Eishockey Steelers bangen um Tabellenführung

Das Eis spritzt: Steelers-Verteidiger Rob Brown (rechts) nähert sich der Scheibe und der Bande in dieser Szene mit viel Schwung.
Das Eis spritzt: Steelers-Verteidiger Rob Brown (rechts) nähert sich der Scheibe und der Bande in dieser Szene mit viel Schwung. © Foto: Jan Simecek
Bietigheim-Bissingen / Jan Simecek 26.02.2018

Zwei Drittel lang gab es für die Bietigheim Steelers gegen die Dresdner Eislöwen ein Déjà-vu mit Blick auf die 0:7-Heimpleite gegen Kaufbeuren. Dann fing sich das Team von Trainer Kevin Gaudet, glich zwischenzeitlich aus und unterlag am Ende doch mit 4:5. Die Tabellenführung in der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2) hängt nun am seidenen Faden, da der Verfolger SC Riessersee mit 6:2 in Heilbronn gewann.

Als gebranntes Kind, das schon einige empfindliche Strafen bezahlen musste, scheut Gaudet eigentlich Schiedsrichterkritik. Nach dem Spiel gegen Dresden konnte er sich allerdings nicht zurückhalten, drückte es aber wenigstens diplomatisch aus. „Mit den Schiedsrichtern bin ich heute nicht zufrieden“, sagte der Steelers-Coach und meinte damit unter anderem die Szene, die zum 4:5 geführt hatte, aber noch mehr die, die kurz danach den Bietigheimer Sturmlauf auf den erneuten Ausgleich jäh stoppte.

Vizekapitän Auger beklagt sich

Bei einem Dreikampf, bei dem Dominic Auger und Max Lukes einen Dresdner in die Zange nahmen, hatte einer der Unparteiischen ein Haken von Auger gesehen, wo einfach keines sein konnte, weil der Körperkontakt so eng war. Der Verteidiger-Routinier war erzürnt und beschwerte sich beim Schiedsrichtergespann, was als Vizekapitän auch sein gutes Recht ist. Allerdings fiel die Wortwahl wohl unpassend aus, denn er kassierte auch noch eine Disziplinarstrafe obendrauf, durfte deshalb knapp vier Minuten vor dem Ende gleich in die Kabine. Und Dresden nutzte die Überzahl durch Martin Davidek zum entscheidenden Treffer.

Es gab aber auch davor schon Szenen, in denen Marcus Brill, Alexander Singer und ihre Assistenten beispielsweise keinen unerlaubten Weitschuss gegen die Eislöwen pfiffen, wo sie es in ähnlichen Szenen auf der anderen Seite taten. Auch mit der frühen Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Shawn Weller war man bei den Steelers alles andere als zufrieden. Weller fuhr einen harten Check an der Bande zu Ende, wie es die Trainer immer fordern. Zwei Minuten wären vielleicht angebracht gewesen. Doch Weller musste vom Eis, weil sich Tomas Schmidt durch seinen zu locker sitzenden Helm einen Cut auf der Stirn zuzog.

Hinzu kam, dass die Bietigheimer in dieser Phase zwar gut spielten, aber wie in den letzten Spielen so oft nicht trafen. „Wir hatten sehr gute Chancen, zwei-, dreimal das offene Tor, nutzen sie momentan aber einfach nicht“, ärgerte sich Gaudet. „Und wir treffen in den letzten Spielen auf Gegner, die jeden Fehler eiskalt ausnutzen“, so der Steelers-Trainer weiter.

Beim 1:0 (5.) überlief Matt Siddall einfach die gesamte Steelers-Defensive. Das 2:0 fiel, als die Strafe gegen Weller angezeigt war. Noch einige weitere Male liefen die Gastgeber in Konter, zum Glück ohne weitere Folgen. Dann folgte in der 24. Minute der Hoffnungsschimmer durch einen Überzahltreffer von Marcus Sommerfeld. Doch die Eislöwen können auch Überzahl, und Alexander Höller stellte den alten Abstand wieder her (30.). Wieder liefen die Steelers in einige Konter. Einen davon nutzte Martin Davidek zum 4:1 (32.). „Bei unseren vielen Ausfällen will jeder vorne aushelfen und vernachlässigt dabei die Defensive“, ärgerte sich Gaudet über das Geschenk.

Mit einem frühen Treffer von seiner Lieblingsposition am rechten Bullykreis nährte Matt McKnight in Schlussdrittel die Bietigheimer Hoffnungen (43.), die noch größer wurden, als Auger in der 49. Minute in Überzahl den Anschluss herstellte. Auf diese Überzahl hätte man allerdings gerne verzichtet, denn die Steelers verloren dabei Tyler McNeely, der nach einem Ellenbogencheck von Tadas Kumeliauskas frühzeitig in die Kabine musste. Weil es in dieser Phase gleich mehrere Strafen gegen die Gäste hagelte, fiel es auch nicht ins Gewicht, dass auch Benjamin Zientek mit auf die Strafbank musste, weil er Kumeliauskas für das üble Foul mit den Fäusten abgestraft hatte.

So waren die Steelers auch noch in Überzahl, als McKnight in der 50. Minute ausglich. Danach meinten es aber die Unparteiischen nicht mehr gut mit den Gastgebern. Die Strafe gegen den doppelten Torschützen war zwar durchaus noch vertretbar, die danach gegen Auger aber keinesfalls. Und weil nun schon gleich drei wichtige Eckpfeiler des Bietigheimer Powerplays fehlten, nutzte es auch nichts mehr, dass man die letzten 77 Sekunden mit einem, und als Ilya Sharipov vom Eis ging, sogar mit zwei Mann mehr bestreiten durfte. Die Steelers fanden einfach nicht mehr ins Spiel zurück.

So spielten sie

DEL 2, 50. Spieltag
Bietigheim – Dresden

4:5

Drittel: 0:2, 1:2, 3:1.
Tore: 0:1 Siddall (5.), 0:2 Reed (7.), 1:2 Sommerfeld (24./Überzahl), 1:3 Höller (30./Überzahl), 1:4 Davidek (32.), 2:4 McKnight (43.), 3:4 Auger (49./Überzahl), 4:4 McKnight (50./Überzahl), 4:5 Davidek (56./Überzahl).
Strafminuten: 57 (10 Strafen) – 37 (8 Strafen); Schiedsrichter: Marcus Brill (Zweibrücken), Alexander Singer (Gersthofen); Zuschauer: 2694.