Es ist wie verhext: Jedes Mal, wenn die Oberliga-Kicker des FSV 08 Bissingen die Chance haben, näher an den Relegationsplatz heranzurücken und im Aufstiegskampf Boden gutzumachen, versagen sie. So war es auch am Samstagnachmittag in der Tectomove-Arena: Beim nun endgültig als Absteiger feststehenden FC Normannia Gmünd musste sich die Bruchwald-Elf mit einem 1:1 begnügen.

Damit konnten die Nullachter die Steilvorlage aus Degerloch nicht nutzen. Denn der Aufstiegsrivale Stuttgarter Kickers patzte ebenfalls gegen einen Absteiger und kam gegen das Schlusslicht SV Spielberg nicht über ein 0:0 hinaus. Lachender Dritter war der Bahlinger SC, der die Tabelle nach dem 5:0 gegen Nöttingen nun mit drei Punkten Vorsprung vor dem SVK anführt. Der Titelgewinn und der direkte Aufstieg scheinen für die Südbadener in den abschließenden Duellen gegen Oberachern und Göppingen nur noch Formsache.

Im Wettstreit um Rang zwei ist hingegen alles beim Alten geblieben: Bissingen liegt weiter vier Zähler hinter den Kickers und muss auf einen Ausrutscher der Blauen am Wochenende in Reutlingen hoffen, um am letzten Spieltag im direkten Duell noch eine Chance auf die Relegation zu haben. Zwingend nötig ist zuvor aber noch ein Heimsieg am Samstag (15.30 Uhr) gegen Neckarsulm. In der gegenwärtigen Form scheint da ein Dreier für die Nullachter aber illusorisch.

Oliver Dense übte nach dem schwachen Auftritt im Ostalbkreis Kritik an der Mannschaft. „Das war viel zu wenig und vor allem viel zu schlecht. Die Vorstellung war unterirdisch und eines Tabellendritten nicht würdig. Darum haben wir es wahrscheinlich auch nicht verdient, hochzugehen“, sagte Bissingens Sportdirektor. Schon in der Hinrunde hatte der FSV 08 gegen den Aufsteiger nur 0:0 gespielt.

Der Underdog präsentierte sich in den 90 Minuten bissig und aggressiv und überraschte die Gäste mit seinem mutigem Spiel nach vorne. Von einem Unterschied zwischen dem Absteiger aus Gmünd und dem Aufstiegsaspiranten aus Bissingen war nichts zu sehen. Die Taktik, Simon Lindner und Riccardo Gorgoglione bei gegnerischem Ballbesitz weit zurückzuziehen und als Außenverteidiger mit Abwehraufgaben zu betrauen, ging nicht auf. Auch die drei Startelf- Umstellungen von Trainer Alfonso Garcia gegenüber dem 1:3 gegen Nöttingen fruchteten nicht.

In der turbulenten Anfangsviertelstunde hatte Felix Bauer dreimal die Gmünder Führung auf dem Fuß: Bereits nach 20 Sekunden feuerte der Normannia-Stoßstürmer knapp vorbei, dann scheiterte er aus spitzem Winkel an 08-Schlussmann Sven Burkhardt (13.), und beim dritten Versuch setzte er einen Nachschuss an die Latte (14.). Zwischendurch traf auch Sebastian Gleißner aus sieben Metern nach einem Fröhlich-Fehlpass im eigenen Strafraum das Aluminium, nämlich den Außenpfosten (13.).

Das 1:0 für die Normannen fiel nach einer halben Stunde und war durchaus verdient: Nach einem Pass von Routinier Andreas „Bobo“ Mayer zog der Ex-Freiberger Serkan Uygun ab. Burkhardt klatschte den Ball zwar ab, aber im Nachschuss war Fabian Kolb erfolgreich. Drei Minuten später glich der nach seiner Gelb-Rot-Sperre ins Team zurückgekehrte Gorgoglione mit einem Foulelfmeter aus. Zuvor hatte Pierre Williams eine ungeschickte Attacke von Fröhlich dankend angenommen und war an der linken Strafraumkante zu Boden gegangen.

Lindner vergibt Riesenchance

Auch nach der Pause gab der Tabellenvorletzte nicht klein bei, hielt die Partie offen und lieferte den Bissingern einen großen Kampf. Lindner hatte in der 56. Minute die Riesenchance zum 2:1: Nach einer Kopfball-Vorlage von Marius Kunde schoss er allein vor dem Gmünder Gehäuse FC-Keeper Yannick Ellermann an. Weil die Nullachter im Angriff weiter ohne Ideen spielten und kopflos anrannten, blieb es beim enttäuschenden, aber letztlich leistungsgerechten Remis. „Ich glaube nicht, dass die Jungs nicht wollten, aber irgendwie konnten sie nicht – warum auch immer“, stellte Dense ernüchtert fest.

Info Das Heimspiel des FSV 08 Bissingen gegen die Stuttgarter Kickers findet am Donnerstag, 30. Mai (15 Uhr), in der Aspacher Mechatronik-Arena statt.