Karolina Kudlacz-Gloc benötigte nur 32 Sekunden im „kleinen“ Schwabenderby der Bundesliga gegen den TV Nellingen, um Saisontor Nummer 500 des Tabellenführers SG BBM Bietigheim zu erzielen. In der Folge taten sich die Gastgeberinnen allerdings bis zum 37:27 gegen die abstiegsbedrohten Gäste schwer, die 45 Minuten lang Paroli boten. Erst in der letzten Viertelstunde setzte sich der haushohe Favorit durch und erfüllte die Hoffnungen seines Trainer Martin Albertsen, etwas für das Torverhältnis zu tun. Am Ende betrug die Differenz wie schon im Hinspiel (34:24) zehn Tore. Während sich Titel-Konkurrent Thüringer HC in Bukarest aus der Champions League verabschiedete, feierte die SG BBM ihren 17. Sieg im 17. Saisonspiel und setzte sich an der Tabellenspitze zumindest vorübergehend auf vier Punkte ab.

Naidzinavicius trifft erneut

SG-Trainer Martin Albertsen verschaffte in der ersten Halbzeit Nationalspielerin Kim Naidzinavicius nach deren langer Verletzungspause, wie schon in der Woche zuvor im Spiel bei der HSG Bad Wildungen, einige Minuten Spielzeit. Sie erzielte erneut einen Treffer. „Sie hat wieder ein paar Minuten gespielt und kommt Schritt für Schritt zum Einsatz, damit wir bis zum Spiel beim Thüringer HC alle fit haben. Auch Anja Hoekstra hat mehr Spielanteile bekommen“, erklärte Albertsen seine Vorgehensweise und hat dabei das entscheidende Spiel um die Meisterschaft am 6. April in Bad Langensalza im Blick.

Meist auf dem Feld dabei war die junge Kim Braun, die auf der Linksaußenposition die verletzte Fie Woller ersetzte. Mit einer starken Leistung und sechs Treffern unterstrich die Ex-Leverkusenerin, weshalb sie erstmals ins Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft zu einem Lehrgang und zwei Test-Länderspielen Ende März gegen die Niederlande berufen wurde.

27 Gegentreffer wie gegen den TV Nellingen sind für die Bietigheimerinnen eher ungewöhnlich. 15 davon kassierte der Spitzenreiter in der ersten Halbzeit, weil er in der Deckung nicht konzentriert zu Werke ging. Vor allem Lena Degenhardt aus dem Rückraum und Rechtshänderin Alina Ridder auf Rechtsaußen bereitete den Gastgeberinnen erhebliche Probleme. Degenhardt, die zur neuen Saison zur TuS Metzingen wechselt, brachte es am Ende auf neun Tore.

Im Angriff der SG BBM lief es zunächst auch nicht wie gewohnt. Zu viele Chancen, darunter zwei Siebenmeter, blieben ungenutzt. Zur Pause musste sich das national erfogsverwöhnte Albersten-Team mit einem knappen 17:15-Vorsprung begnügen. In der zweiten Halbzeit setzten die Schwaben Hornets bis zur 45. Minute weiter empfindliche Stiche. Die ersten fünf Würfe nach der Pause waren alle im Bietigheimer Tor. Dreimal kamen die Gäste zum Ausgleich (18:18, 19:19, 20:20).

Salamakha packt zu

Dann allerdings packte die zur Pause eingewechselte Bietigheimer Torhüterin Valentyna Salamakha zu und brachte es bis zum Schlusspfiff auf stattliche neun Paraden. Basierend auf dieser hervorragenden Torhüterleistung kam das SG-Angriffsspiel immer mehr auf Touren. Maura Visser mit Wucht und Durchsetzungsvermögen sowie Anna Loerper, die vor Spielfreude sprühte und mal eben drei Treffer in Folge warf, nahmen das Spiel des Tabellenführers fest in die Hand und gaben den Angriffen die gewohnte Struktur. Angela Malestein hatte sich wohl über einen vergebenen Siebenmeter geärgert und donnerte den Ball auch mehrfach ins Tor der Gäste. Beim TVN schwanden sichtlich die Kräfte nach dem hohen kämpferischen und läuferischen Einsatz. Erst in der Schlussviertelstunde zeigte der Tabellenführer einige meisterliche Spielzüge und tat doch noch was für die Tordifferenz.