Darts Mit ruhiger Hand auf die „Triple 20“

Sachsenheim / Sandra Bildmann 26.01.2018

Der größte Irrtum über das Dartspielen ist, dass es als Saufsport bezeichnet wird“, findet Jennifer Weber. Das Klischeebild entspreche überhaupt nicht der Wahrheit, stellt die organisatorische Leiterin der Sachsenheimer Mannschaft „Dream Team“ klar: „Natürlich trinkt man mal ein Bier, aber es ist nicht so, dass man rotzevoll nach Hause kommt.“

Das „Dream Team“ ist eine von mehreren Sachsenheimer Darts-Mannschaften, die am Ligaspielbetrieb teilnehmen. Seit 1994 gibt es die Dartliga Mittleren Neckarraum, vier Jahre später wurde das „Dream Team“ gemeldet, das formal kein eingetragener Verein ist. Die personelle Besetzung hat sich in den Jahren der Bezirksligamannschaft verändert, der Kern des aktuellen Teams spiele seit neun Saisons zusammen, erzählt Jennifer Weber. Sie ist die einzige Frau im E-Darts-Team und spricht scherzhaft von „Schneewittchen und den acht Zwergen.“ Denn das Team setzt sich aus acht gemeldeten Spielern zusammen.

Innerhalb der Saison finden jeden Mittwochabend Ligaspiele statt, zudem trainieren die Pfeilakrobaten individuell. Dafür stehen ihnen neun elektronische Dartscheiben in ihrem Stammlokal, der Bar 67 im Sachsenheimer Industriegebiet, zur Verfügung.

Im Spielbetrieb gibt es zwei Saisonhälften, momentan ist Pause, Mitte März geht’s weiter. In der Bezirksliga spielen die Mannschaften die sogenannte Variante „501 Double Out“. Das bedeutet, dass das Spiel durch ein Doppelfeld beendet wird. Der Spieler muss den schmalen äußeren Ring der Dartscheibe treffen. Die meisten Punkte bekommt nicht unbedingt, wer die rote Mitte – das Bulls Eye – trifft. Weber klärt auf: Man müsse schauen, so schnell wie möglich auf null Punkte herunterzukommen. „In der Regel schafft man das mit der dreifachen 20.“ Wer das höchste Triple-Feld mehrfach treffe, kommt seinem Ziel bedeutend näher.

Geschlechtertrennung und Altersvorschriften gibt es nicht. Der Älteste im „Dream Team“ ist 48, aufgrund des Jugendschutzgesetzes ergibt sich eine natürliche Altersuntergrenze. „Man sollte 18 Jahre alt sein“, sagt Weber, „weil in vielen Räumlichkeiten geraucht und harter Alkohol ausgeschenkt wird.“ Den konsumieren die Mitglieder des „Dream Teams“ aber „recht wenig“, wie die organisatorische Leiterin betont. Überhaupt wehren sich die Spieler gegen das Sauf-Image.

„Darts ist mehr als der typische Kneipensport. Es stärkt die Teamfähigkeit, das mathematische Verständnis und das logische Denken“, zählt Jennifer Weber auf. Außerdem gingen die Freundschaften innerhalb des Teams weit über die Trainings- und Spielzeiten hinaus. Die Spieler des „Dream Teams“ treffen sich mindestens einmal im Monat abseits der Dartscheiben. Wenn sie aber hinter der von der Scheibe 2,37 Meter entfernten Linie stehen, liegen Konzentration und Fokus auf dem Sport. „Man kann nicht locker flockig spielen“, betont Weber. „Dein Hirn sagt dir, dass du die Triple 20 treffen musst. Der Kopf steuert die Hand.“ Es erfordere körperliche Präzision, die an das Gehirn gekoppelt ist, damit der Pfeil tatsächlich im Ziel landet. Trotz allem brauche es auch körperliche Fitness, finden die Spieler: Ungeübte hätten schnell Muskelkater im Arm. Auch das dauerhafte Stehen könne die Gelenke belasten, erklärt „Dream Team“-Kapitän Michael Weber.

Viel Training ist wichtig

„Beim Darts ist es wie bei jedem Sport: Man muss trainieren, trainieren, trainieren“, meint Weber, der 25 Jahre lang Handball gespielt hat. Trainer im klassischen Sinne sucht man in der Szene aber vergebens: In der Regel halte man sich an Spieler, die das schon eine Weile machen, schildert seine Frau Jennifer. Im Falle der ehemaligen Sachsenheimerin, die mittlerweile in Kupferzell wohnt, waren ihre Trainer frühere Mannschaftskameraden. Mit dem aktiven Dartspielen hat sie inzwischen aufgehört.

Im doppelten Sinn jüngster Neuzugang des Teams ist der 24-jährige Jonas Zwiefelhofer. Nachdem er fünf Jahre lang in anderen Mannschaften auf die Scheibe gezielt hat, tritt er nun überwiegend für das „Dream Team“ an. Entscheidend für den Wechsel seien vor allem sportliche Ziele gewesen, berichtet er. „Hier wird der Sport ernst genommen. Bei Spielen sind die Leute da“, schätzt der Sachsenheimer am „Dream Team“. Wichtig sei der Teamgeist, das betonen alle in der Mannschaft. Damit sich jeder wohlfühlt, müsse man auch Kompromisse eingehen, sagen sie.

Während der kürzlich stattgefundenen Darts-WM hat die Bar 76 ein Public-Viewing angeboten. Solche Veranstaltungen hätten in letzter Zeit immer mehr zugenommen, ist Jennifer Weber aufgefallen, auch wenn sie beobachtet hat, dass die Beliebtheit des Sports regional sehr unterschiedlich ist. Auch die Mitglieder des „Dream Teams“ haben die WM verfolgt und vor der Mattscheibe mitgefiebert. Denn die großen Stars der Szene seien meist die, die einen für den Sport begeisterten und zum Idol werden.

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