Der Überraschungssieg des VfL Gummersbach gegen die Rhein-Neckar Löwen hat den Aufsteiger SG BBM Bietigheim hart getroffen und den Ambitionen auf den Klassenerhalt einen kräftigen Dämpfer versetzt. Ein ähnlicher Coup im Heimspiel in der Ludwigsburger MHP-Arena gegen den bislang so stark aufspielenden Mitaufsteiger Bergischer HC wäre die richtige Antwort gewesen. Doch dazu fehlte es dem Team von Trainer Hannes Jon Jonsson an vielem. „Ich hatte erwartet, vom einen oder anderen Abstiegskampf zu sehen. Doch ich habe nur Jonas Link gesehen, der voran gegangen ist, und dann wurde es schon schwer. Wir müssen über diese Leistung reden. Nach der Spielpause wird es ein anderes Gesicht geben“, ist Jochen Zürn, der Sportliche Leiter der SG BBM, trotz aller Enttäuschung über die magere Leistung der Mannschaft und der angebrachten Kritik zuversichtlich, dass das Team um Kapitän Patrick Rentschler noch die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt einsammeln kann.

Mehrfach Führung verpasst

Gegen den gut organisierten und diszipliniert auftretenden Bergischen HC gab es durchaus Phasen, in denen die Bietigheimer hätten in Führung gehen können. Doch dann verloren sie im Angriff leichtfertig die Bälle. Als sie in der zweiten Hälfte drei Treffer aufgeholt und auf 17:18 verkürzt hatten, unterliefen erneut Fehler am gegnerischen Kreis. Der Bergische HC landete verdient seinen dritten Auswärtssieg in Folge. Dabei verzichteten die Gäste weitgehend auf ihr gefürchtetes Tempospiel und ihren Hochgeschwindigkeits-Handball, kamen aber aus dem teils auch langatmig angelegten und häufig an der Zeitspielgrenze vorgetragenen Positionsangriff immer wieder zu erfolgreichen Abschlüssen. In der ersten Halbzeit vor allem durch Fabian Gutbrod und dessen spezieller Wurftechnik.

Als die ruppiger werdende Partie Mitte der zweiten Hälfte kurzzeitig auf der Kippe stand, behielten die Gäste die Ruhe und holten sich souverän und abgeklärt den Sieg. Ihr Trainer Sebastian Hinze hatte durch die Einwechslungen von Torhüter Bastian Rutschmann für den bis dahin sehr guten Christoph Rudeck sowie den angeschlagenen Daniel Fontaine, der das Spiel neu belebte, neue Akzente gesetzt. „Wir wollten seine Qualitäten im Eins-gegen-eins im Angriff haben“, begründete Hinze den Einsatz Fontaines auch im Offensivspiel.

Dass Fontaine zuvor häufig in der Abwehr benötigt wurde, lag am konsequenten Eingreifen der Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies, die Csaba Szücs vom BHC nach 50 Sekunden die erste Zwei-Minuten-Strafe aufbrummten und nach neun Minuten bereits die zweite. Nach 42 Minuten war dann nach der dritten Zeitstrafe Schluss für den baumlangen Slowaken. Noch früher das Feld verlassen musste der Bietigheimer Vetle Rönningen, der schon nach 34 Minuten seine dritte Strafzeit kassiert hatte.

Gutbrods Würfe nicht zu halten

In der ersten Halbzeit hatten die Gäste in Rudeck den besseren Torhüter und die besseren Ideen sowie das Durchstezungsvermögen im Angriff. Dennoch arbeiteten sich die Gastgeber zuerst von 1:4 auf 4:5 und dann auf 7:7 heran. Doch die SG BBM schaffte weder bei diesem Spielstand noch danach beim 8:8 und 9:9 die Führung. Gutbrod sorgte mit seinen hammerharten Würfen immer wieder für die Führung der Gäste. Als Domenico Ebner im SG-Tor einmal einen Wurf von Arnor Thor Gunnarsson abgewehrt hatte, scheiterten seine Vorderleute beim Versuch auf 8:7 zu stellen, am neuen deutschen Nationalkeeper Rudeck.

Als Jürgen Müller gerade Ebner im Bietigheimer Tor abgelöst hatte, gelang ihm gegen Gunnarsson eine spektakuläre Parade. Aber auch der Routinier konnte die Würfe von Gutbrod nicht halten. So zog der BHC auf 13:9 davon und lag nach 30 Minuten mit 15:11 in Führung.

Der Bietigheimer Hoffnungsträger Michael Kraus war in der ersten Halbzeit nicht groß in Erscheinung getreten, er wurde aber auch hart bedrängt und bearbeitet von den Gästen, allen voran von Szücs. 15 Minuten lang bewies Kraus dann aber doch seinen Wert für die SG BBM. Da gelangen ihm vier Tore und einige gute Aktionen. Er brachte sein Team auf 17:18 heran. Zuvor war Max Emanuel abgezockt ein super Tor nach einem Tempogegenstoß gelungen. Die Gastgeber konnten diese gute Phase aber nicht fortsetzen. Der BHC zog schnell von 18:17 auf 22:17 davon und beruhigte damit die hektischer gewordene Partie. Auch als Link per Tempogegenstoß auf 21:24 verkürzt hatte, blieb das große Aufbäumen bei den Bietigheimern aus. Sie hatten sogar noch Glück, dass die Gäste zweimal den Pfosten trafen.

„Wir haben trotz des Einflusses von außen souverän gespielt und völlig verdient gewonnen. Es gab einige unverständliche Zeitstrafen gegen uns. Wir haben unser Saisonziel erreicht und wollen so viele Spiele wie möglich noch gewinnen“, freute sich BHC-Torhüter Rudeck über den Sieg in Ludwigsburg.