Seit sechs Jahren ist Bärbel Vorrink aus Hemmingen (Foto) Vorsitzende des Turngaus Neckar-Enz, des drittgrößten im schwäbischen Turnerbund. Das ist an sich schon bemerkenswert, sind doch die meisten Sportfunktionäre immer noch Männer. Eine echte Rarität ist allerdings, dass in ihrer zehnköpfigen Vorstandschaft sieben Frauen sitzen und von insgesamt 38 Turngau-Mitarbeitern 27 weiblich sind.

Es heißt ja immer, dass viele Frauen untereinander Probleme hätten. Bei uns klappt das aber hervorragend. Und nicht nur das. Es kommen immer wieder Mädchen und junge Frauen nach, die mitarbeiten wollen“, berichtet Vorrink. Einen Grund dafür, dass sich so viele Frauen im Turngau engagieren, sieht die Vorsitzende darin, dass die Eingangsschwelle niedrig ist. „Man muss sich nicht direkt in ein Amt wählen lassen. Man kann auch nur reischnuppern, oder ein Projekt begleiten. Komischerweise bleiben aber fast alle.“ Warum dies in den Vereinen nicht so gut funktioniert, dafür hat sie keine richtige Erklärung. „Vielleicht trauen sich Frauen so ein Amt nicht zu. Es ist ja doch auch sehr zeitaufwändig. Ich selbst habe beispielsweise im März 22 Termine – alle ehrenamtlich“, mutmaßt Vorrink.

Sie selbst könne den Aufwand auch nur stemmen, weil sie nicht berufstätig ist, die Kinder bereits aus dem Haus sind und sie ein Auto hat. „So kann man auch mal kurzfristig etwas einfach erledigen“, berichtet die Turngau-Vorsitzende. Im Gegensatz dazu stünden nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen, heutzutage meist voll im Berufsleben. Auch im Präsidium des Turngaus seien nur sie selbst und ihre Stellvertreterin Sigrid Christiansen nicht berufstätig. „Angesicht der vielfältigen Freizeitmöglichkeiten heutzutage sagen dann wohl vor allem auch Mütter oft ‚Ich will nicht’ oder ‚Ich kann nicht’“, so Vorrink.

Gerade was die ehrenamtliche Arbeit betrifft, sei aber auch eine sehr gute Arbeitsatmosphäre essenziell. „Es muss Spaß machen, wenn man schon nichts dafür bekommt“, fasst es die Turngau-Vorsitzende zusammen. Immer öfter setzen sich deshalb Präsidien aus Menschen zusammen, die auch privat gut miteinander können. Und Männer bevorzugen da eben eher männliche Gesellschaft. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch Männer gibt, die dann keine Frau vorne dran haben möchten“, sagt Vorrink. „Aber warum sollen wir Frauen das nicht auch können? Wir machen es vielleicht anders, aber nicht schlechter.“

Ein wichtiger Punkt ist für die Hemmingerin aber auch, dass Fachwissen nötig sei. „Man kann nicht einfach irgendjemanden hinsetzen, nur damit der Posten besetzt ist“, meint Vorrink. Und da gibt es eben in vielen Sportarten immer noch mehr Männer als Frauen. Im gesamten Bereich des Württembergischen Landessportbunds (WLSB) sind fast 59 Prozent der gut zwei Millionen aktiven Mitglieder männlich, beim Fußball sogar mehr als 87 Prozent. Beim Turnen sind durch sämtliche Altersklassen mehr Frauen am Werk – fast 450 000 unter den insgesamt 704 000 Turnern. Mit dieser Statistik lässt sich vielleicht am ehesten belegen, warum der Turngau fest in weiblicher Hand ist. In anderen Sparten sind dennoch die Frauen deutlich unterrepräsentiert.