Eishockey Steelers verderben den Löwen erneut die Meisterparty

Bietigheimer Matchwinner: Robin Just, hier an der Scheibe, bezwang in der 58. Minute den Frankfurter Torhüter Brett Jaeger (rechts) und machte so am Sonntag den 2:1-Heimsieg der Steelers perfekt.
Bietigheimer Matchwinner: Robin Just, hier an der Scheibe, bezwang in der 58. Minute den Frankfurter Torhüter Brett Jaeger (rechts) und machte so am Sonntag den 2:1-Heimsieg der Steelers perfekt. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 24.04.2017

Wer hätte das nach den ersten drei Spielen gedacht: Die Bietigheim Steelers sind wieder dick im Geschäft um den DEL-2-Titel. Am Sonntagabend wehrten sie auch den zweiten Matchpuck der Löwen Frankfurt ab und verkürzten mit einem 2:1-Heimsieg in der Best-of-seven-Serie auf 2:3. Zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen fiel damit die Meisterparty der Hessen aus. Das entscheidende Tor gelang Robin Just in der drittletzten Minute. Am Dienstag (19.30 Uhr) kommt es in Frankfurt zum sechsten Kräftemessen zwischen beiden Klubs.

Beflügelt durch Auswärtssieg

Der 3:2-Auswärtscoup am Freitag schien die Steelers beflügelt zu haben: Sie schalteten vom ersten Bully an den Turbo ein und berannten das Löwen-Tor mit viel Herz, Hirn und Entschlossenheit. Ganz anders die Hessen, die die erste Niederlage in der Finalserie – nach zuvor 18 Siegen hintereinander – offenbar mehr getroffen hatte, als es ihrem Trainer Paul Gardner lieb sein konnte. Seine Schützlinge konnten sich in der Anfangsphase oft nur mit Fouls behelfen. Allein in den ersten neun Minuten schickte Schiedsrichter Ralph Bidoul aus Sonthofen drei Löwen-Profis auf die Strafbank.

Die dritte Strafzeit kassierte Joel Keussen, der Shawn Weller nach einem Gerangel mit dem hohen Stock im Gesicht traf – und sie hatte Folgen. Denn der US-Amerikaner Weller erzielte nach einem Zuspiel von Dominic Auger und Justin Kelly mit einem Schuss ins lange Eck das 1:0 für Bietigheim – die erste Führung der Schwaben im Playoff-Finale (9.). Zuvor waren sie viermal in Rückstand geraten. Dass die Gäste nicht noch höher zurücklagen, hatten sie ihrem Torhüter Brett Jaeger zu verdanken.

Die Gäste kamen erst zum Ende des Drittels in die Partie – auch weil Referee Bidoul nun mit Marcel Rodman und Max Prommersberger auch zwei SCB-Akteure für zwei Minuten aus dem Geschehen ausschloss. Nun tauchte auch Frankfurt mehrmals gefährlich vor Sinisa Martinovic auf, doch der Steelers-Goalie war wie schon am Freitag wieder in Galaform – und pflückte sich zum Beispiel bei Bietigheimer Unterzahl einen gefährlichen Schuss von Keussen, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt.

Im zweiten Durchgang legten die Gäste ihre Zurückhaltung dann vollends ab und gestalteten das Duell ausgeglichen. Zu der Dominanz, der Präzision im Abschluss und dem bedingungslosen aggressiven Forechecking – all das hatte das Team in den erste drei Partien noch ausgezeichnet – fehlte den Löwen diesmal aber noch einiges.

Besonders zwei Szenen erhitzten die Gemüter: Erst stürmte Lukas Laub allein auf Martinovic zu. Der Keeper verließ sein Tor, um die Scheibe wegzuspitzeln, räumte aber stattdessen den Frankfurter Stürmer ab, der in die Bande krachte Niels Liesegang hätte der Nutznießer sein können, aber er setzte den Puck über den Kasten. Zur Not wäre wohl auch der zurückgeeilte Weller mit den Händen zur Stelle gewesen (33.). Eine Strafe gab es für Martinovic übrigens zum Ärger der Gäste nicht. Kurz darauf signalisierte auf der Gegenseite Matt McKnight nach seinem Lattenschuss einen Treffer, worauf das Gespann die Partie unterbrach. In einer längeren Beratungspause schauten sich die Unparteiischen den Vorgang auf Video an – und entschieden auf kein Tor. Der Puck war nicht hinter die Linie gesprungen, so blieb es nach 40 Minuten beim 1:0.

Gänsehaut-Atmosphäre in Halle

Im letzten Drittel belagerten die Hessen die Festung Ellental und drückten Bietigheim tief in dessen Drittel. Das Abwehrbollwerk der Hausherren hielt bis zur 49. Minute. Dann überwand Laub Martinovic. Dieser Treffer hatte auch nach dem Videostudium Bestand – und er versetzte die 700 mitgereisten Frankfurt-Fans in Verzückung. Das oft gehörte „Alles für die Meisterschaft, Löwen on Fire“, schallte durch die EgeTrans-Arena, und die SCB-Fans hielten lautstark dagegen, so dass in der Halle endgültig eine Gänehaut-Atmosphäre herrschte.

Das glücklichere Ende hatten die Steelers. Nachdem Benjamin Zientek bei einem furiosen Powerplay nur den Pfosten getroffen hatte, spielte Just in der 58. Minute seinen explosiven Antritt aus und jagte den Puck zum umjubelten 2:1 ins Netz. Die restlichen 127 Sekunden überstanden die Gaudet-Mannen unbeschadet. Der Rest war jede Menge Bietigheimer Freude – und genauso viel Frankfurter Frust.

So spielten sie

DEL 2, Finale, 5. Spiel
Bietigheim – Frankfurt

2:1

Drittel: 1:0, 0:0, 1:1.
Tore: 1:0 Weller (9./Überzahl), 1:1 Laub (49.), 2:1 Just (57.).
Strafminuten: 10 (5 Strafen) – 14 (7 Strafen).
Schiedsrichter: Ralph Bidoul (Sont­hofen); Zuschauer: 4155.

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