren alten Posten zurückgekehrt sind?

In meiner Lebensplanung war nie vorgesehen, dass ich noch mal Abteilungsleiter werden würde. Nachdem Brigitte Vogt aufgehört hatte, habe ich gehofft, dass sich ein junges Team an der Abteilungsspitze finden könnte, das ich als Stellvertreter mit meiner Erfahrung noch ein wenig unterstütze. Das hat allerdings nicht geklappt und deshalb bin ich dann selbst wieder zur Wahl des Abteilungsleiters angetreten. Da steckt zu viel Herzblut drin, ich kann die Abteilung in dieser schwierigen Phase nicht im Stich lassen.

Was blieb Ihnen am meisten in Erinnerung von Ihrer ersten Amtsperiode?

Die drei Umbauten des Schönebürgstadions, wobei man vor allem den letzten mit dem Tribünenbau als vollen Erfolg werten darf. Meine Ideen fanden fruchtbaren Boden und mit Baubürgermeister Holl einen Mann, der sie optimal umgesetzt hat. Zudem waren die Leichtathleten des TSV Crailsheim in Württemberg früher eine feste Größe und fanden sich in der Vereinswertung immer um Platz 10 wieder. Inzwischen sind wir auf Rang 42 abgerutscht. Das will ich unbedingt ändern und hoffe, dass wir uns wie früher bald in höheren Sphären wiederfinden.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Wichtig sind insbesondere die Trainer und da haben wir viele fleißige und erfahrene Frauen und Männer in der Abteilung. Wir müssen allerdings wieder wettkampforientierter denken, das Wettkampfverhalten muss sich ändern. Deshalb ist es wichtig für den Nachwuchs, dass wir an mehr Wettkämpfen teilnehmen beziehungsweise solche auch selbst ausrichten. Ich sehe dafür jetzt schon positive Ansätze. Schon in diesem Jahr will ich die Frankenmeisterschaften nach Crailsheim holen. Ich hoffe, dass wir in ein paar Jahren bei Landesmeisterschaften wieder deutlich stärker vertreten sind. Allerdings weiß ich auch nicht, ob meine neuen Ansätze erfolgreich sind – das wird sich zeigen. Wichtig finde ich allerdings, dass ich diesen Ehrgeiz und dieses Engagement, das ich von den Nachwuchssportlern erwarte, vorlebe, dann stehen auch alle dahinter. Als Vorsitzender des Leichtathletik-Kreises Schwäbisch Hall will ich außerdem die ganze Region mit ihren Vereinen stärken. Einige Veranstaltungen in Ilshofen, Schwäbisch Hall und Schrozberg sind im alljährlichen Terminkalender bereits fix verankert.

Was wollen Sie als neuer Abteilungsleiter erreichen?

Ich will die Stadion- und die stadionferne Leichtathletik wieder unter einen Hut bringen und insgesamt sportlich erfolgreicher werden. Dafür muss ich jetzt erst einmal viele Gespräche führen. Ich hoffe, dass ich viel erreiche. Toll ist, dass Brigitte Vogt als Trainerin und Kassiererin die Abteilung weiterhin unterstützt. Auch von den Trainerinnen und Trainern der anderen Altersgruppen in der Abteilung spüre ich Unterstützung auf diesem Wege. Mein Ziel ist es, zum 175. Jubiläum des TSV Crailsheim in zwei Jahren eine baden-württembergische Meisterschaft ins Schönebürgstadion zu holen. Bis dahin müssen wir allerdings noch einige Kampfrichter ausbilden. Förderlich für eine Bewerbung wären sicherlich, wenn wir bis dahin wieder eine erfolgreichere Jugendarbeit vorweisen könnten. Die Ausrichtung der Meisterschaft wäre sicherlich ein schöner Schlusspunkt meiner Arbeit als Abteilungsleiter beim TSV Crailsheim.

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