Gibt es am Wochenende in der Stuttgarter Porsche- Arena ein Novum im Frauenhandball? Noch nie hat eine Mannschaft aus Baden-Württemberg den DHB-Pokal, der seit 1975 ausgespielt wird, gewonnen. Mit dem frischgebackenen Deutschen Meister SG BBM Bietigheim und der TuS Metzingen haben sich nun erneut zwei schwäbische Topteams für das Olymp Final Four qualifiziert – wie schon in den vergangenen zwei Jahren. Allerdings ging der Pott an beiden Vereinen vorüber: Mit dem Buxtehuder SV und dem VfL Oldenburg setzte sich 2017 und 2018 jeweils ein Außenseiter durch. „Im Pokal ist immer alles möglich. So ein Final Four hat immer auch eine Eigendynamik“, weiß SG-Trainer Martin Albertsen, der 2006 mit dem HC Leipzig schon einmal den Pokal geholt hat – und damit auch das Double. Denn in jenem Jahr hatte sich der Däne mit den Sächsinnen auch die Meisterschaft gesichert. Wiederholt Albertsen nun dieses seltene Kunststück mit Bietigheim? „Das zu erleben, wäre ein Traum für jeden von uns“, meint der 45-Jährige.

Seine Mannschaft hat an diesem Samstag (17.30 Uhr) im Halbfinale die auf dem Papier leichteste Aufgabe zu lösen. Im David-gegen-Goliath-Duell gegen den Erstliga-Absteiger SV Union Halle-Neustadt ist die SG BBM haushoher Favorit. Vor zwei Wochen trafen beide Klubs an der Saale bereits in der Liga aufeinander. Damals behielt der spätere Meister deutlich mit 37:24 die Oberhand. Allerdings machten die „Wildcats“ ihrem Spitznamen in den 60 Minuten alle Ehre und gingen alles andere als zahm zur Sache. „Halle hat sehr aggressiv gegen uns gespielt. So eine Gegenwehr erwarte ich auch am Samstag. Wir müssen bereit für ein hartes Spiel sein“, sagt Albertsen. Bis auf die langzeitverletzte Schwedin Daniela Gustin (Kreuzbandriss) sind alle Bietigheimer Handballerinnen fit und einsatzbereit – zumindest war dies der Stand vor der Generalprobe: dem Abschlusstraining am Freitagabend in der Porsche-Arena.

Für den Außenseiter aus Halle ist das finale Viererturnier der Höhepunkt der Klubgeschichte. „Wir als Aufsteiger hatten bis jetzt nicht oft die Gelegenheit, in einer solch großen Halle und vor so einer Kulisse zu spielen. Für uns heißt es: Genießen und alles mitnehmen, was geht”, sagt Union-Rückraumspielerin Sophie Lütke. „Wir können so unseren Verein noch mal gut präsentieren und uns würdig aus der Erstliga- Saison verabschieden.“ Die Unterstützung des Publikums dürfte dem Underdog aus Sachsen- Anhalt gehören. Damit rechnet auch Albertsen: „Abgesehen von unseren tollen Fans werden alle gegen Bietigheim sein. Das war auch in den beiden letzten Jahren schon so.“

Müller peilt dritten Pokalsieg an

Der eigentliche Knaller ist am Samstag das andere Halbfinale, das bereits um 15 Uhr angepfiffen wird. Mit dem entthronten Meister Thüringer HC und der TuS Metzingen messen sich der Tabellenzweite und -dritte der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Auch diese Partie hat es bereits am vorletzten Spieltag gegeben: In der Tübinger Paul-Horn-Arena behielten die Thüringerinnen überraschend klar mit 36:26 die Oberhand. Für THC-Coach Herbert Müller ein Muster ohne Wert. Er erwarte eine ganz andere Vorstellung der „Tussies“, teilte er auf der Vereins-Homepage mit. Nach der nur wegen des schlechteren Torverhältnisses verpassten Meisterschaft will er das Star-Ensemble aus Erfurt und Bad Langensalza nun unbedingt noch zum Pokalsieg führen. Es wäre der dritte in der THC-Historie nach 2011 und 2013. Müller: „Wir fühlen uns gut, die Mannschaft hat noch mal einen entscheidenden Schritt gemacht. Wir wollen und wir können den Pokal gewinnen – und wir haben ihn vielleicht sogar ein wenig verdient. Das letzte ist eben so ein Gefühl, aber dafür allein gibt es keine Titel.“

Bayer Leverkusen ist der Rekord-Pokalsieger


9 DHB-Pokal-Siege hat Bayer Leverkusen zwischen 1980 und 2010 geholt. Damit sind die Rheinländerinnen der Rekordsieger. Im laufenden Wettbewerb schieden die Werkselfen allerdings im Viertelfinale überraschend aus – mit einem 31:35 beim Bietigheimer Halbfinalgegner SV Union Halle-Neustadt.

7 Pokal-Titel hat der HC Leipzig in seiner Vita stehen. 2006 schaffte der heutige SG-Trainer Martin Albertsen mit den Sächsinnen das Double. Zuvor hatte er den HCL schon zur Meisterschaft geführt.

5 Mal triumphierte das einstige deutsche Frauenhandball-Aushängeschild TV Lützellinden zwischen 1989 und 1999. Der Verein existiert heute nicht mehr – im Oktober 2006 löste er sich aufgrund finanzieller Altlasten auf.

4 Siege feierte der VfL Oldenburg, je drei der TuS Walle Bremen und der TSV GutsMuths Berlin. Es folgen der 1. FC Nürnberg, der TuS Eintracht Minden, der VfL Engelskirchen, der Thüringer HC und der Buxtehuder SV mit zwei Titelgewinnen. Borussia Dortmund, der FHC Frankfurt/Oder und der TV Mainzlar gewannen einmal den Pokal. ae