Bietigheim-Bissingen / Von Andreas Eberle

Gleich nach dem ersten Bully gab Shawn Weller den Rächer. Der Publikumsliebling der Bietigheim Steelers schnappte sich Michael Christ, verwickelte diesen in einen Boxkampf und zwang den Stürmer der Kassel Huskies aufs Eis, worauf die Schiedsrichter beide Raufbolde nach nur zwei absolvierten Sekunden mit einer 2+2+10-Strafe belegten. Bei der Prügelei beglich Weller eine alte Rechnung vom 16. November, denn da hatte Christ Bietigheims Max Lukes beim 6:1-Sieg der Schwaben mit einem üblen Check verletzt. Obwohl Weller die ersten 14 Minuten auf der Strafbank verbrachte, avancierte er im letzten DEL2-Spiel 2018 mit zwei Überzahl-Toren zum Matchwinner – gemeinsam mit Torhüter Ilya Sharipov, der am Sonntagabend beim 3:0-Heimerfolg seinen ersten Shutout feierte.

Lukes dankt seinem Rächer

Weller bekam für die Racheaktion übrigens noch ein besonderes Dankeschön: Nachdem er seine Strafe verbüßt hatte und zur Bank zurückgekehrt war, eilte Christs damaliges Opfer Lukes zu dem US-Amerikaner und klatschte mit ihm ab. „Das war nicht abgesprochen. Die Spieler regeln das, was zu regeln ist, allein“, kommentierte Steelers-Trainer Hugo Boisvert den von Weller provozierten Zwist auf dem Eis und zeigte sich gelassen: „Eishockey ist ein körperlicher Sport. Solche Boxkämpfe gehören dazu.“

Auch sportlich endete der dritte Saisonvergleich zwischen beiden Teams wie der Fight zwischen Weller und Christ: Die Punkte gingen klar und verdient an den Meister. Schon im ersten Drittel war von der in dieser Hauptrunde bisher so eklatanten Bietigheimer Heimschwäche – zuvor hatte es vier Pleiten hintereinander vor eigenem Publikum gegeben – nichts zu sehen. Der Gastgeber, der in der Verteidigung wieder mit dem wochenlang verletzten Max Prommersberger antrat, präsentierte sich konzentriert, bissig und angriffslustig. Die Huskies waren mit der Empfehlung von vier Siegen in Folge unter ihrem neuen alleinverantwortlichen Chefcoach Tim Kehler in der EgeTrans-Arena aufgekreuzt, blieben diesmal aber deutlich unter ihren Möglichkeiten.

In der sechsten Minute schoss Yannick Wenzel die Männer in Grün mit dem ersten vor drei Powerplay-Treffer nach Vorarbeit von Marcus Sommerfeld und Dennis Swinnen in Front. Kurz vor der ersten Drittelpause nutzten die Steelers auch ihr zweites Powerplay zum 2:0: Nach einem Querpass von Fréderik Cabana bugsierte Weller die Scheibe aus kurzer Distanz an Gästegoalie Marcel Melichercik vorbei.

Der zweite Durchgang war eine ausgeglichene Angelegenheit, aber auch arm an Höhepunkten. Das Wenige, was auf seinen Kasten kam, war eine sichere Beute von Sharipov. Würde er ausgerechnet zum Jahresabschluss noch seinen ersten Shutout in dieser Saison feiern können? Das war die spannende Frage vor dem letzten Drittel.

Kapitän zeigt sich angriffslustig

Seine Vorderleute jedenfalls taten ihr Bestes, um ihm diesen Triumph zu ermöglichen. Sie warfen sich weiter in jeden Schuss – wie etwa Alexander Preibisch. Bis zur Schlusssirene attackierten die Steelers aggressiv und mit viel Einsatz die Huskies-Stars, die keinen Stich machten. Dabei ging Kapitän Nikolai Goc mit gutem Beispiel voran. Der 32-jährige Abwehrmann zeigte eines seiner bisher besten Spiele im Bietigheimer Trikot. Dasselbe galt für Weller, der mit einem Abstaubertor, erneut in Überzahl, das 3:0 besorgte (54.). In der letzten Sekunde verfehlte der Stürmer mit einem Schuss aus dem eigenen Drittel nur um Millimeter das leere Kasseler Gehäuse und damit seinen dritten Treffer.

Am Ende blieb das Team aus dem Ellental zum zweiten Mal in dieser Saison ohne Gegentor und bejubelte beim 16. Heimauftritt den siebten Sieg. Es scheint so, als ob die Steelers ihre zuletzt bröckelnde Heimfestung nun wieder Stück für Stück aufbauen. Da können sie am Mittwoch (20 Uhr) im neuen Jahr gleich weitermachen. Dann kommen die Eispiraten Crimmitschau in die EgeTrans-Arena.

So spielten sie

DEL2, 32. Spieltag
Bietigheim – Kassel

3:0

Drittel: 2:0, 0:0, 1:0.
Tore: 1:0 Wenzel (6./Überzahl), 2:0 Weller (20./Überzahl), 3:0 Weller (54./Überzahl).
Strafminuten: 22 (7 Strafen) – 26 (9 Strafen).
Schiedsrichter: Patrick Gogulla (Düsseldorf), Stefan Vogl (Thanning).
Zuschauer: 3699.