Eishockey Sommerfeld und die Steelers zeigen eine Trotzreaktion

Matchwinner: Marcus Sommerfeld (rechts) schoss am Mittwochabend in Frankfurt gleich drei Tore für die Steelers. Hier bejubeln der Deutsch-Kanadier und Topscorer Matt McKnight das 1:0.
Matchwinner: Marcus Sommerfeld (rechts) schoss am Mittwochabend in Frankfurt gleich drei Tore für die Steelers. Hier bejubeln der Deutsch-Kanadier und Topscorer Matt McKnight das 1:0. © Foto: Jan Hübner
Bietigheim-Bissingen / Von Andreas Eberle 05.04.2018

So sieht eine Trotzreaktion aus: Zwei Tage nach der 4:6-Heimniederlage im Playoff-Halbfinale gegen die Löwen Frankfurt feierten die Bietigheim Steelers am Mittwochabend einen 4:1-Sieg in der Mainmetropole. Damit glichen sie in der Best-of-Seven-Serie zum 2:2 aus und holten den Heimvorteil zurück ins Ellental. Am Freitag (19.30 Uhr) folgt in der EgeTrans-Arena das fünfte Duell zwischen dem amtierenden Meister und dem Vizemeister.

Steelers-Trainer Kevin Gaudet hatte für die vierte Halbfinalpartie einen Torwartwechsel vorgenommen: Routinier Sinisa Martinovic ersetzte Ilya Sharipov zwischen den Pfosten. Der 37-Jährige hatte schon im dritten Spiel im Schlussdrittel den Bietigheimer Kasten gehütet. Bei seinem ersten kompletten Spiel seit dem 27. Februar zeigte „Silo“ viel Licht, aber auch etwas Schatten – der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich ging auf seine Kappe.

Wie in den drei Duellen zuvor gingen die Steelers auch im vierten Kräftemessen mit Frankfurt in Führung: Center Justin Kelly drehte auf dem linken Flügel um die eigene Achse, bediente seinen Sturmpartner Marcus Sommerfeld mit einem Rückpass, und der Deutsch-Kanadier fackelte nicht lange und jagte den Puck zum 0:1 ins Netz. Für Sommerfeld war der Treffer Balsam für die geschundene Spieler-Seele, denn der Angreifer hatte am Ostermontag gleich zwei Gegentore mit krassen Fehlern verschuldet

Ein Patzer ermöglichte den Löwen in der neunten Minute auch den Ausgleich: Kapitän Patrick Jarrett näherte sich dem Gästetor, wurde aber von Verteidiger Rob Brown gestellt und so zu einem eigentlich harmlosen Verzweiflungsschuss gezwungen. Martinovic schien die Scheibe bereits sicher zu haben, doch irgendwie rutschte sie ihm noch durch. Im Zurückfallen versuchte der Goalie den Puck mit dem Handschuh noch zu erwischen, aber dieser eierte zum 1:1 über die Linie. Ob’s an „Silos“ fehlender Spielpraxis lag? Beide Teams lieferten sich ein temporeiches und hochklassiges Duell, spielten flott nach vorne und waren bestrebt, die neutrale Zone schnell zu überbrücken. So ergaben sich auf beiden Seiten viele Torszenen – die Keeper Hannibal Weitzmann und Martinovic standen ständig im Blickpunkt.

Gummihühner fliegen aufs Eis

Der zweite Durchgang gehörte dann den Gästen aus dem Schwabenland. In Überzahl gelang Sommerfeld nach einem Doppelpass mit Topscorer Matt McKnight per Schlagschuss das 2:1 für Bietigheim (23.). Strittig war allerdings die Strafe, die zur Unterzahl der Hessen führte: Weitzmann hatte im Eifer des Gefechts sein Tor verschoben. Die Strafzeit wegen Spielverzögerung nahmen einige besonders erboste Fans zum Anlass, Gummihühner aufs Eis zu werfen – eine alte Tradition, die zum Löwen-Eishockey gehört wie Äppler zu Frankfurt.

Mit seinem ersten Treffer in den Playoffs erhöhte Benjamin Zientek in der 27. Minute sogar auf 3:1. Weitzmann war dabei die Sicht versperrt, weil sich unmittelbar vor ihm sein Verteidiger Tim Schüle und Max Lukes beharkt hatten. Die Gastgeber schienen nun von der Rolle, und Frankfurts Interimstrainer Franz-David Fritzmeier nahm eine Auszeit (30.). Die Löwen fingen sich prompt wieder, und so blieb die Partie spannend.

Auch im letzten Drittel verteidigten die Steelers weiter konzentriert und hielten den Gegner fern vom eigenen Kasten. Offenkundig hatten sie kein Interesse daran, wie am Ostermontag leichtfertig einen Zwei-Tore-Vorsprung herzuschenken. Martinovic gab sich keine Blöße mehr und vereitelte routiniert die wenigen guten Chancen des Meisters. Hinzu kam ein exzellentes Bietigheimer Penaltykilling – oder anders gewendet: ein schwaches Frankfurter Überzahlspiel. Die besseren Möglichkeiten hatten sogar die Gäste – Weitzmann hielt die Löwen mit seinen Paraden im Spiel. Den Schlusspunkt setzte der überragende Sommerfeld mit einem Empty-Net-Tor und seinem dritten Treffer an diesem Abend (59.).

Mellitzer wird neuer Falken-Coach, Stürmer Kirsch bleibt in Heilbronn

Die Heilbronner Falken haben einen neuen Coach für die DEL-2-Saison 2018/2019 verpflichtet: Alexander Mellitzer tritt die Nachfolge von Gerhard Unterluggauer an, der beruflich in seine Heimat nach Österreich zurückkehrt. Mellitzer spielte als Profi für den Klagenfurter AC, den HC Innsbruck, die Vienna Capitals und den Dornbirner EC, ehe er zur Saison 2012/2013 erstmals die U 18 des Klagenfurter AC als Trainer übernahm und diese Position für zwei Jahre begleitete. Es folgten Tätigkeiten beim KAC als U-20-Chefcoach und als Assistent bei der österreichischen U-20-Nationalmannschaft. Zudem sprang er zweimal als Trainer der Klagenfurter Profis in der EBEL ein. In der abgelaufenen Saison coachte Mellitzer Österreichs U 20.

Justin Kirsch bleibt den Falken derweil auch in der neuen Runde erhalten. Der Klub gab am Mittwoch die Vertragsverlängerung bekannt. Der 25-jährige Angreifer absolviert damit seine dritte Saison in Folge bei den Unterländern. In der abgelaufenen Saison gelangen ihm in 48 Hauptrundenspielen 27 Treffer. Mit dieser Ausbeute führte Kirsch nicht nur die teaminterne Torjägerwertung an, sondern landete gleichzeitig auch in der Top Ten aller DEL-2-Torschützen. bz

So spielten sie

DEL 2, Halbfinale, Spiel 4
Frankfurt – Bietigheim

1:4

Drittel: 1:1, 0:2, 0:1.
Tore: 0:1 Sommerfeld (6.), 1:1 Jarrett (9.), 1:2 Sommerfeld (23./Überzahl), 1:3 Zientek (27.), 1:4 Sommerfeld (59./Empty Net).
Strafminuten: 8 (4 Strafen) – 12 (6 Strafen); Schiedsrichter: Ralph Bidoul (Sonthofen), Elvis Melia (Neuss).
Zuschauer: 5567.

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