Zwei Begegnungen mit Endspielcharakter in der heimischen EgeTrans- Arena – das ist der Marschplan, mit dem Aufsteiger SG BBM Bietigheim den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga buchstäblich in letzter Sekunde erreichen will. Mit der Partie gegen den TBV Lemgo Lippe am Samstag (20.30 Uhr) wollen die Schwaben nach Punkten zum VfL Gummersbach aufschließen.

Vor dem erhofften großen Saisonfinale – am letzten Spieltag treffen die Abstiegskonkurrenten SG BBM und Gummersbach in der EgeTrans-Arena aufeinander – muss die Spielgemeinschaft allerdings ihre Hausaufgaben machen und ihre Ligatauglichkeit im Spiel gegen den Tabellenzehnten unter Beweis stellen. Es ist quasi das Halbfinale für die Mannschaft von Trainer Hannes Jon Jonsson, denn nur mit einem Sieg bleiben die Chancen auf den Klassenerhalt intakt.

Böse 27:40-Schlappe im Hinspiel

„Das ist eine Konstellation, auf die wir in dieser Saison hingearbeitet haben. Genießt die Situation. Drei Spieltage vor dem Saisonende haben wir immer noch die Chance, unser Ziel zu erreichen“, gibt der 39-jährige Isländer seinem Team mit auf den Weg. Die Anspannung ist dennoch in der EgeTrans-Arena zu spüren, in der die Handballer in dieser Woche ihre Einheiten absolviert haben. „Ich glaube nicht, dass man jetzt locker sein kann“, sagt der Coach, „aber die Anspannung tut uns gut und ist richtig“. Bis auf die angeschlagenen Michael Oehler und Kapitän Patrick Rentschler hat der Isländer alle seine Spieler um sich geschart, um sie auf Lemgo Lippe vorzubereiten – ausgerechnet jenes Team, gegen das der Aufsteiger im Hinspiel alles andere als gut ausgesehen hat. Die 27:40-Niederlage Anfang Dezember in der Lipperlandhalle zählt in die Kategorie der schwächeren Bietigheimer Auftritte im Oberhaus.

Der Ex-Bietigheimer Patrick Zieker, der in Lemgo eine gute Abschiedssaison spielt (wechselt zum TVB Stuttgart), erzielte vier Tore. Einige andere TBV-Hauptakteure des Hinspiels fallen dagegen verletzt aus. Die Ostwestfalen müssen den Rest der Saison auf Tim Suton, Andrej Kogut, Donat Bartok und Jonathan Carlsbogard verzichten. Doch das andauernde Verletzungspech ist trügerisch. Wie die jüngste knappe 22:23-Heimniederlage gegen den SC Magdeburg unter Beweis stellte, kann der Kader von TBV-Coach Florian Kehrmann Ausfälle kompensieren und bleibt in der Hintermannschaft stabil. Defensivspezialist Isaias Guardiola und Routinier Daniel van Olphen sind jetzt im Angriffsspiel mehr gefordert. Auf die Flügelzange mit Zieker links, seit kurzem Vater eines kleinen Jungen, und Tim Hornke rechts ist ohnehin Verlass. Auch wenn beim Team aus Ostwestfalen-Lippe im Niemandsland der Tabelle selbst nach drei Niederlagen in Folge nicht mehr viel anbrennen kann, der mehrfache Deutsche Meister und nationale wie internationale Pokalgewinner früherer Jahre bleibt gefährlich.

„Das Spiel wird ganz sicher nicht durch die Taktik entschieden“, ist indes SG-Coach Jonsson überzeugt. Bietigheim hat insbesondere in den letzten Heimspielen Tugenden gezeigt, die dem Abstiegskampf würdig sind, spielt, angetrieben von den eigenen Fans, mit viel Leidenschaft und Engagement um seine Chance. Auch die letzte Partie beim HC Erlangen, die in einer knappen 25:27-Niederlage endete, steht in dieser Reihe. Kampf und Einsatz stimmten in Nürnberg, am Ende setzten sich zweikampfstarken Franken auch mit einem Quäntchen Glück durch.

Die Unterstützung von den Rängen kann am Samstag zu einem entscheidenden Faktor in der EgeTrans-Arena werden, so hofft man beim Aufsteiger. Auch die angeschlagenen Oehler und Rentschler werden sich bis dahin wieder zurückmelden. „Frische Beine und einen freien Kopf“, wünscht Jonsson seinen Spielern für die so wichtige Partie.