Selten war die Entscheidung beim Großen Preis der Stadt Bietigheim-Bissingen so dramatisch wie am Sonntagnachmittag. Bei der Springprüfung Klasse S***, dem Höhepunkt des Pferdemarkt-Turniers, strebte Richard Vogel vom RV Mannheim als vorletzter Starter der Siegerrunde bereits dem großen Triumph entgegen. Doch ausgerechnet beim letzten Hindernis patzte er auf dem belgischen Warmblut K Zoom d’Heyboght. Trotz der 39,37 Sekunden war sein Traum von einem Premierensieg in Bietigheim aufgrund der vier Fehlerpunkte ausgeträumt. Danach hatte es zum Abschluss Rossen Raytchev in der Hand, zum dritten Mal nach 2012 und 2013 den Großen Preis zu holen. Der Bulgare vom RV Epfendorf bewältigte den anspruchsvollen Parcours auf Chester tatsächlich ohne Fehler und in einer Zeit von 43,05 Sekunden, aber das reichte trotzdem nicht – weil Tim Hoster zuvor auf seiner zwölfjährigen Stute Corradina ebenfalls einen Null-Fehler-Ritt hingelegt hatte und nach nur 39,71 Sekunden ins Ziel gekommen war.

Für den 39-jährigen selbstständigen Profireiter vom RFV Pfullendorf war es der zweite Erfolg in Bietigheim-Bissingen nach 2010. Raytchev und Unglücksrabe Vogel folgten bei dem mit insgesamt 12 500 Euro dotierten S***-Springen auf den Plätzen zwei und drei. „Ich habe hinten heraus schon etwas gezittert“, bekannte Hoster. Vorjahressiegerin Eva-Maria Lühr (PSV Hohe Eichen) kam auf Smire S nicht ohne Fehler durch den ersten Umlauf und schied vorzeitig aus. 24 Teilnehmer umfasste das Starterfeld beim Turnierhöhepunkt.

10 000 Fans bei 18 Prüfungen

4000 bis 5000 Zuschauer verfolgten am Sonntag den Showdown unterm Viadukt, so die Schätzung von Klaus Dieterich, dem Vorsitzenden des RV Bietigheim-Bissingen, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert und das dreitägige Spektakel wie gewohnt ausrichtete. Insgesamt hätten 10 000 Reitsport-Fans die 18 Springprüfungen verfolgt, so Dieterich. „Vor so einer Kulisse zu reiten, hat man nicht jede Woche. Das ist viel schöner, als wenn man nur vor ein paar Hundert Leuten startet“, schwärmte Hoster.

Er war in der Siegerrunde der besten sechs Reiter gleich doppelt vertreten, denn auch mit dem elfjährigen Wallach Tyson, seinem zweiten Paradepferd, hatte er wie mit Corradina einen fehlerfreien ersten Umlauf absolviert – in einer ähnlichen Zeit. Dies brachte mit sich, dass Hoster beim entscheidenden zweiten Durchgang zweimal direkt hintereinander in den Parcours musste. „Ein bisschen stressig ist das schon, weil man nicht viel Zeit hat, um die Pferde aufzuwärmen“, sagte der aus einer Reiterfamilie stammende Rheinländer und gab zu: „Ich bin normalerweise ziemlich pingelig. Wenn man im Umlauf ist, muss man die Pferde vernünftig vorbereiten, aber wenn sie schon mal gesprungen sind, geht das auch etwas schneller – und im Parcours selbst denkt man dann gar nicht mehr groß darüber nach. Da versucht man nur, alles gut zu machen.“

Ein Fehler mit Tyson am sechsten Hindernis kostete Hoster letztlich eine zweite Platzierung unter den Top drei, aber auch mit den Rängen eins und sechs war er sehr zufrieden. Zumal er am Mittag bereits ein S*-Springen gewonnen hatte. Als Belohnung für den Sieg beim Großen Preis erhielt Hoster einen Pferdeanhänger mit der Aufschrift „Bietigheim-Bissingen“ im Wert von 6500 Euro. Nach seiner Ehrenrunde mit Stute Corradina durfte er gleich auch noch ein Auto mit seinem brandneuen Hänger durch die Anlage steuern – mit Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing auf dem Beifahrersitz. „Herr Kessing, Sie sind mutig. Sie haben doch gesehen, wie der Kerl reitet“, warnte der Turniersprecher den OB launig.

Witzemann triumphiert erneut

Hochklassiger Reitsport wurde auch bei den anderen Wettbewerben geboten. Bei der Springprüfung Klasse S** mit Stechen, der dritten Qualifikation zum BW-Bank Hallenchampionat 2019 in Stuttgart, setzte sich wie im vergangenen Jahr Andy Witzemann (PS-Team Winterlingen) auf seinem Hannoveraner Cassadero mit einer Siegerzeit von 39,11 Sekunden durch – und heimste eine Prämie von 1700 Euro ein. Markus Kölz (PSV Burkhardshof) wurde auf Dornadello mit 39,81 Sekunden Zweiter, Timo Beck (Pforzheimer RV) auf Cento du Rouet mit 41,28 Sekunden Dritter.

Erstmals um Weltranglistenpunkte ging es beim S**-Springen zum BW-Bank Hallenchampionat und zum European Youngster Cup 2019, der sich ausschließlich an U25-Reiter richtet. Lea-Sophia Gut vom RV Sulmingen sicherte sich auf ihrer Stute Lascara in der Siegerrunde mit 38,52 Sekunden Platz eins. Damit qualifizierte sich die deutsche Nachwuchshoffnung für das „Große Finale“ im Dezember in Salzburg.

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