Bietigheim / Von Andreas Eberle  Uhr

Die Bundesliga-Handballer der SG BBM Bietigheim haben die Max- Schmeling-Halle am Donnerstagabend mit erhobenen Häuptern verlassen. Ihr Ausflug in die Bundeshauptstadt endete zwar mit der allseits erwarteten Niederlage gegen die Füchse Berlin, doch der Aufsteiger verkaufte sich an der Spree teuer und schnitt wesentlich besser ab als im Hinrundenduell. Jenes hatte die SG am achten Spieltag in der EgeTrans-Arena noch klar mit 28:36 verloren. Diesmal lautete das Endergebnis 26:30 (12:15). Ein Punktgewinn beim Tabellenfünften hatte schon im Vorfeld als illusorisch gegolten, zumal die SG auf ihren neuen Star Michael Kraus wegen einer Knieblessur verzichten musste (siehe Infokasten). „Wir gehen mit einem positiven Gefühl aus diesem Spiel heraus, denn wir haben mit einer absoluten Weltklasse-Mannschaft über lange Phasen mitgehalten“, bilanzierte Geschäftsführer Bastian Spahlinger zufrieden.

Die Füchse, gewarnt vom Bietigheimer 27:18-Heimsieg am Sonntag im Kellerduell gegen Ludwigshafen, nahmen den Tabellenvorletzten aus dem Schwabenland nicht auf die leichte Schulter. Das mit Nationalspielern gespickte Team hatte mit der körperbewussten Spielweise der Gäste freilich durchaus seine Probleme. In der Anfangsphase war der 3:3-Zwischenstand (8.) – nach zwei Toren von Kapitän Patrick Rentschler und einem Treffer von Vetle Rönningen – ein erster Achtungserfolg für die SG BBM.

Danach war aber Schluss mit lustig, zog der Favorit bis zur 23. Minute auf 13:7 davon. Die Partie nahm den erwarteten Verlauf. Hinzu kam, dass die Spielgemeinschaft ein weiteres Handicap verkraften musste: Die Schiedsrichter Ramesh und Suresh Thiyagarajah belegten Rönningen gleich in der Anfangsviertelstunde mit zwei Zeitstrafen, worauf sich Bietigheims „Wikinger“ in der Deckungsarbeit zurückhalten musste, um keine frühzeitige Disqualifikation zu riskieren.

Der deutliche Vorsprung verleitete die Füchse bereits vor der eigentlichen Pause zu einer kleinen Verschnaufpause – und die Bietigheimer witterten prompt Morgenluft: Mit einem 5:1-Lauf kamen sie auf 12:14 heran. Da Paul Drux vier Sekunden vor der Halbzeit noch zum 15:12 vollstreckte, ging Berlin zumindest mit einer Drei-Tore-Führung in die Kabine.

Füchse-Trainer Velimir Petkovic muss dort seine Akteure ordentlich wachgerüttelt haben, denn nach dem Seitenwechsel legte der EHF-Pokal-Mitfavorit furios los: Innerhalb von knapp drei Minuten erhöhte Berlin durch drei Treffer von Rechtsaußen Hans Lindberg auf 18:12 und bis zur 39. Minute sogar auf 22:15.

Keine Lust auf ein Debakel

Das Spiel schien für Bietigheim verloren, doch auf ein Debakel hatten die SG-Handballer offensichtlich keine Lust. Sie gestalteten das ungleiche Duell in der verbleibenden Spielzeit ausgeglichen und waren ebenbürtig. Noch sechsmal kam der Außenseiter auf vier Tore heran. Mehr ging aber beim besten Willen nicht.

Spielgestalter Jonas Link war mit sieben Treffern der erfolgreichste Werfer der SG BBM. Maximilian Trost, der lange mit einem Kreuzbandriss ausgefallen war, erzielte obendrein seine ersten beiden Bundesliga-Tore für Bietigheim und stand auch hinten seinen Mann. Bei Berlin ragten der deutsche WM-Teilnehmer Drux mit acht sowie der dänische Nationalspieler Lindberg mit sieben Toren heraus. Was am Donnerstag mit „Mimi“ Kraus möglich gewesen wäre? „Das ist hypothetisch“, sagte Spahlinger.

Weltmeister „Mimi“ Kraus bleibt zu Hause

Bietigheims neuer Star Michael Kraus hatte die Busfahrt am Mittwoch an die Spree erst gar nicht mitgemacht – der Weltmeister von 2007 kurierte in der Heimat einen Bluterguss im Kniegelenk aus. Der 35-jährige Spielmacher der SG BBM hatte am vergangenen Sonntag im Kellerduell gegen Ludwigshafen einen Schlag abbekommen. Geschäftsführer Bastian Spahlinger hofft, dass Kraus bereits Ende nächster Woche wieder in den Trainingsbetrieb einsteigt – und gibt Entwarnung für das Derby am 17. März gegen „Mimis“ Ex-Klub TVB 1898 Stuttgart: „Da ist er wieder dabei.“ ae