Die Bietigheim Steelers haben am Sonntag gemütlich zugeschaut, wie sich die Konkurrenz um die vorderen Tabellenplätze der DEL2 gegenseitig die Punkte abnahm. Sie selbst sind erst an diesem Dienstag (19.30 Uhr) am Zug: Im Duell bei den Tölzer Löwen geht es für das Team um Kapitän Nikolai Goc darum, den Abstand zum vierten Rang zu reduzieren. Diese Platzierung und das damit verbundene Heimrecht im Playoff-Viertelfinale hatte der Titelverteidiger vor der Saison als Ziel ausgerufen. „Wir haben es noch selbst in der Hand“, sagt Hugo Boisvert.

Dem Trainer ist bewusst, dass seine Mannschaft in erster Linie selbst ihre Pflicht erfüllen muss, um zumindest noch die vor Bietigheim liegenden Klubs ESV Kaufbeuren und EC Bad Nauheim einzuholen. Der Abstand zum vierten Platz beträgt sechs Zähler, die bei sieben ausstehenden Partien durchaus aufholbar sind. Hochrechnungen, wie viele Siege im Endspurt noch nötig sein werden, um in die Top vier zu rutschen, will Boisvert aber keine abgeben: „Wir denken immer nur ans nächste Spiel. In den letzten Hauptrundenpartien wird bei uns schon eine Playoff-Atmosphäre herrschen.“

Derbysieg gibt Rückenwind

Den Triumph vor vier Tagen über die Heilbronner Falken (4:3 nach Verlängerung) in der ausverkauften EgeTrans-Arena sieht er als zusätzliche Motivation. „Die Jungs waren sehr glücklich, und die Freude war riesig. Derbysiege gegen den Nachbarn sind immer besonders schön“, sagt der Coach. Abgesehen von einem unglücklichen Gegentor war Routinier Sinisa Martinovic der große Rückhalt – und darf sich Chancen ausrechnen, nun auch im Oberbayerischen den Steelers-Kasten zu bewachen. Boisvert wollte die T-Frage am Montag allerdings nicht beantworten: „Das lasse ich offen, aber ,Silo’ hat gegen Heilbronn sicherlich super gespielt.“ Fest steht dagegen, dass Frédérik Cabana noch pausiert. Der 32-jährige Angreifer hat am Montag immerhin erstmals nach seiner Verletzung wieder voll trainiert. Eventuell wird er bereits am Freitag (20 Uhr) zu Hause gegen Ravensburg sein Comeback feiern.

Bei der Besetzung der Reihen nimmt Boisvert – wie phasenweise schon gegen Heilbronn – Veränderungen vor. An der Seite von Tyler McNeely und Norman Hauner wird erneut Dennis Swinnen anstelle von Shawn Weller stürmen. Der US-Amerikaner behält immerhin seinen Platz in der Überzahlformation, bildet aber sonst wohl mit Youngster Yannick Wenzel und dem zum Angreifer umfunktionierten Förderlizenzspieler Pascal Grosse den vierten Sturm. „Die zweite Reihe lief zuletzt nicht so gut. Der Job eines Trainers ist es, Lösungen zu finden“, begründet Boisvert die Neuausrichtung.

Bad Tölz belegt nach 45 Spieltagen mit 52 Zählern und einem Punkteschnitt von 1,2 den zwölften und damit drittletzten Platz. Der Gang in die Abstiegsrunde ist  programmiert, denn der Rückstand zu den Pre-Playoff-Rängen beträgt bereits satte zehn Punkte. Zu was die Löwen unter ihrem neuen Coach Scott Beattie (seit 21. Januar im Amt) fähig sind, bekam am Freitag der ESV Kaufbeuren zu spüren. Die Tölzer setzten sich überraschend mit 4:3 nach Verlängerung durch – obwohl sie nach Strafzeiten gleich elfmal in Unterzahl waren.

Die bisherigen Duelle gegen die Löwen entschied Bietigheim mit 6:4, 4:3 nach Verlängerung und 5:0 für sich, wobei letzterer Sieg am grünen Tisch zustande kam. Denn wegen des Wintereinbruchs waren die Tölzer am 6. Januar nicht ins Ellental gereist. Ihren Einspruch gegen die Wertung hatte das Schiedsgericht der DEL verworfen.