Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ist der SV Germania Bietigheim künftig wieder mit seiner zweiten Mannschaft in der Fußball-Kreisliga A vertreten – dank der Corona-Meisterschaft in der Kreisliga B9. Ein Erfolg, der gleich drei junge Väter hat: Ardruis José Torres Alcantara (27), David Ini­go (28) und Wagas Malik (32), alle höherklassig erfahren, übernahmen zur Saison 2019/20 bei Germania II gemeinsam als Spielertrainer Verantwortung – der Erstgenannte als Chef, die beiden anderen als seine mitkickenden Co-Trainer. Und dieses Trio meisterte die Aufgabe und die Mission Aufstieg mit Bravour.
„Das Trainer-Dasein war Neuland für uns. Am Anfang haben wir drei täglich telefoniert, um uns über die Trainingsgestaltung, die Aufstellung oder Organisatorisches auszutauschen“, berichtet Inigo, der bereits seit 2013 für den Verein aus dem Ellental aufläuft. Den Rollenwechsel vom Spieler zum Coach haben er und seine Mitstreiter Torres und Malik gut hinbekommen: „Die Jungs haben uns sofort respektiert und voll mitgezogen. Ein Plus war, dass wir schon alle kannten.“
Bis zum Abbruch der Spielzeit 2019/20 hatten drei Bietigheimer Klubs in der B9 den Ton angegeben. Neben den Germanen waren dies der FC Mezopotamya und der SV Hellas. Jenes Führungstrio hatte zwölf Siege auf dem Konto. Während die Titelrivalen aber zweimal verloren, ging die SVG-Zweite nur einmal geschlagen vom Feld: Zum Rückrundenstart gab es am 8. März, kurz vor dem Corona-Lockdown, ein 0:1 gegen den zweitplatzierten FC Mezopotamya. Am Ende hatten die Germanen im Zuge der Quotientenregelung mit im Schnitt 2,77 Zählern gegenüber den Verfolgern (jeweils 2,57 Punkte) die Nase vorne. „Ich verstehe, dass sich unsere Konkurrenten geärgert haben“, sagt Inigo, „dennoch finde ich, dass wir den Aufstieg unterm Strich verdient hatten.“
Spielertrainer und Offensiv- Ass „Jerry“ Torres ging dabei mit gutem Beispiel voran und war mit zwölf Treffern der Top-Torschütze im Team, gefolgt von Spielmacher Koray Ödemis, der bei seinen sieben Einsätzen achtmal erfolgreich war. Als Glücksgriff entpuppte sich Daniel Klingler, der im Sommer 2019 vom FV Löchgau II zu seinem Ex-Verein zurückgekehrt war. Der 30-Jährige übernahm als Kapitän auf Anhieb eine Führungsrolle und hielt als Innenverteidiger hinten den Laden zusammen und dicht. Mit nur 13 Gegentoren in 13 Begegnungen stellte die Bietigheimer Landesliga-Reserve die mit Abstand beste Abwehr der Liga.
Auch in der neuen Runde, die am 6. September beginnt, vertraut der SVG II auf die bewährten Kräfte. Der Kader wurde nur punktuell ergänzt – etwa mit den aus der A-Jugend aufgerückten Talenten Maik Menas, David Groß, Jonathan Keller und Linksaußen Raul Ulmer Guerrero. Gerade Letzterer habe in der bisherigen Vorbereitung herausgestochen und bringe viel Potenzial mit, so Inigo. Pech hatte dagegen Wiedereinsteiger Dario Di Lucrezia, einer der wenigen externen Neuzugänge. Der 29-jährige Abwehrmann, der von den Sportfreunden Neckarwestheim kam, verletzte sich bei einer der ersten Trainingseinheiten am Knie. Eine MRT steht noch aus, es besteht der Verdacht auf Kreuzbandriss.
Für die Herausforderung in der Kreisliga A3 haben die drei Spielertrainer das Pensum erhöht. „Die Einheiten werden intensiver, wir müssen alle eine Schippe drauflegen“, sagt Inigo, der weiß: „Künftig warten andere Kaliber auf uns. In der B-Liga hat oft auch Standfußball gereicht, in der A-Liga müssen wir dagegen immer 90 Minuten Gas geben.“

Sieglos bei den ersten zwei Testspielen


Eine 1:6-Pleite kassierte der SV Germania Bietigheim II am Sonntag im Test beim FV Ingersheim (Kreisliga A1). In der ersten Vorbereitungspartie hatte die Landesliga-Reserve aus dem Ellental 2:2 beim SGV Murr gespielt. Weitere Testspiel-Gegner sind der TSV Ensingen, die Sportfreunde Neckarwestheim, der FV Löchgau II, der GSV Höpfigheim und der AKV Ludwigsburg. Zum Saisonauftakt in der A3 erwarten die Germanen am 6. September (12.45 Uhr) die Spvgg Besigheim.  ae