Leichtathletik Michael Lameli im Interview: „Abeles Gold war das i-Tüpfelchen“

DLV-Generaldirektor Michael Lameli auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions.
DLV-Generaldirektor Michael Lameli auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions. © Foto: Ralf Mangold
Berlin/Crailsheim / Ralf Mangold 18.08.2018
Michael Lameli ist Generaldirektor des DLV. Die Europameisterschaft in seiner alten Heimat Berlin bezeichnet er als Höhepunkt in seinem Arbeitsleben – das ihn auch nach Crailsheim geführt hat.

Michael Lameli hat eine große Karriere als Verbandsfunktionär gemacht und ist inzwischen Generaldirektor beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Zuletzt war er mitverantwortlich für die Durchführung der Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin. Mit der Tribüne im Schönebürgstadion hat Lameli in Crailsheim einen bestehenden Wert hinterlassen. HT-Redakteur Ralf Mangold unterhielt sich mit dem 40-Jährigen bei der EM in Berlin.

Wie kommt man eigentlich so einfach vom Fußball zur Leichtathletik?

Michael Lameli: Meine beruflichen Wurzeln habe ich zwar beim Fußball, aber seit meiner Kindheit betreibe ich Leichtathletik, zunächst bei meinem Heimatverein in St. Martin. Zwar mit relativ überschaubarem Erfolg im Vergleich zu den Athleten bei der EM, aber immer mit viel Spaß am Sport. Insbesondere beim Mehrkampf habe ich mich aktiv betätigt. Ich denke, das ist ein ganz wichtiger Aspekt für meinen Job, dass ich selbst schon einmal den Sport betrieben habe und deshalb eine hohe Affinität dafür mitbringe.

Was sind Ihre Aufgaben beim DLV?

Zuallererst gilt es, die vielfältigen Tätigkeiten der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu koordinieren und strukturieren. Dazu gehört eine intensive Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und die Unterstützung des Präsidiums. Dabei orientieren sich die Aufgaben am Leistungssport genauso wie am Freizeitsport. Wir wollen die Leichtathletik wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit bringen. Zu meinen Aufgaben gehört außerdem die Begleitung der Organisation von Großveranstaltungen wie zuletzt die deutschen Meisterschaften in Nürnberg und nun die Europameisterschaften in Berlin. Außerdem übernehme ich repräsentative Aufgaben des Verbandes auf nationaler und internationaler Ebene.

Wie läuft so eine Großveranstaltung wie die EM ab?

Eine solche Veranstaltung beginnt natürlich lange vorher mit der Bewerbung. Die konkreten Planungen sind dann vor gut drei Jahren gestartet. Je näher der Event, umso konkreter gilt es dann die Pläne im Detail umzusetzen. Hierfür sind circa 70 hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen verantwortlich und unzählige Volunteers involviert. Dabei müssen wir als Verband nicht nur als Veranstalter und Gastgeber sehr viele Aufgaben bewältigen, sondern auch noch alles für und rund um unsere teilnehmenden deutschen Athletinnen und Athleten organisieren.

Wie sieht Ihr Fazit der Premiere der Championships in Glasgow und Berlin aus?

Eine tolle Idee mit sieben Sportarten, die gleichzeitig ihre Europameisterschaften austragen. So hatten wir bei dieser Mini-Olympiade über den ganzen Tag verteilt eine hohe TV-Präsenz, die Resonanz der Zuschauer war hervorragend. Diese Idee wollen wir gemeinsam mit weiteren Spitzenverbänden im nächsten Jahr mit dem Wochenende der deutschen Meisterschaften fortführen. Wir versuchen unseren eigenen Weg als Leichtathletik-Verband zu gehen und als attraktiver Sport einen noch besseren Platz neben dem im TV sehr dominanten Fußball zu finden.

Sind Sie zufrieden mit der EM in Berlin?

Ein klares Ja. Wir hatten jeden Tag über 40.000 Zuschauer im Stadion, am Freitag- und Samstagabend war das Olympiastadion sogar fast voll. Damit haben wir die Zahlen der letzten Europameisterschaften deutlich übertroffen. Alles hat hervorragend funktioniert, zudem hat das deutsche Team auch sportlich sehr gut abgeschnitten. Und die Stimmung war einfach sensationell, ich denke dabei beispielsweise an den letzten Auftritt von Robert Harting – das war Gänsehaut pur, als er zusammen mit dem Publikum seinen gebührenden Abschied feiern durfte. Um den Sport noch attraktiver zu machen, haben wir die Siegerehrungen und Disziplinen wie Marathon und die Geher-Wettbewerbe in der Innenstadt auf den Breitscheidplatz verlegt. Da gab es Programm und Mitmachangebote den ganzen Tag über. Zudem wurden dort alle Wettkämpfe auf Großleinwand übertragen. In Summe sind wir sehr glücklich und stolz auf diese Veranstaltung im eigenen Land. Die Leichtathletik-EM im Berliner Olympiastadion ist für mich daher auch persönlich ein Highlight in meinem Arbeitsleben und mit der Ausrichtung des Champions-League-Finales 2015 gleichzusetzen, bei dem ich ebenfalls bei Organisation und Durchführung mitwirken durfte.

Was ist die Besonderheit an der Leichtathletik?

Die Leichtathletik als olympische Kernsportart gehört zu den Basissportarten, die jedes Kind erleben und erlernen sollte. Für die Zuschauer ist die Vielfalt das Besondere, in Berlin gab es beispielsweise Europameisterinnen und Europameister in 48 verschiedenen Disziplinen. Als einen herausragenden Moment hat mich der Zehnkampf begeistert. Dass mit Arthur Abele dazu noch ein deutscher Athlet Gold geholt hat, war natürlich das i-Tüpfelchen.

Vermissen Sie Berlin?

Ich habe fünfeinhalb Jahre dort gewohnt. Berlin ist eine sehr intensive, interessante und besondere Stadt – das war schon eine schöne Zeit. Ich war gerne hier, vor allem, weil es jederzeit interessante Sportveranstaltungen gab. Aber jetzt wohne ich in der Nähe von Darmstadt an der Bergstraße, bin wieder näher an meiner pfälzischen Heimat und fühle mich auch dort sehr wohl.

Haben Sie noch Kontakt zur Frauenfußballabteilung des TSV Crailsheim?

Ich schaue immer noch jedes Wochenende, wie die Frauen gespielt haben. Auch die Ergebnisse der B-Juniorinnen in der Bundesliga lese ich regelmäßig. Kontakt habe ich noch zu Abteilungsleiter Günther Herz, den ich zuletzt bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg getroffen habe. Ich habe ihm versprochen, dass ich, wenn es meine wenige Freizeit einmal zulässt, gerne mal wieder nach Crailsheim komme und ein Spiel der TSV-Frauen anschauen werde. Ich würde mich aber natürlich auch sehr freuen, wenn im Schönebürgstadion mal eine größere Leichtathletik-Veranstaltung stattfinden könnte. Die Anlage dürfte ja immer noch in sehr ordentlichem Zustand sein und bietet mit der Tribüne beste Voraussetzungen.

Vom Frauenfußball zur Leichtathletik

Michael Lameli war von Oktober 2006 bis Oktober 2008 Geschäftsführer des damaligen Frauenfußball-Erstligisten TSV Crailsheim. Danach wechselte er zum Badischen und später zum Berliner Fußball-Verband als Geschäftsführer. Seit Januar 2017 ist er Generaldirektor beim Deutschen Leichtathletik-Verband mit Sitz in Darmstadt. Er ist höchster hauptamtlicher Funktionsträger in einem der mitgliederstärksten Sportverbände Deutschlands. rama

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