Frauenhandball Thüringer HC feiert schon meisterlich

Ringen oder Handball? Die Abwehrspezialistin Anika Niederwieser (rechts) vom Thüringer HC nimmt die Bietigheimer Top-Torschützin Anna Loerper in die Mangel.
Ringen oder Handball? Die Abwehrspezialistin Anika Niederwieser (rechts) vom Thüringer HC nimmt die Bietigheimer Top-Torschützin Anna Loerper in die Mangel. © Foto: Marco Wolf
Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 03.04.2018

Die Handballerinnen des Thüringer HC tanzten siegestrunken im Kreis und lagen sich in den Armen, die 80 ins Schwabenland mitgereisten Fans sangen voller Inbrunst „Oh, wie ist das schön“, und gemeinsam feierten Team und Anhang lautstark einen großen Triumph. Die Jubelszenen, die sich am Samstagabend nach dem Bundesliga-Topspiel in der MHP-Arena Ludwigsburg abspielten, sahen wie eine vorzeitige Meistersause aus.

Und eigentlich war sie das auch. Denn mit dem 26:23-Sieg im Gipfelduell bei der SG BBM Bietigheim ist den Thüringerinnen der siebte Titel ihrer Vereinsgeschichte nur noch theoretisch zu nehmen. Mit nun bereits sieben Zählern Vorsprung führt der THC sieben Spieltage vor dem Saison­ende die Tabelle vor dem Noch-Titelträger aus Bietigheim an.

Als „Dreisprung in die richtige Richtung“ bezeichnete Gästetrainer Herbert Müller etwas kryptisch den wohl entscheidenden Schritt zur Meisterschaft. Sein Bietigheimer Kollege Martin Albertsen hatte allerdings bereits vor dem Handball-Hit die Chancen der SG BBM auf die Titelverteidigung als äußerst gering eingestuft. Für seine Mannschaft wird es in den nächsten Wochen darum gehen, Platz zwei und damit das Champions-League-Ticket gegenüber den Verfolgern aus Buxtehude und Metzingen zu verteidigen.

Starke Abwehrleistungen

Das Topspiel vor den 1880 Zuschauern – ein Bundesliga-Besucherrekord für die Bietigheimer Handballerinen – hielt, was es versprochen hatte. Beide Teams lieferten sich ein packendes und lebhaftes Duell. In der ersten Halbzeit dominierten die beiden Abwehrverbünde. Im ersten Durchgang fielen insgesamt nur 15 Tore – sechs für die SG BBM, neun für den Gast aus Thüringen. Bis zur 25. Minute hatten die Bietigheimerinnen kümmerliche vier Treffer zustandegebracht, ehe Anna Loerper eine mehr als zehnminütige Torflaute mit einem Siebenmeter zum 5:7 beendete.

Dabei spielte sich der Tabellenzweite eigentlich immer wieder gute Chancen heraus. Nur im Abschluss haperte es. Das lag zum einen am Wurfpech – allein im ersten Durchgang traf die SG BBM viermal Latte oder Pfosten. Zum anderen zeigte THC-Torhüterin Dinah Eckerle in den ersten 30 Minuten eine Weltklasse-Leistung und wehrte 13 Bälle ab. Stellvertretend für die Bietigheimer Angriffsmisere stand Rechtsaußen Angela Malestein. Die Niederländerin scheiterte mit dem ersten Siebenmeter der Partie an ihrer künftigen Teamkollegin Eckerle. Dasselbe Malheur passierte ihr später auch im Eins-gegen-eins-Duell und bei einem Heber – jeweils blieb die Gästekeeperin die Siegerin. Danach löste Mille Hundahl die glücklose Malestein ab. Die Dänin hatte am Ende immerhin vier Treffer in der Statistik stehen.

In der Pause muss Albertsen an den richtigen Stellschrauben gedreht haben. Das Abwehrbollwerk des Meister hielt zunächst weiter stabil, Torfrau Valentyna Salamakha steigerte sich, und vorne nutzte sein Team die Chancen nun wesentlich besser. Mit vier Toren am Stück zum 11:10 (34.) übernahm die SG BBM erstmals seit dem 1:0 wieder die Führung, was Gästecoach Müller zu einer Auszeit zwang. Das Duell wogte fortan hin und her, mehrmals wechselte die Führung, Spannung und Hektik nahmen von Minute zu Minute zu. Beim 15:13 (42.) und beim 17:15 (45.) lag Bietigheim sogar mit zwei Treffern vorne, ehe der THC das Ruder doch noch herumriss.

Loerper verfehlt leeres THC-Tor

Die Schlüsselszene ereignete sich in der 57. Minute beim Stand von 23:23: Ausgerechnet Loerper, mit zehn Toren die beste Bietigheimer Schützin, warf aus der eigenen Hälfte über das leere Gästegehäuse. Mit drei Treffern durch die überragende Spielmacherin Iveta Luzumova per Siebenmeter, Lydia Jakubisova und Kreisläuferin Meike Schmelzer machte der Spitzenreiter den Sack zu. In der entscheidenden Phase hatten sich die Thüringerinnen als die cleverere und auch glücklichere Mannschaft erwiesen – und durften darum in Ludwigsburg eine erste (Fast-) Meisterparty feiern.

Trainerin Ilyes tritt zurück, Wolf hört auf

Nach der 19:29-Pleite beim Tabellenbachbarn HSG Bensheim/Auerbach ist Annamaria Ilyes als Trainerin beim Bundesliga-Vorletzten Neckarsulmer Sport-Union zurückgetreten. „Es ist mir nicht gelungen, die sportlichen Ziele des Vereins umzusetzen und die Mannschaft zurück in die Erfolgsspur zu bringen“, sagte die frühere Bietigheimer Spielerin, die den Trainerjob bei der NSU erst Anfang Februar von Emir Hadzimuhamedovic übernommen hatte.

Der TSV Bayer 04 Leverkusen geht derweil mit einem neuen Trainer in die Bundesliga-Saison 2018/2019: Der Niederländer Robert Nijdam tritt in die Fußstapfen von Renate Wolf, die jedoch weiter als Geschäftsführerin der Handball-Abteilung fungiert. Der 46-jährige Nijdam ist seit Oktober 2014 für die niederländischen Juniorinnen verantwortlich. Mit ihnen hat er jüngst die Qualifikation für die EM in Ungarn (1. bis 15. Juli) geschafft. bz

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