Eishockey Steelers mit einem Bein im Finale

Steelers-Stürmer Max Lukes (Mitte) nimmt gegen Löwen-Kapitän Patrick Jarrett Fahrt auf. Rechts beobachtet sein Mitspieler Bastian Steingroß den sich anbahnenden Zweikampf.
Steelers-Stürmer Max Lukes (Mitte) nimmt gegen Löwen-Kapitän Patrick Jarrett Fahrt auf. Rechts beobachtet sein Mitspieler Bastian Steingroß den sich anbahnenden Zweikampf. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 07.04.2018

Die Bietigheim Steelers können bereits am Sonntag (17 Uhr) den Einzug ins Playoff-Finale der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2) perfekt machen. Sie gewannen am Freitagabend die fünfte Halbfinalpartie gegen die Löwen Frankfurt daheim mit 5:2 und liegen in der Best-of-Seven-Serie nun mit 3:2 vorne. Bei einer Niederlage kommt es am Dienstag (19.30 Uhr) im Ellental zu einem entscheidenden siebten Duell.

Bei den Steelers hatte sich die Ausfallliste im Vorfeld weiter verlängert: Neben Kodi Schwarz, Dominic Auger und Alexander Preibisch fielen diesmal auch noch der erkrankte Verteidiger Rob Brown und der verletzte Stürmer Norman Hauner aus, so dass sich das Aufgebot auf 15 Feldspieler reduzierte – und zu der kuriosen Situation führte, dass Topscorer Matt McKnight als Verteidiger aushalf. Im Lauf des ersten Drittels musste zudem Youngster Leon Müller nach einem harten Check mit einer blutigen Gesichtsverletzung vom Eis. Gleich zu Beginn des zweiten Spielabschnitts erwischte es auch Max Prommersberger, der nach einer Attacke von Brett Breitkreuz ebenfalls blutend vom Feld ging, später aber wieder im Gegensatz zu Müller zurückkehrte.

Das Rumpfteam von Trainer Kevin Gaudet machte aus der Personalnot eine Tugend und lieferte den Löwen einen grandiosen Kampf. Bereits das erste Powerplay führte nach 45 Sekunden zum 1:0: Der US-Amerikaner Shawn Weller krönte eine Kombination über Marcus Sommerfeld und Justin Kelly. Damit ging Bietigheim im fünften Halbfinalduell gegen Frankfurt zum fünften Mal in Führung. Ein weiteres Tor in Überzahl bescherte den Steelers das 2:0. Diesmal spielte das Special Team die Löwen-Verteidigung vor und hinter dem Kasten schwindelig, und Kelly vollstreckte (13.). Wieder einmal hatte der Titelverteidiger aus Hessen den Auftakt in den Sand gesetzt – und daran war er mitunter auch selbst schuld. Denn mit drei Strafzeiten allein in den ersten elf Minuten  brachten sie sich selbst in Bedrängnis. Ein Geniestreich brachte die Gäste zurück in die Partie. Topscorer C.J. Stretch ließ mit einem Schlenker Bietigheims Abwehr ins Leere laufen und setzte die Scheibe mit einem Rückhandschuss ins Netz – unhaltbar für SCB-Keeper Sinisa Martinovic, dem Coach Gaudet nach dessen Galavorstellung am Mittwoch erneut den Vorzug vor Ilya Sharipov gegeben hatte.

Weller mit neun Playoff-Toren

Der zweite Durchgang begann wie der erste – mit einem Treffer von Weller. Diesmal waren gar erst 28 Sekunden absolviert, ehe der Publikumsliebling den ersten Steelers-Angriff mit dem 3:1 abschloss – sein bereits neunter Treffer in den Playoffs. Doch die Löwen bissen zurück: Der gebürtige Bietigheimer Tim Schüle traf aus spitzem Winkel zum 2:3 (28.). Die Begegnung war intensiv und hart geführt, die Frankfurter überspannten allerdings gelegentlich den Bogen und gingen rabiat gegen die Steelers vor, was darin gipfelte, dass Gästeverteidiger Eric Stephan wegen eines Stockschlags gegen Weller eine Große Strafe plus Spieldauer kassierte (31.). Kurios war dann der vierte  Bietigheimer Treffer: Frédérik Cabana spielte die Scheibe in die Mitte, und vom Schlittschuh des Löwen-Verteidigers Dalton Yorke rutschte der Puck zum 4:2 über die Linie (39.).

Würden die Kräfte der dezimierten Steelers reichen? Das war die bange Frage, die sich die SCB-Fans vor dem Schlussdrittel stellten. Sie taten es. Der Vizemeister aus dem Ellental warf seine ganze Kampfkraft und Routine in die Waagschale und verbarrikadierte sich keineswegs im eigenen Drittel, sondern beschäftigte die Löwen weiter auch in der Defensive. Und hinten ließ sich der aufmerksame Martinovic kein drittes Mal bezwingen. Für die endgültige Entscheidung sorgte Cabana mit dem 5:2 (56.).

So spielten sie

DEL 2, Halbfinale, Spiel 5
Bietigheim – Frankfurt

5:2

Drittel: 2:1, 2:1, 1:0.
Tore: 1:0 Weller (1./Überzahl), 2:0 Kelly (13./Überzahl), 2:1 Stretch (14.), 3:1 Weller (21.), 3:2 Schüle (28.), 4:2 Cabana (39.), 5:2 Cabana  (56.).
Strafminuten: 16 (4 Strafen) – 35 (7 Strafen).
Schiedsrichter: Ralph Bidoul (Sonthofen), Elvis Melia (Neuss).
Zuschauer: 3681.

Steelers-Fans bedanken sich bei Trainer Gaudet

Die Choreografie vor dem fünften Halbfinalspiel gegen Frankfurt widmeten die Steelers-Fans am Freitag dem scheidenden Bietigheimer Coach Kevin Gaudet und dessen Frau Robin Niderost, der Fitnesstrainerin. „Noch lange kein Ende in Sicht, wir sagen trotzdem schon mal: Danke Kevin und Robin“ stand auf drei Transparenten – und Gaudet war offenkundig gerührt und bedankte sich, an der Bietigheimer Bank stehend, mit Applaus. „Das war einfach geil. Tolle Fans, Zuschauer, Sponsoren – ich liebe diese Arbeit hier. Es war für mich immer eine Ehre, hier zu arbeiten und unsere beste Zeit“, kommentierte der 54-jährige Kanadier die Aktion der Anhänger. ae

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