Wasserball SV Ludwigsburg zählt wieder zur Elite

Die Wasserballer des SV Ludwigsburg, hier beim Training im Campusbad, gehen seit dieser Saison in der Deutschen Wasserball-Liga (DWL) auf Torejagd.
Die Wasserballer des SV Ludwigsburg, hier beim Training im Campusbad, gehen seit dieser Saison in der Deutschen Wasserball-Liga (DWL) auf Torejagd. © Foto: Richard Dannenmann
Ludwigsburg / Daniel Haug 12.01.2018

Mehr als 40 Jahre mussten die Wasserballer des SV Ludwigsburg warten, ehe sie wieder in der höchsten deutschen Spielklasse antreten durften. Eine lange Zeit für einen Verein, der 1961 schon deutscher Vizemeister und 1964 Pokalsieger war. Doch seit dieser Saison ist es wieder soweit. Im Juli 2017 gelang es den SVL-Wasserballern, über ein Relegationsturnier in Köln in die Deutsche Wasserball-Liga (DWL) aufzusteigen.

Entscheidenden Anteil daran hatte der zu Beginn des Jahres 2017 verpflichtete Trainer Laszlo Csanyi, der bereits 2005 bis 2010 für die Ludwigsburger spielte und teilweise als Spielertrainer aktiv war. „Laszlo hat die Mannschaft auf dem vorletzten Platz übernommen, noch auf den fünften Rang und damit zum Relegationsturnier geführt und dort den Aufstieg geschafft“, zollt Abteilungsleiter Jan Wörsinger Respekt.

Trainerwechsel im November

Doch nachdem die Rückkehr in die Erste Liga mit vier Niederlagen und einem Unentschieden in den ersten fünf Spielen denkbar schlecht begann, vollzog der Verein bereits Ende November einen Trainerwechsel. Seitdem steht Sven Schulz als hauptamtlicher Coach am Beckenrand. Dessen Premiere gegen Mitaufsteiger Köln endete prompt mit einem 16:4-Sieg. „Dieser Erfolg wäre auch ohne den Trainerwechsel gelungen“, bleibt Schulz bescheiden und lobt seinen Vorgänger Csanyi, mit dem die SVL-Verantwortlichen aktuell in Gesprächen über ein Verbleiben im Verein in anderer Funktion sind.

Der 45-jährige Schulz hat in der ehemaligen DDR selbst Wasserball in der Zweiten Liga gespielt, Ende der 1990er-Jahre als Jugendtrainer in Chemnitz begonnen und später auch die Herren trainiert. Nach einer mehrjährigen Pause stieg er 2009 als Trainer der Chemnitzer Frauen wieder ein und führte das Team in die Erste Liga, ehe sich Ende 2016 die Wege trennten und Schulz nach Düsseldorf ging.

Hinter der Ludwigsburger Bundesliga-Mannschaft steht ein weiteres Team – das um den Präsidenten Volker Heyn, die Vizepräsidenten Attila Böhm und Matthias Nagel sowie Abteilungsleiter Wörsinger. „Der Wechsel zum jetzigen Vorstand war ein wichtiger Schritt, durch den der Verein neu aufgebaut wurde. Die jahrelange Rivalität zwischen der Schwimm- und der Wasserballabteilung ist jetzt nicht mehr da. Und das Abenteuer Wasserball-Bundesliga wird von allen mitgetragen“, sagt Wörsinger.

Auf Simon Kunz und seine Arbeit als Schwimmtrainer kommt es auch für die Wasserballer an. „Um Wasserball spielen zu können, benötigt man eine gute Schwimmausbildung. Deshalb wollen wir den Kindern und Jugendlichen Spaß am Wasser vermitteln und für den Verein begeistern“, sagt Wörsinger. Dazu hat der Verein in Kooperation mit den Ludwigsburger Schulen den sogenannten Schwimmcampus und führt gemeinsam mit den Lehrern die Schwimmausbildung durch. Als Ziel dahinter steht in erster Linie, dass jeder Schulabgänger in Ludwigsburg schwimmen kann. Natürlich versucht der SVL darüber auch Nachwuchs zu gewinnen, nicht nur im Bereich Wasserball. „Wir haben im Moment einen großen Zulauf beim Synchronschwimmen und da letztes Jahr auch die Deutsche Meisterschaft im Stadionbad veranstaltet“, berichtet Wörsinger, der selbst jahrelang Schwimmer war, später zum Wasserball wechselte und als Ergänzungsspieler den Ludwigsburger Aufstieg begleitete.

Innerhalb des Schwimmvereins sind bis zur Altersklasse U 14 die Trainingseinheiten der Schwimmer und Wasserballer zusammengelegt. „Das haben wir als gemeinsame Gruppe aufgebaut, damit man gegenseitig voneinander profitieren kann“, erklärt Wörsinger. „Normalerweise sollte man im Alter von 12 Jahren eine Grenze ziehen und die Kinder entscheiden lassen. Aber bis dahin lässt sich beides kombinieren.“ Insgesamt soll der Nachwuchs noch mehr gefördert werden. „Wir möchten nachhaltig Impulse in die Jugendarbeit setzen, um daraus Bundesliga-Spieler zu gewinnen“, sagt Schulz. Wörsinger ergänzt: „Wir haben vor allem in der U 14 einige interessante Spieler, versuchen das Ganze professioneller aufzubauen und perspektivisch den Kader zu ergänzen.“ Doch bereits jetzt trägt die Jugendarbeit Früchte: Mit Antonio Tadic und Tim Kraut spielen zwei Ludwigsburger Eigengewächse im Bundesliga-Team.

Tim Kraut blüht auf

Vor allem der 18-jährige Kraut, der beim SVL ausgebildet wurde, zwischenzeitlich beim SV Cannstatt spielte und im vergangenen Sommer zurückgekehrt ist, hat es dem Abteilungsleiter angetan. „Er hat einen Riesensprung gemacht und ist unter Sven richtig aufgeblüht, nachdem er anfangs noch nicht so zum Zug kam. Ich hoffe, dass er uns erhalten bleibt und mal eine Schlüsselrolle spielen kann.“ Trainer Schulz ergänzt: „Bei ihm geht es im Moment auch noch darum, ob er auf den Zug zur U18-Europameisterschaft aufspringen kann.“ Aktuell liegt der Fokus aber erstmal auf dem WBL-Spiel gegen Spitzenreiter Duisburger SV an diesem Samstag (19 Uhr) im Stadionbad. „Wir versuchen, unsere Außenseiterchance zu nutzen. Alle sollen wissen, dass es in Ludwigsburg keine Geschenke gibt. Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt, um uns dann in der Ersten Liga zu etablieren“, sagt Schulz. „Wenn möglich für die nächsten 40 Jahre.“

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