Was für ein Wahnsinn! Längst hält es in der Würzburger s.Oliver-Arena keinen mehr auf den Sitzen. Die Zuschauer klatschen und jubeln, was das Zeug hält. Es geht dem Spielende entgegen. Die Sensation scheint greifbar. Crailsheim, der Tabellenvorletzte führt gegen den Zweiten der Hauptrunde. Die Spieler lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, fighten was das Zeug hält, einer kämpft für den anderen. Auch zwischenzeitliche Rückstände können ihnen nichts anhaben.

Merlins bleiben in Basketball Bundesliga Bremerhaven steigt ab - Ulm gewinnt knapp

Weißenfels/Neu-Ulm

Am Ende macht der Vorsprung zwölf Punkte aus. Zuschauer drücken ihre Nachbarn, hüpfen vor Freude in die Luft. Nach Spielende bildet sich eine Traube in der Hallenmitte. Es fließen Tränen - Tränen der Freude und Begeisterung. Schnell macht die Runde, dass Konkurrent Bremerhaven es beim MBC nicht geschafft hat. Die Merlins bleiben erstklassig. Zwei Siege in den letzten beiden Spielen. Die Akteure beweisen Nerven wie Drahtseile und spielen gegen Oldenburg richtig gut. Viele drücken Konrad Wysocki. Der beendet seine Karriere. Mit dem Klassenerhalt für die Merlins!

Strahlender Sonnenschein und frühlingsmilde 16 Grad in Würzburg – die äußeren Vorzeichen für ein furioses Saisonfinale der Korbjäger aus Crailsheim passen schon mal. „Auf der Hinfahrt war es im Bus sehr ruhig. Die Jungs wirkten sehr fokussiert. Man hatte den Eindruck, dass den Spielern durchaus klar war, dass etwas Besonderes bevorstünde“, so Ingo Enskat, Crailsheims sportlicher Leiter. „Trotzdem finde ich sensationell, wie viele Leute mitgekommen sind und uns hierher nach Würzburg begleitet haben. Diese positive Energie hat man schon vor dem Spiel in Gesprächen auf dem Vorplatz gespürt und die bringt die Mannschaft auch auf das Parkett.“

Sportlich galt es für Wysocki, Madgen und Co. freilich, eine Herkulesaufgabe zu bewältigen. Immerhin braucht der Vorletzte des Klassements einen Erfolg gegen den Zweiten aus Oldenburg, um das seine zum Unternehmen Klassenerhalt auf den letzten Drücker beizutragen. Die Gäste aus dem Norden schonen Will Cummings erneut, wie schon am Freitag gegen den MBC. Der Topwerfer und frisch gebackene MVP schaut sich das Geschehen in der Würzburger s.Oliver-Arena, wohin die Merlins zwangsläufig umziehen mussten, weil ihre Stammhalle belegt war, von der Bank aus an.

Spannendes Saisonfinale in der Basketball Bundesliga

Ein spannenderes Drehbuch für das Saisonfinale hätte sich kein Thriller-Autor mit noch soviel Phantasie und Sinn für Dramaturgie einfallen lassen können. Schon der erste Teil des Doppelspieltag-Wochenendes, das die Hauptrunde der BBL beschließt, war nichts für schwache Nerven. Wohl und Wehe der Protagonisten hingen am buchstäblich seidenen Faden. Zunächst haben die Merlins ihre Hausaufgabe bei den als Absteiger schon feststehenden Jenensern erledigt (91:88-Sieg), das war die Voraussetzung für ein Finale furioso am Sonntag. Dann galt es für Spieler und Anhang in der Jenenser Halle noch bange Minuten zu überstehen, denn Bremerhaven, Crailsheims Konkurrent im Rennen gegen den zweiten Abstiegsplatz, führte am Freitag in Berlin kurz vor Schluss und zwang die favorisierten Hauptstädter in die Overtime. Im Falle eines Erfolges der Eisbären wären die Crailsheimer Chancen, in der Eliteliga zu bleiben, perdu. Doch es kam anders. Alba setzte sich knapp durch und der zweite Absteiger musste am Sonntag im Fernduell zwischen Bremerhaven und Crailsheim ermittelt werden. Entscheidung also am letzten Spieltag.

Wysocki wirft Dreier zum Auftakt

Die Oldenburger hatten es am Freitag mit dem MBC zu tun und mussten ebenfalls in die Verlängerung, mit günstigem Ausgang für sie. Die Merlins starteten in Würzburg mit Ben Madgen, Frank Turner, Konrad Wysocki, Philipp Neumann und Hollis Thompson. Konrad Wysocki eröffnet mit einem Dreier. Philipp Neumann legt nach (5:0).

Die Halle kocht. Neumann hat es mit Rasid Malhalbasic zu tun, fischt vorne einen Rebound zum 11:7. Nach seinem zweiten Foul kommt Sherman Gay für ihn. Es bleibt knapp. Michael Cuffee trifft für Crailsheim zum 13:12. Malhasic vom eigenen Korb wegzuhalten ist fast nicht möglich. Knapp vier Minuten vor Viertelende steht es unentschieden (16:16). Wysocki versenkt einen Dreier zum 21:18. Seba Herreras Dreier bedeutet das 26:20! Oldenburg holt auf. Zum Viertelende führen die Merlins mit 28:25, verdient zu diesem Zeitpunkt. Ein Spiel auf Augenhöhe!

Es geht munter hin und her (34:34). Crailsheim bleibt sehr konzentriert und kämpferisch. Drei Minuten noch bis zur Pause. 36:38 für Oldenburg. Tuomas Iisalo bittet zur Auszeit. Oldenburg spielt fast jeden Angriff über Mahalbasic. Gegen den ist kein Kraut gewachsen. Zum Teil versuchen ihn drei Crailsheimer zu stoppen. Oldenburg geht mit 41:36 in Führung. Sherman Gay verkürzt von der Linie. Die Merlins kämpfen. Mit einem Solo über das gesamte Feld schließt De Wayne Russell den letzten Angriff ab, zum 46:48 – alles ist offen.„Die Energie ist toll und man merkt, das die Jungs gewinnen wollen“, bilanzierte Ingo Enskat in der Pause. „Wir müssen die Emotion und die Power hochhalten und auch entsprechend antworten, wenn Oldenburg vorlegt.“

Schnelle Auszeit nach Turner-Turnover

Nach einem Turnover von Frank Turner nimmt Coach Iisalo im dritten Viertel eine schnelle Auszeit (46:53). Die Merlins dürfen jetzt nicht abreißen lassen. Oldenburg baut seinen Vorsprung aus (51:61). Eine Vorentscheidung? Nein. Ben Madgen verkürzt wieder um drei Punkte. Doch die Differenz bleibt jetzt relativ konstant. Die Merlins kämpfen wie die Löwen. Sherman Gay gleicht aus. Oldenburg antwortet mit einem Dreier. Längst stehen die Zuschauer, fiebern intensiv mit klatschen und klatschen. Die Überraschung liegt in der Luft. Das Viertel endet mit 72:74.

Fans sorgen für beeindruckende Atmosphäre in Würzburg

„Merlins! Merlins!“, schallt es durch die s.Oliver Arena. Eine tolle Atmosphäre! Von Heimspiel in fremder Halle ist nichts zu spüren! Zehn spannende und umkämpfte Minuten stehen an. Die Spannung ist fast zu Greifen. Russell wirft, der Ball hüpft am Ring auf, fällt rein – zum 92:85. Noch 2,12 Minuten bleiben. Oldenburg nimmt die Auszeit. Die Merlins halten den Rhythmus. Konrad Wysocki baut den Vorsprung an der Linie auf 94:85 aus.

Wysocki trifft den nächsten Dreier zum 97:87. Jetzt hält es endgültig niemanden mehr auf den Sitzen. Noch 40 Sekunden. Gay macht den Sack zu zum 99:87-Erfolg gegen Oldenburg. Wahnsinn! Und natürlich schaut jeder auf sein Handy – ein Krimi in Weißenfels. Der MBC gewinnt – die Merlins bleiben in der Liga. Es gibt kein Halten mehr. Es fließen Tränen. Umarmungen. Unfassbar.

Info Die Saisonabschlussfeier der Merlins findet am Montag ab 18 Uhr auf dem Crailsheimer Rathausplatz statt. Die Basketball-Profis stehen für Autogramme und Fotos bereit.

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So spielten sie


Crailsheim - Oldenburg

99:87

 Crailsheim: Madgen (.15, 3 Dreier), Turner (14, 2 Dreier, 10 Assists), Gay (13), Thompson (0), Wysocki (14, 3 Dreier), Herrera (12, 4 Dreier), Ferner (0), Neumann (9, 7 Rebounds), Russell (19, 1 Dreier), Cuffee (3)

Oldenburg: Mahalbasic (25, 1 Dreier), Boothe (14,2),  Messenat (18, 4 Dreier), Stojanovski (8), Paulding (9, 2 Dreier), Tadda (6), Sears (5), Hujic (0), Schwethelm (0), Drijencic (2), Bacak , Kessen (0)

Viertel: 28:25/18:23/26:26/27:13 
Rebounds: 35:32
Assists: 22:20
Dreier: 50:29 Prozent