Handball Rhein-Neckar Löwen zeigen dem Aufsteiger die Grenzen auf

Andreas Eberle 10.09.2018

Zweistellig oder nicht? Letztlich lief es am Sonntagnachmittag beim David-gegen-Goliath-Duell zwischen der SG BBM Bietigheim und den Rhein-Neckar Löwen auf diese Frage hinaus. Am Ende kassierte der Erstliga-Aufsteiger mit dem 21:36 doch eine happige Heimschlappe gegen das Star-Ensemble aus Mannheim. Mit 0:8 Punkten steht die Spielgemeinschaft nach den ersten vier Partien im Handball-Oberhaus auf dem letzten Platz, während der deutsche Vizemeister und Pokalsieger die Tabellenführung eroberte. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ skandierten die mitgereisten Löwen-Fans siegestrunken.

Seriöser Löwen-Auftritt

Schon nach der ersten Hälfte war das ungleiche Kräftemessen entschieden. Der Champions-League-Teilnehmer aus dem Nordbadischen zeigte der SG BBM mit einem seriösen Auftritt die Grenzen auf und lag mit 20:11 vorne. Im zweiten Durchgang reichte den Löwen dann der Schongang, um den hohen Vorsprung noch etwas auszubauen. Auch mit Blick auf das Champions-League-Duell am Mittwoch in der SAP-Arena gegen den FC Barcelona schonte Gästecoach Nikolaj Jacobsen einige seiner Leistungsträger. Der isländische Nationalspieler Gudjon Valur Sigurdsson kam gar nicht erst zum Einsatz, Patrick Groetzki hatte vor den 2723 Zuschauern in der EgeTrans-Arena nur einen Kurzauftritt, und der schwedische Nationalkeeper Mikael Appelgren stand nur bei drei Siebenmetern zwischen den Pfosten. Ansonsten hütete Andreas Palicka den Kasten der Mannheimer. „Nikolai hat viel gewechselt. Uns würde jeder Spieler der Rhein-Neckar Löwen gut zu Gesicht stehen“, sagt SG-Trainer Ralf Bader fast schon etwas neidisch auf das Überangebot an Stars im Löwen-Aufgebot.

Er musste dagegen kurzfristig auf seinen Abwehrchef Patrick Rentschler verzichten – den 27-järigen Kapitän und Führungsspieler plagt eine Ellbogenverletzung. „Wir wollten bei ihm kein Risko eingehen und haben ihn bewusst geschont“, sagte Trainer Ralf Bader, der mit „maximal ein, zwei Wochen“ Ausfallzeit rechnet.

Nur in der Anfangsphase konnte der krasse Außenseiter aus Bietigheim-Bissingen die Löwen ärgern und mithalten – bis zum 5:6 in der achten Spielminute. Dann machte der körperlich deutlich überlegene Favorit ernst und zog bereits bis zur Pause auf 20:11 davon. Als Handicap erwies sich bei der SG BBM, dass Abwehrspezialist Michael Oehler früh zwei Zwei-Minuten-Strafen kassierte und Bader ihn darum vorzeitig vom Feld nahm. Fortan stellten sich im Innenblock vor allem die jungen Vetle Rönningen, Jonathan Fischer und Maximilian Schwarz der geballten Offensivgewalt der Löwen entgegen. „Wir müssen alle noch eine Schippe drauflegen, um das Ergebnis ein bisschen freundlicher zu gestalten“, sagte Hallensprecher Michael Kloiber in der Pause und klang dabei nicht sonderlich optimistisch.

Zunächst schaffte der Aufsteiger aber tatsächlich eine kleine Aufholjagd und verkürzte bis zur 48. Minute auf 17:26. Sollte es für die Bietigheimer Handballer also doch zu einer einstelligen Niederlage reichen? Nach einer Auszeit von Jacobsen zerstreuten die Gäste aus dem Nordbadischen diese Hoffnungen allerdings wieder. Sie zogen einmal mehr das Tempo an und fuhren einen standesgemäßen 36:21-Erfolg ein.

Trotz der hohen Heimniederlage gab es aus SG-Sicht auch einige Mutmacher: Spielmacher Jonas Link zeigte sich auch gegen die Übermannschaft aus Mannheim in starker Form und avancierte mit sieben Toren zum besten Werfer der Partie. Torhüter Jürgen Müller, der bereits nach einer Viertelstunde für Domenico Ebner eingewechselt worden war, zeigte ebenfalls, dass auf ihn Verlass ist und wartete mit acht Paraden auf. Jonathan Fischer erzielte seine ersten beiden Bundesliga-Treffer, und Valentin Schmidt verwandelte fünf seiner sechs Siebenmeter – gegen die Weltklasse-Torhüter Palicka und Appelgren.

Am nächsten Sonntag wartet auswärts mit dem THW Kiel der nächste harte Brocken auf die SG BBM. „Da erwarte ich, dass unsere jungen Männer in der Abwehr noch mehr Mut haben und sich diesen Weltklassespielern stellen“, sagte Trainer Bader.

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