Frauenhandball Zwischen Vorfreude und Nervosität

Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 10.11.2018

Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim stehen vor ihrem bisher wichtigsten Duell in dieser Saison. Im Champions- League-Heimspiel am Sonntag (17 Uhr) in der Ludwigsburger MHP-Arena trifft der deutsche Vizemeister auf den norwegischen Titelträger Vipers Kristiansand. Es geht um den dritten Platz in der Gruppe D, der nach Abschluss der Zwischenrunde gerade noch zum Einzug ins Hauptfeld der besten zwölf Mannschaften berechtigt. „Siegen oder fliegen“ – auf diesen Nenner lässt sich die im Vorfeld völlig offene Partie bringen. „Das ist für uns ein richtiges Endspiel. Wir wollen auch nach Weihnachten unbedingt noch in der Champions League antreten und werden dafür alles geben“, sagt SG-Trainer Martin Albertsen, der auch nichts vom „Trostpflaster“ EHF-Pokal wissen will. Dort darf der Gruppenvierte nach dem Aus in der Königsklasse weiterspielen.

Remis im Hinspiel

Kristiansand und Bietigheim stehen nach vier Gruppenspielen mit jeweils drei Zählern punktgleich auf Rang drei und vier. Die ersten zwei Plätze scheinen an FTC Rail-Cargo Hungaria (sechs Punkte) und CSM Bukarest (vier Punkte) vergeben, auch wenn die Rumäninnen in der Gruppenphase schon zweimal gepatzt haben und theoretisch auch noch in die Bredouille kommen könnten. Im Hinspiel holte die SG BBM in der 90 000-Einwohner-Stadt Kristiansand ein 27:27-Unentschieden. Außerdem schaffte jedes Team einen Sensationssieg gegen den Mitfavoriten aus Bukarest. Die SG BBM setzte sich vor vier Wochen zu Hause in einem denkwürdigen Duell mit 30:28 gegen Rumäniens Meister durch. Die Vipers triumphierten am vergangenen Sonntag in Bukarest mit 31:26 – und kommen nun mit viel Rückenwind nach Ludwigsburg. Zumal sie in ihrer Liga nach sieben Begegnungen noch verlustpunktfrei sind und am Mittwoch mit einem 31:26 über Sola auch noch das norwegische Pokal-Finale erreicht haben. „Das ist eine unheimlich gute Mannschaft“, urteilt Albertsen über den Gegner und prophezeit: „Es werden Kleinigkeiten entscheiden.“

Zwischen Vorfreude und Nervosität reicht die Gefühlspalette im Bietigheimer Lager. „Vor so einem Event ist man immer nervös, das muss auch so sein. Wir haben Schmetterlinge im Bauch und werden dieses Spiel genießen“, sagt Albertsen und baut auf den Heimvorteil sowie eine frenetische Stimmung auf den Rängen: „Wir brauchen unsere Zuschauer. Sie müssen für den nötigen Druck von außen sorgen.“

Im Fokus werden die Torhüterinnen stehen: SG-Keeperin Dinah Eckerle ist unter der Woche – wie auch Kapitänin Kim Naidzinavicius und Luisa Schulze – ins deutsche EM-Aufgebot berufen worden (die BZ berichtete). Bei den Vipers bewacht mit Katrine Lunde ebenfalls eine Ausnahmekönnerin den Kasten. Die norwegische Torwart-Legende ist 2017 nach Stationen in Dänemark, Ungarn und Russland in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt und bürgt auch mit ihren inzwischen 38 Jahren noch für Weltklasse. In ihrer Vita stehen unter anderem jeweils zwei Champions- League-Titel mit Viborg und Györi, ein EHF-Pokal-Triumph mit Rostow am Don sowie zwei Olympiasiege, ein WM- und vier EM-Titel mit Norwegen.

Salamakha trainiert wieder

Entwarnung gibt es bei der zweiten SG-Torfrau: Valentyna Salamakha war am Sonntag beim Duell in Budapest (30:33) gegen einen Pfosten geknallt und musste mit einer Fuß- und Oberschenkelprellung vom Feld. Nach einigen Tagen Zwangspause trainierte Salamakha am Freitag erstmals wieder mit. Dasselbe gilt für Linksaußen Fie Woller, die ihren Muskelfaserriss im Bauch auskuriert hat und eventuell schon gegen die Vipers wieder im Kader steht.

Der noch punktlose Thüringer HC steht in Kroatien unter Druck

Auch für den zweiten deutschen Vertreter in der Champions League geht es am Sonntag (18 Uhr) um alles oder nichts. Nur mit einem Sieg beim kroatischen Spitzenverein HC Podravka Vegeta wahrt der deutsche Meister Thüringer HC seine Chance auf den Einzug in die Hauptrunde. Nach vier Spielen in der Gruppe C steht die Mannschaft von Trainer Herbert Müller noch ohne Punkt auf dem vierten und damit letzten Tabellenrang. Der Gegner Podravka hat Anfang Oktober beim THC in Nordhausen hauchdünn mit 28:26 (12:11) gewonnen und hat somit jetzt im Wettstreit um Platz drei alle Trümpfe in der Hand. Mit drei Zählern belegen die Kroatinnen Rang drei hinter dem ungarischen Titelverteidiger Györi Audi ETO KC (8 Punkte) und RK Krim Mercator aus Slowenien (5). „Der Thüringer HC steht enorm unter Druck. Ich hoffe, dass er gewinnt und noch weiterkommt. Es ist wichtig für den Frauenhandball hier, dass sich die deutschen Topklubs auch in Europa gut präsentieren“, sagt Martin Albertsen, Trainer des Erzrivalen SG BBM Bietigheim. ae

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