Basketball Riesen sind keine Aufbauhelfer für kriselnde Türken

Der Ludwigsburger Spielmacher Kerron Johnson (links) behauptet hier mit einer artistischen Einlage den Ball.
Der Ludwigsburger Spielmacher Kerron Johnson (links) behauptet hier mit einer artistischen Einlage den Ball. © Foto: Avanti
Andreas Eberle 15.11.2017

Zafer Aktas hatte eine undankbare Aufgabe. Der bisherige Assistenztrainer übernahm Anfang der Woche das Basketball-Team von Gaziantep, nachdem sich der türkische Klub von Coach Stefanos Dedas getrennt hatte. Seine Feuertaufe musste Aktas am Dienstagabend ausgerechnet bei den MHP Riesen Ludwigsburg bestehen, der Mannschaft der Stunde in der deutschen Bundesliga und der Champions League. Wie erwartet verpasste Gaziantep auch mit ihm an der Seitenlinie eine Überraschung gegen die Riesen. Der Favorit aus der Barockstadt triumphierte mit 86:74 (46:29) und feierte in der Gruppe B den fünften Erfolg im sechsten Duell. Damit baute Ludwigsburg seine Saisonbilanz in beiden Wettbewerben auf 18 Siege aus 20 Pflichtspielen aus. Für den kriselnden Tabellenletzten der türkischen „Süper Ligi“ war es in der Champions League dagegen die vierte Pleite hintereinander.

„Ich bin glücklich, dass wir gegen dieses talentierte Team heute gewinnen konnten“, sagte Riesen-Trainer John Patrick. „Insgesamt war es wohl nicht unser bestes Spiel, wir haben aber bis zum Schluss gekämpft und einen Weg gefunden. Ich bin sehr stolz darauf, wie meine Spieler zusammenarbeiten.“

Seine Mannschaft produzierte in den 40 Minuten nur sechs Ballverluste. Thomas Walkup, Johannes Thiemann und Elgin Cook lieferten sich einen Dreikampf um die Rolle des Riesen-Topscorers. Am Ende hatte Walkup mit 21 Zählern die meisten Punkte auf dem Konto – und mit einer Trefferquote von 87,5 Prozent auch den besten Wert aller 20 eingesetzten Profis. Bei den Gästen ragte D.J. White mit 22 Zählern heraus. Der 31-jährige US-Amerikaner lief in seinen besten Tagen auch schon für die Oklahoma City Thunder und die Charlotte Hornets in der NBA auf.

Nach einem ausgeglichenen Beginn und einem 12:8-Zwischenstand (5.) warfen die Riesen ihre spielerische Überlegenheit in die Waagschale und eine 24:12-Führung nach dem ersten Viertel heraus. Auch im zweiten Durchgang bestimmten sie vor den 1843 Zuschauern das Geschehen auf dem Feld und erhöhten bis zur Halbzeitpause auf 46:29. Mit einem Dreier zum 53:32 besorgte Walk­up in der 23. Minute die größte Ludwigsburger Führung des Abends – satte 21 Punkte. Im Gefühl des sicheren Sieges schalteten die Riesen nun einen Gang zurück. Dies nutzte Gaziantep dazu, um auf 51:63 zu verkürzen. Dank eines Dreiers von Dwayne Evans sowie der Punkte von Walkup und Cook ging der Bundesliga-Zweite dennoch mit einer 70:53-Führung und einem 17-Punkte-Polster ins Schlussviertel.

Patrick ist froh über die Pause

Dort war der Vorsprung  beim 71:62 (33.) schnell wieder auf neun Zähler geschrumpft. Die Hausherren schlugen mit einem 7:0-Lauf zum 78:62 (36.) zurück und hielten den Gegner aus der Türkei fortan auf Distanz. Letztlich bejubelten sie einen verdienten, aber keineswegs glorreichen 86:74-Sieg. Wegen der Länderspiel-Pause bestreiten die Ludwigsburger Korbjäger erst am 3. Dezember ihre nächste Begegnung – zu Hause gegen die BG Göttingen. „Uns kommt die Pause sehr gelegen“, sagte Patrick.