Bietigheim-Bissingen / Von Andreas Eberle

Das Kopf-an-Kopf-Rennen um die deutsche Meisterschaft in der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) geht in die entscheidende Phase. Vieles deutet darauf hin, dass im Zweikampf zwischen den SG BBM Bietigheim und dem Thüringer HC am Ende das Torverhältnis den Ausschlag geben wird. Beide Klubs hatten nach 20 Spieltagen jeweils 38:2 Punkte auf dem Konto. Die Bietigheimerinnen haben allerdings aktuell noch die etwas bessere Tordifferenz – und das vermeintlich leichtere Restprogramm.

Doch Prognosen und Hochrechnungen über den weiteren Saisonverlauf will SG-Coach Martin Albertsen vor dem Heimspiel an diesem Samstag (19 Uhr) in der Viadukthalle gegen die HSG Blomberg-Lippe keine anstellen. „Das machen Amateure. Wir sind Profis und konzentrieren uns immer auf das nächste Spiel – und darauf, unsere beste Leistung zu bringen. Alles andere können wir sowieso nicht beeinflussen“, sagt der Däne, der am Mittwoch seinen 45. Geburtstag gefeiert hat.

Albertsen richtet den Fokus voll und ausschließlich auf seine Mannschaft. Daher hat er am Freitagabend auch das vorgezogene Gastspiel des Thüringer HC beim Vierten Borussia Dortmund nicht im Internet-Livestream verfolgt, sondern wird dies erst später nachholen. Der amtierende Meister aus Ostdeutschland legte in Westfalen mit einem 26:23-Sieg vor. Damit übernahm das Team von Trainer Herbert Müller zumindest für einen Tag die Tabellenführung. Mit einem Heimerfolg über Blomberg-Lippe würde Bietigheim den ersten Platz aber wieder zurückerobern.

Vom Gipfelduell in Thüringen ist die Spielgemeinschaft nicht nur mit einer knappen 23:24-Niederlage ins Schwabenland zurückgekehrt, sondern auch mit zwei verletzten Nationalspielerinnen: Abwehr-Ass und Kreisläuferin Luisa Schulze zog sich einen Nasenbeinbruch zu, und die polnische Rückraumspielerin Karolina Kudlacz-Gloc, mit 69 Treffern die fünftbeste Torschützin im Team, erlitt eine Schulterblessur. In beiden Fällen rechnet Albertsen mit einer Zwangspause von zwei Wochen. „Sowohl Karolina als auch ,Schmuuu’ haben bisher eine überragende Runde gespielt. Ihr Ausfall tut uns weh“, sagt der Trainer.

Der Gegner aus der 15 000-Einwohner-Stadt Blomberg steht in der Tabelle mit 19:21 Zählern zwar nur auf dem achten Rang, hat zuletzt aber einige Ausrufezeichen gesetzt. Die Ostwestfälinnen fahren mit der Empfehlung von zwei Heimsiegen gegen Oldenburg (33:30) und Neckarsulm (33:20) nach Bietigheim. Zuvor unterlag die HSG beim Thüringer HC mit nur vier Toren Differenz (26:30).

Selbstbewusster Gegner

„Blomberg kommt mit viel Selbstvertrauen. Um zu gewinnen, müssen wir sehr, sehr gut spielen“, sagt Albertsen. Sein Gegenüber Steffen Birkner kündigte der SG BBM auf der Vereins-Homepage im Internet schon einmal einen heißen Tanz an: „Wir müssen mit 100 Prozent Kampfgeist auftreten. Natürlich ist uns bewusst, dass Bietigheim uns gerne deutlich schlagen möchte. Aber wir wollen mit einer hohen Niederlage nicht die Meisterschaft beeinflussen. Daher müssen wir mutig spielen und von Beginn an dagegenhalten.“

Das Restprogramm der beiden Titelkandidaten

Thüringer HC
(40:2 Punkte, plus 148 Tore)

SV Union Halle-Neustadt (H)
Frisch Auf Göppingen (A)
Bayer 04 Leverkusen (H)
TuS Metzingen (A)
Bad Wildungen Vipers (H)

SG BBM Bietigheim
(38:2 Punkte, plus 156 Tore)

HSG Blomberg-Lippe (H)
Neckarsulmer Sport-Union (A)
VfL Oldenburg (A)
Borussia Dortmund (H)
SV Union Halle-Neustadt (A)
Frisch Auf Göppingen (H)