Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle  Uhr

Wenn für die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim alles perfekt läuft, können sie schon an diesem Samstagabend auf der Heimfahrt von der Saale an die Enz die Sektkorken knallen lassen. Denn sollte der Spitzenreiter sein Gastspiel beim SV Union Halle-Neustadt wie allseits erwartet gewinnen und der punktgleiche Titelrivale Thüringer HC beim Dritten TuS Metzingen verlieren, ist der Spielgemeinschaft der zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte nur noch theoretisch zu nehmen. Dann nämlich hätten die Bietigheimerinnen vor dem letzten Saisonspiel gegen den Tabellenachten Frisch Auf Göppingen zwei Zähler Vorsprung und das klar bessere Torverhältnis gegenüber dem THC (aktuell plus 27).

Doch egal, wen man im SG-Lager vor der Pflichtaufgabe an diesem Samstag (18 Uhr) auf den etwaigen Titelgewinn anspricht – die Antwort lautet stets gleich: Der Fokus liege allein auf dem nächsten Spiel. „Im Sport kann immer etwas passieren. Darum bleiben wir voll konzentriert“, sagt Kreisläuferin Luisa Schulze. „Wir sind so stark, weil wir immer den Fokus halten. Wenn der mal fehlt, hilft das nur unserem Konkurrenten“, assistiert Trainer Martin Albertsen. „Uns kann durchaus noch etwas stoppen. Erstens Halle, zweitens Göppingen und drittens irgendwie auch noch der THC“, warnt Kapitänin Kim Naidzinavicius.

Halle siegt dreimal im März

Dass nun ausgerechnet der bereits als Absteiger feststehende SV Union zur Stolperfalle werden kann, ist freilich nahezu ausgeschlossen. Die SG BBM hat 23 ihrer 24 Bundesliga-Begegnungen für sich entschieden. Die einzige Niederlage kassierte der Spitzenreiter beim Thüringer HC – ein knappes 23:24. Dagegen steht Halle-Neustadt mit 8:40 Punkten auf dem vorletzten Platz und hat erst drei Partien gewonnen: Im seinem stärksten Monat März schlug der Aufsteiger Leverkusen, Bad Wildungen und Nellingen. Das Hinrundenduell in der Viadukthalle endete mit einem deutlichen Bietigheimer 36:19-Erfolg.

Im DHB-Pokal trumpfte das Team aus Sachsen-Anhalt allerdings groß auf: Im Viertelfinale gelang ein 35:31-Überraschungscoup gegen Leverkusen und damit der Einzug ins Final Four am 25. und 26. Mai in der Stuttgarter Porsche-Arena – der bisher größte Erfolg der Klubhistorie. Auch dort ist im Halbfinale Bietigheim der Gegner. „Das Spiel am Samstag ist wie eine Generalprobe für den Pokal“, sagt Union-Kapitänin und -Spielmacherin Nadine Smit und verspricht: „Wir werden uns gegen eine Niederlage stemmen. Aber es wäre für uns auch kein Weltuntergang, wenn das Spiel mit einer hohen Differenz verloren geht. Wir wissen, dass wir gegen einen Goliath antreten.“

Auch Union-Trainerin Tatjana Logwin glaubt fest an eine gute Leistung im letzten Heimspiel der Saison. „Wir haben unsere Zuschauer im Rücken, und ich bin sicher, dass wir unser Bestes geben werden. Ich habe so ein Gefühl, dass es für Bietigheim nicht so einfach werden wird“, sagt die frühere österreichische Nationalspielerin ukrainischer Herkunft. Sie fürchtet auch nicht, dass Halle-Neustadt gegen Bietigheim so untergehen könnte wie vor zwei Wochen der VfL Oldenburg beim 22:43. „Die Einstellung meiner Mädels ist ein bisschen besser“, betont Logwin.

Bei der SG BBM sind bis auf die Langzeitverletzte Daniela Gustin, die in ihrer Heimat Schweden ihren Kreuzbandriss auskuriert, alle Handballerinnen einsatzbereit. Im Fall von Karolina Kudlacz-Gloc haben die Ärzte nach ihrer Schulterblessur grünes Licht gegeben, aber Albertsen möchte kein Risiko eingehen: „Bei Karo müssen wir aufpassen. Ich will nicht, dass sie sich gleich wieder verletzt.“