Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle

Vorteil SG BBM Bietigheim. Auf diesen Nenner lässt sich der 21. Spieltag der Handball- Bundesliga Frauen (HBF) bringen. Im Zweikampf um den Titel mit dem punktgleichen Erzrivalen Thüringer HC baute das Team von Trainer Martin Albertsen den Vorsprung in der Tordifferenz um weitere vier Treffer aus. Die Spielgemeinschaft setzte sich am Samstagabend in der heimischen Viadukthalle gegen die HSG Blomberg-Lippe mit 31:24 durch und holte so sofort wieder die Tabellenführung zurück ins Enztal. Am Freitagabend hatten die Thüringerinnen mit einem 26:23 bei Borussia Dortmund vorgelegt und zumindest für einen Tag Platz eins erobert.

SG BBM ist 15 Tore besser

Die beiden deutschen Champions-League-Teilnehmer führen die Tabelle mit nun 40:2 Zählern an. Mit plus 163 hat Bietigheim aber fünf Spieltage vor dem Saisonende das um 15 Treffer bessere Torverhältnis gegenüber dem Titelverteidiger THC (plus 148) – und damit aktuell im Wettstreit um die Meisterschaft auch die besseren Karten. Experten erwarten, dass sich beide Topklubs keine Blöße mehr geben. „Jeder guckt auf die Spiele von Bietigheim und des Thüringer HC, denn jeder weiß, dass es da ums Torverhältnis geht“, sagte Blombergs Coach Steffen Birkner.

Von der knappen Niederlage eine Woche zuvor im Gipfelduell in Bad Langensalza präsentierte sich die SG BBM vor den 902 Zuschauern gut erholt. Gerade in der Abwehr bot sie eine starke Vorstellung. Dass der Spitzenreiter auf die Leistungsträgerinnen Luisa Schulze (Nasenbeinbruch) und Karolina Kudlacz-Gloc (Schulterverletzung) verzichten musste, fiel nicht ins Gewicht.

Besonders gut aufgelegt waren Torfrau Dinah Eckerle und Kapitänin Kim Naidzinavicius. Letztere zeigte ihre bisher stärkste Leistung seit dem Comeback Anfang März in Bad Wildungen und war am Ende mit sechs Treffern die beste Werferin des Abends – gemeinsam mit Anna Loerper, die die Hälfte ihrer Tore allerdings per Siebenmeter erzielte. Licht und Schatten gab es bei Angela Malestein. Die niederländische Rechtsaußen, die im Topspiel wegen eines Schrittfehlers in der Schlussphase zur tragischen Figur geworden war, schlug zwar fünfmal vorne zu, leistete sich aber auch fünf Fehlwürfe. Daran war Anna Monz nicht ganz unschuldig. Die 1,84 Meter große Torhüterin lief wie Eckerle zur Bestform auf und avancierte zur besten Gästespielerin.

Blomberg leistet Widerstand

Der Tabellenachte aus Ostwestfalen erwies sich für die Bietigheimerinnen als sperriger Gegner und leistete dem Favoriten heftigen Widerstand. „Wir wollten uns hier nicht abschlachten lassen und uns nichts nachsagen lassen – etwa, dass wir nur mit halber Kraft spielen“, sagte HSG-Trainer Birkner und hatte da wohl das 22:40-Debakel des Buxtehuder SV zwei Wochen zuvor an gleicher Stelle im Hinterkopf.

Nach einem Doppelschlag von Naidzinavicius zum 10:4 (17.) und einem Gegenstoß-Tor von Antje Lauenroth zum 12:6 (21.) lag die SG in der ersten Hälfte zweimal mit sechs Treffern vorne. Doch die Blombergerinnen kämpften sich verbissen zurück und verkürzten bis zur Pause auf 11:15. Die höchste Bietigheimer Führung belief sich im zweiten Durchgang auf acht Tore – beim 23:15 (44.) und beim 31:23 in der letzten Minute. Kurz davor hatte Albertsen noch eine Auszeit genommen – ein weiteres Indiz, dass der Däne im Endspurt nichts dem Zufall überlassen will und auf jeden Treffer Wert legt. Mit der letzten Aktion gelang Celine Michielsen aber noch der Blomberger Treffer zum 24:31-Endstand.

„Wir sind glücklich über die sieben Tore Abstand. Der Sieg geht so in Ordnung. Es war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften“, bilanzierte SG-Torfrau Eckerle und lobte den Gegner für dessen mutigen Auftritt: „Blomberg absolviert bisher eine richtig gute Saison, ist eine kampfstarke Mannschaft und spielt einen schnellen Ball.“ Ihre Torhüter-Kollegin Monz freute sich darüber, dass ihr Team den Titelaspiranten geärgert habe. Die dreifache deutsche Nationalspielerin konnte sich aber einen Seitenhieb an die Adresse der Bietigheimerinnen nicht verkneifen: „Ich bin ein bisschen traurig, dass manche erfahrenen Spielerinnen etwas unsportlich sind. Da hätte ich mir mehr erwartet.“