Frauenhandball Würdiger Abschied aus dem EHF-Pokal

Wenn die Rumäninnen einmal frei durch waren, mussten sie immer noch an Torhüterin Valentyna Salamakha vorbei.
Wenn die Rumäninnen einmal frei durch waren, mussten sie immer noch an Torhüterin Valentyna Salamakha vorbei. © Foto: Marco Wolf
Ludwigsburg / Jan Simecek 11.02.2019

Würdig haben sich die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim für diese Saison aus den internationalen Wettbewerben verabschiedet. Der Rahmen passte mit 1289 Zuschauern in der MHP-Arena, die für eine gute Stimmung sorgten. Das Ergebnis stimmte auch. Mit 29:17 besiegte das Team von Trainer Martin Albertsen CS Magura Cisnadie und verzauberte dabei auch mit ein paar besonders schönen Aktionen das Publikum.

Die zweite Hälfte war eigentlich eher nichts für Handballästheten, das wusste auch Albertsen. „Wir waren ungefähr zehn Minuten im Angriff und 20 in der Defensive“, fasste er die zweite halbe Stunde zusammen. In den zehn offensiven Minuten war aber so viel Lockerheit, dass so manches Kunststück klappte. Beispiel gefällig? Ein Konter, bei dem Angela Malestein über die einzige zurückgelaufene Verteidigerin hinweg Fie Woller anspielte. Die dänische Linksaußen hatte auf halblinks freie Bahn in den Kreis, sprang zum Wurf ab, legte aber in der Luft noch einmal quer auf die niederländische Rechtsaußen. In der Ausführung nicht ganz der klassische Kempa-Trick, aber nicht weniger begeisternswert.

Der Trainer schaut dagegen naturgemäß weniger auf die Optik als aufs Resultat, zeigte sich deshalb aber auch begeistert. „In den 20 Minuten, die wir in der zweiten Hälfte hinten drin stehen, haben wir nur acht Gegentore kassiert. Damit bin ich sehr, sehr glücklich“, so Albertsen. Wenn er überhaupt etwas zu meckern gehabt hätte, dann darüber, dass es sein Team im Angriff das eine oder andere Mal vielleicht etwas zu locker angehen ließ. Malestein, trotz allem noch Topwerferin der SG BBM mit sechs Treffern, stand schon nach etwas mehr als 23 Minuten bei fünf Torerfolgen, hätte locker zweistellig treffen können, doch die Hälfte ihrer zwölf Versuche ließ sie dann doch liegen.

Man merkte den Spielerinnen an, dass die Luft raus war. Sie lachten während der 60 Minuten so häufig wie sonst nie, scherzten miteinander. Auch Albertsen, der schon Mal aus der Haut fahren kann, wenn seine Spielerinnen allzu fahrlässig mit ihren Chancen umgehen, war die Ruhe selbst. Schließlich ging es ja auch um nichts mehr, weshalb er auch Anna Loerper gleich ganz vom Spielberichtsbogen genommen hatte, weil sie angeschlagen ist. Kim Braun, die sonst eher ganze Spiele auf der Bank sitzt, durfte dagegen zehn Minuten in der ersten und 20 in der zweiten als Linksaußen ran. Woller bekam eine verdiente Auszeit. Auf der anderen Seite durfte sich Malestein dann auch ausruhen, und da Anja Hoekstra international nicht einsatzberechtigt ist, musste Charris Rozemalen ran. Sie löste diese Aufgabe eher suboptimal.

Doch darauf kam es an diesem späten Sonntagnachmittag auch nicht an. Es war die Zeit zu experimentieren, zu schonen, zu belohnen. Wenngleich Albertsen das Aus im Europapokal mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht. „Das Herz wäre gerne weitergekommen, der Kopf sagt aber, dass es so richtig ist“, so der SG-Coach. Aber er ließ Valentyna Salamakha, die sonst oft nur kurz für Siebenmeter aufs Feld kommt, nahezu durchspielen. Sie bedankte sich mit einigen Paraden vor allem in der zweiten Hälfte, als die Rumäninnen immer häufiger zu Verzweiflungswürfen aus der zweiten Reihe oder zu schlecht vorbereiteten Unterhandwürfen griffen, weil sie einfach keine andere Lücke fanden. Auch Braun, die oft unglücklich im Abschluss wirkt, hatte da noch ihre Auftritte, traf zweimal von linksaußen und versenkte auch noch eiskalt einen Siebenmeter. Als kurz vor Schluss alle Mitspielerinnen wegliefen, übernahm sie wie selbstverständlich Verantwortung.

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