Wie viele Sportler, trainieren auch die Mitglieder des TSC Bietigheim in einer Halle. Ägypten, Mexiko und Italien sind aber für sie nicht nur Urlaubsziele, sondern auch Trainingsstätten. Denn dort herrschen geeignete Verhältnisse für ihre Sportart. Der Tauch-Sport-Club Bietigheim bietet neben dem Gerätetauchen auch eine Apnoe-Abteilung und technisches Tauchen an. Mit Übungsleiter und Vereinsvorsitzendem Reiner Hundshammer hat der TSC einen deutschen Vizemeister im Unterwasser-Video in ihren Reihen. Auch das kann im Verein erlernt werden.

Mit rund 50 Kindern und Jugendlichen unterhält der TSC die größte Jugendgruppe in der Umgebung. Damit das so bleibt, kooperiert der Klub mit Schulen und der Stadt, beteiligt sich am Sommerferienprogramm und stellt Leihmaterial zur Verfügung. Denn die Ausrüstung ist nicht ganz billig. Um den Sport ausüben zu können, brauche es zunächst nicht mehr als die sogenannte ABC-Ausrüstung, sagt Hundshammer: Schnorchel, Taucherbrille und Flossen. Das Wichtigste aber sei körperliche Gesundheit. Eine tauchärztliche Untersuchung sei Pflicht, wobei besonders Kreislauf, Organismus, Herz und Ohren unter die Lupe genommen werden. Das gelte sowohl fürs Geräte- als auch für das Apnoetauchen. Zu Letzterem gehöre auch etwas Talent. Denn hier gilt es, mit einem Atemzug so weit, so ausdauernd und so tief wie möglich zu tauchen.

Hoffen auf Olympia

„Ich denke, es ist eine Frage der Zeit“, glaubt Hundshammer mit Blick auf Olympische Spiele, denn vor 100 Jahren war das Unterwasserschwimmen schon einmal olympisch. Die Chancen schätzt er vor allem für die Disziplin „16 mal 50 Meter“ gut ein. Hierbei schnappt der Schwimmer nach jeder 50-Meter-Bahn einmal nach Luft und taucht anschließend wieder ab. Und das Ganze 16 Mal.

Die sportliche Faszination des Apnoetauchens beschreibt Hundshammer so: „Jeder kann an seine persönlichen physischen und psychischen Grenzen rangehen. Wir versuchen durch autogenes Training, Psychologie und Yoga den Körper zu steuern, dass Puls, Atmung und Herzschlag ruhig werden. Durch entsprechendes körperliches Training wird die Ausdauer unter Wasser trainiert. Und man muss den Schweinehund überwinden wenn der Atemwiderstand kommt.“

Ohne die Unterstützung technischer Geräte zu tauchen liege voll im Trend, erzählt Hundshammer, vor allem, weil man ohne die Geräusche der Technik viel näher an Tiere herankomme. Auf die treffen die Vereinstaucher zum Beispiel bei ihren Ausbildungs- und Trainingseinheiten in Plittersdorf und dann im nächsten Schritt, im offenen Meer. Der Verband Deutscher Sporttaucher und der Württembergische Landestauchverband bieten dafür Kurse an. „Dort, wo es tiefer ist“, sagt Hundshammer, „und wärmer, damit man nicht in der Kälte tauchen muss.“ Zum Beispiel am Mittelmeer und in Ägypten.

Dorthin ging in den 1980er Jahren auch ein Ausflug des TSC Bietigheim, an den sich alle Teilnehmer von damals noch gut erinnern könnten, erzählt Hundshammer. „Manche Haudegen waren schon in den 1970er Jahren mit dem VW-Bus am Sinai“, erzählt der Vereinsboss. Bei der Vereinsreise in den 1980er Jahren habe man gezeltet, erinnert er sich, „damals war das Tauchen noch nicht so verbreitet, du hast das Rote Meer für dich gehabt.“ Heutzutage dürfe man den Ras-Mohamed-Nationalpark an der südlichen Spitze des Sinai nicht einmal mehr den ganzen Tag besuchen.“ Außerdem werde für das Naturschutzgebiet inzwischen Eintritt verlangt. „Wir waren damals eine ganze Woche im Zelt vor Ort. Das war Spitzenklasse.“ Letztes Jahr gingen die Reisen des TSC Bietigheim nach Südfrankreich und Ostdeutschland. Vor kurzem seien einige Vereinsmitglieder nach Kuba geflogen, im Oktober ist eine Reise nach Giglio, an die italienische Küste geplant.

Wolfgang Theis, langjähriges Vorstandsmitglied, übt das technische Tauchen aus. Dahinter verbirgt sich, einfach ausgedrückt, die Schwierigkeit, nicht jederzeit auftauchen zu können, beispielsweise unter Eisflächen oder in Höhlen. „Ich muss den Tauchgang exakt planen, damit ich das Wasser wieder gesund verlassen kann“, betont Theis, der mit dem Taschenrechner dasitzt und Berechnungen zu Luft und Gas anstellt. Der Aufwand, der für diese Tauchdisziplin betrieben werden muss, ist hoch. Für eine halbe Stunde unter Wasser dauere es danach über eine Stunde, um das gesammelte Gas im Körper wieder loszuwerden. Knapp zehn Vereinsmitglieder stellen sich dieser Herausforderung. „Das muss man wirklich mit Leib und Seele machen“, betont Theis. Auch, weil es ins Geld geht. Denn für Praxiserlebnisse fliegen er und seine Mitstreiter schon mal nach Mexiko. Außerdem kostet ein Tag Höhlentauchen mit zwei Tauchgängen etwa 250 US-Dollar.

Gefahren beim Höhlentauchen

Unübersichtlichkeit, verzweigte Wege und unvorhersehbare Gefahren, wie aufgewirbelten Lehm, machen das Höhlentauchen nicht ungefährlich. Theis und Kollegen haben die Gefahr daher zu Übungszwecken simuliert: „Wir sind in Sardinien mit verbundenen Augen durch den Pinienwald gesprungen. Da kamen Wanderer, die meinten, wir müssten in die Irrenanstalt. Aber wenn ich meine Leinen und ihre Signale nicht beherrsche, komme ich aus der Höhle nicht mehr raus. Das ist ein absolutes Todesurteil.“