Die Spannung steigt, das große Finale steht vor der Tür. Am Samstagabend gegen 19.30 Uhr dürfte nach einer langen, spannenden Saison endlich feststehen, wer neuer deutscher Meister im Frauenhandball ist. Fängt der Thüringer HC auf der Zielgeraden doch noch die SG BBM Bietigheim ab und verteidigt den Titel? Oder holen sich Martin Albertsen und sein Team zum zweiten Mal nach 2017 die Krone des deutschen Frauenhandballs?  Die Bietigheimerinnen haben es selbst in der Hand. Ein Sieg mit einem Treffer Differenz sollte im letzten Saisonspiel gegen Frisch Auf Göppingen nach menschlichem Ermessen reichen, um in der Tabelle vorne zu bleiben. Spielbeginn zum großen Saisonfinale ist um 18 Uhr in der Ludwigsburger MHP-Arena.

Von Rechenspielen will SG-Coach Albertsen nichts wissen. „Auf einen Sieg mit einem Tor Unterschied kann man nicht spielen. Wir werden alles geben. Wenn das nicht reicht, können wir ruhigen Gewissens sagen, dass nicht mehr drin war“, so der 45-jährige Däne. Aber ihm ist natürlich auch klar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass noch etwas schiefgeht, ziemlich gering ist. Deshalb ist das Spiel gegen Göppingen auch kein Spiel wie jedes andere. Aber genau die Normalität würde Albertsen gerne in die Vorbereitung auf die Partie bringen. „Wir versuchen, das Spiel so anzugehen wie jedes andere. Wir wollen den Fokus halten, uns auf uns konzentrieren und versuchen, alles was von außen kommt, auszuschalten“, erklärt der SG-Coach.

Die Stimmung in der Mannschaft passt jedenfalls. Und alle, außer Daniela Gustin, die mit einem Kreuzbandriss definitiv ausfallen wird, versuchen, beim Spiel dabei zu sein. Das Abschlusstraining verlief entsprechend zur vollen Zufriedenheit des Trainers. „Das war eine richtig gute Einheit“, freut sich Albertsen. Er weiß aber auch aus dem Hinspiel noch, dass Göppingen ein sehr unangenehmer Gegner sein kann und nicht viel schiefgehen darf, um gegen Frisch Auf erfolgreich zu sein. „Das ist ihr Spiel. Die Göppingerinnen geben am Anfang immer alles. Mal schauen, wie lange sie diesmal Kraft dafür haben“, so der SG-Coach.

Rückstand zur Pause im Hinspiel

Im Hinspiel Ende Januar reichte die Kraft rund 35 Minuten. Dann zog die SG BBM nach einem 14:15-Pausenrückstand von 19:18 auf 24:18 davon. In schlechter Erinnerung ist Albertsen dabei vor allem die Göppinger Spielweise. „Frisch Auf spielt im Angriff sehr lang­sam und versucht, das Tempo zu ver­schleppen. Da wird es auf unser Pub­likum ankommen, dies entsprechend lautstark zu ‚kommentieren’, wenn wir in der Defensive sind“, so der Däne. Das Publikum kann auf jeden Fall ein Faktor im Saisonfinale werden. „Die Kartennachfrage ist enorm. In einigen Kategorien ist nur noch ein begrenztes Kontingent verfügbar“, heißt es in einer Mitteilung der SG BBM.

Zu beachten sind bei Frisch Auf vor allem Michaela Hrbkova und Iris Gruberinic. Im Hinspiel zeichneten sie für 16 der 27 Göppinger Tore verantwortlich. Bekommt die SG-Deckung – statistisch die beste Abwehr der Liga – diese beiden in den Griff, ist das schon der halbe Weg zur Meisterfeier. Die ist natürlich schon geplant, auch wenn man bei der Spielgemeinschaft in den vergangenen Wochen nie etwas vom bevorstehenden Titelgewinn hören wollte. Aber zuerst wird selbstverständlich mit den Fans die MHP-Arena auf den Kopf gestellt, wenn es zum nötigen Sieg reicht.

Für mindestens vier Spielerinnen wird es allerdings die letzte Meisterfeier im SG-Trikot sein. Charris Rozemalen wechselt zur kommenden Saison nach Toulon, Ines Ivancok verlässt Bietigheim in Richtung Bensheim/Auerbach, Anja Hoekstra beendet ihre Karriere und bei Gustin ist das Ziel noch offen.

So wird die SG BBM Deutscher Meister


Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim am Samstagabend zum zweiten Mal nach 2017 den Titelgewinn in der Bundesliga bejubeln dürfen. Unter diesen Voraussetzungen wird es in der MHP-Arena in Ludwigsburg zu Jubel­arien kommen:

● Gewinnt die SG BBM, muss der Thüringer HC mit 32 Toren höher gewinnen, oder 25 Tore mehr als Bietigheim werfen und mit 31 Treffern höher als die SG gewinnen, sonst ist Bietigheim Meister.

● Spielt der THC nur unentschieden, reicht dem Albertsen-Team ebenfalls ein Remis.

● Verliert der THC, darf die SG BBM auch verlieren, vorausgesetzt, die Differenz ist weniger als 32 Tore höher als beim Konkurrenten oder, sie erzielt nicht über 24 Treffer weniger als die Thüringerinnen und verliert dann nicht um 31 Treffer höher. sim