Judo Vollkontakt-Kampfsport ohne große Verletzungsgefahr

Eine Übungseinheit bei der Besigheimer Judoabteilung: Björn Höning (14) legt den zwei Jahre älteren Shoeib Jafari (unten) aufs Kreuz. Trainer Bastian Schurr beobachtet die Aktion.
Eine Übungseinheit bei der Besigheimer Judoabteilung: Björn Höning (14) legt den zwei Jahre älteren Shoeib Jafari (unten) aufs Kreuz. Trainer Bastian Schurr beobachtet die Aktion. © Foto: Richard Dannenmann
Besigheim / Daniel Haug 15.12.2017

Betritt man während des Judo-Trainings die Gustav-­Siegle-Halle in Besigheim, kündigen laute Schläge an, dass hier gerade die Judoka der Sportvereinigung (Spvgg) am Werk sind. Jugend­trainer Alexander Knoss leitet die Übungseinheit der Kinder und Jugendlichen in den Altersklassen U 10, U 12 und U 14, die sich gegenseitig aufs Kreuz legen.

Trotz der sich bedrohlich anhörenden Geräusche passiere beim Judo insgesamt recht wenig. „Wir betreiben eine Vollkontakt-Kampfsportart. Da denken viele, dass ja was passieren muss. Ich habe vor kurzem aber eine Statistik gelesen, dass sich im Fußball nur in jedem zehnten Spiel jemand verletzten würde, wenn die Verletzungshäufigkeit dort so wäre wie beim Judo“, berichtet Bastian Schurr, der Erwachsenentrainer der Judoabteilung der Spvgg Besigheim. Trotz der vergleichsweise geringen Verletzungsgefahr warnt Schurr vor einem zu frühen Einstieg in den Judosport. „Viele Kinder möchten gerne früher beginnen, aber es ist wichtig, dass sie eine gewisse Grundausbildung im Bereich Bewegung und Koordination mitbringen. Dazu gehört, dass man problemlos rückwärtslaufen kann und ein Purzelbaum gelingt, ohne mit dem Kopf auf den Boden zu kommen“, erklärt Schurr.

„Kinder in Bewegung“

Innerhalb der Sportvereinigung wird diese Ausbildung durch die Abteilung „Kinder in Bewegung“ (KiB) geleistet. „Hier bildet der Verein die Kinder bis zur erstenund zweiten Klasse aus. Bestenfalls entscheiden sich die Kinder anschließend dann für eine Sportart und bleiben im Verein. Zwischen sieben und acht Jahren sind sie dann in einem sinnvollen Einstiegsalter, dass sie mit Judo beginnen und wir sie übernehmen.“

Doch auch ein späterer Einstieg ist noch möglich. „Wenn man koordinativ gut ausgebildet ist, fällt der Einstieg ab einem gewissen Alter leichter“, weiß Schurr. Dies kann er in seiner Trainingsgruppe im Moment hautnah beobachten. Shoeib Jafari kam als Flüchtling aus Afghanistan, lebt in einer judobegeisterten Gastfamilie und ist vor etwa einem Jahr bei der Sportvereinigung eingestiegen. „Er bringt viele Fähigkeiten und ein gutes Körpergefühl mit, sodass er die meisten Sachen instinktiv richtig macht“, freut sich sein Trainer. Aktuell bereitet sich der 16-Jährige auf seine erste Kampfprüfung vor und trainiert dafür zweimal pro Woche. Schurr sieht noch einen weiteren Aspekt: „Wir verbringen viel Zeit gemeinsam auf der Matte. Dadurch bietet sich eine gute Chance zur Integration. Von mir aus können gerne noch weitere Flüchtlinge zur Gruppe dazukommen.“

Schurr selbst hat im Alter von sechs Jahren mit Judo beim Anfängerkurs in Besigheim begonnen und ist seither dabei. Der heute 38-Jährige schätzt die Vielfältigkeit an seinem Sport. „Judo ist vergleichbar mit Ringen, eine Vollkontakt-Sportart ohne Schlagtechniken. Aber Judo bietet Techniken für alle körperlichen Voraussetzungen, und durch eine festgelegte Reglementierung werden alle gleich behandelt.“ So wird Judo – eingeteilt in männlich und weiblich, in Alters- und sieben verschiedenen Gewichtsklassen – unterschieden.

Die Abteilung ist gut in die Sportvereinigung integriert. „Wir nehmen an den verschiedenen Veranstaltungen des Vereins teil – wie etwa dem Tag der offenen Tür, ‚Besigheim spielt‘, der Olympiawoche und dem Sommerferienprogramm“, berichtet Schurr. Darüber hinaus gehen die Judoka bei verschiedenen Wettkämpfen an den Start und richten auch selbst Veranstaltungen aus. So finden am 29. September 2018 die baden-württembergischen Einzelmeisterschaften der Herren und Damen in der Besigheimer Neckarhalle statt. „Das wird ein hochklassiges Turnier, an dem auch einige unserer Athleten teilnehmen werden“, freut sich Schurr, der mit seinen Sportlern auch als Mannschaft in der Bezirksliga an den Start geht. „Da sind wir in diesem Jahr unter acht Mannschaften Dritter geworden, punktgleich mit dem Ersten. Darauf sind wir sehr stolz.“

Talente im Nationalkader

Auch einige Talente hat die Judo-Abteilung schon hervorgebracht. Den größten Erfolg errang wohl Sandra Orth, die im Vorfeld der Olympischen Spiele in Barcelona 1992 zum Trainingskader der Nationalmannschaft gehörte. Ebenfalls in den Nationalkader schaffte es der in Besigheim ausgebildete Marvin Kurz, der inzwischen in Steinheim kämpft. Aktuell steht Jannis Orth im U-15-Landeskader.

Doch nicht nur für die jungen Kämpfer ist in Besigheim etwas geboten. Zur Judo-AH Ü 55 gehört unter anderem der ehemalige Besigheimer Vizebürgermeister Adolf Eisenmann. „Das ist eine gesellige Gruppe, die sich einmal wöchentlich trifft. Die Ältesten sind bis zu 80 Jahre alt“, sagt Schurr.

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