Radsport Lokalmatador Krieger fährt bei der Deutschland-Tour mit

Der Vaihinger Alexander Krieger fährt für das Team Leopard Pro Cycling, wie auch auf seiner Kappe zu lesen ist.
Der Vaihinger Alexander Krieger fährt für das Team Leopard Pro Cycling, wie auch auf seiner Kappe zu lesen ist. © Foto: Elisa Haumesser
Bönnigheim / nac 23.08.2018

Nach zehn Jahren Pause probt die Deutschland-Tour ihr Comeback. Auf der Finaletappe führt das Rennen der Radprofis am Sonntag durch den westlichen Landkreis Heilbronn und quer durch den Landkreis Ludwigsburg bis nach Stuttgart. Neben den weltbesten Profis rollt auch ein Lokalmatador durch die Region: Alexander Krieger aus Vaihingen.

Es ist das Radsportereignis in Deutschland, das es unter verschiedenen Namen seit 1911 gibt – mit einer Pause seit 2009 infolge der Dopingskandale: die Deutschland-Tour. Bei der Wiederauflage in diesem Jahr suchen die weltbesten Straßenradfahrer auf vier Etappen von Koblenz über Bonn, Trier, Merzig und Lorsch nach Stuttgart von diesem Donnerstag bis zum Sonntag ihren Sieger. Für viele deutsche Profis ist es ein Pflichttermin im Kalender. Mit 15 World-Tour-Fahrern auf der vorläufigen Startliste hat sich die Mehrheit der deutschen Elite für die viertägige Rundfahrt entschieden.

Angeführt wird das Kontingent vom deutschen Meister Pascal Ackermann, der bereits eine Testfahrt auf der kompletten Strecke der Deutschland-Tour absolviert hat. „Das ist eine superschöne Rundfahrt, eine richtig interessante Klassiker-Rundfahrt“, erklärt er. Seine Mannschaft Bora-Hansgrohe tritt bei der Heimatrundfahrt gleich mit fünf deutschen Fahrern an. Auch das Team Sunweb kommt mit einer starken Auswahl und setzt im Sprint auf Max Walscheid. Das Team Katusha Alpecin um Top-Sprinter Marcel Kittel plant mit einem Team für jedes Rennszenario.

Routinier André Greipel tritt an

Hinter dem Start von Tony Martin steht nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden bei der Tour de France noch ein Fragezeichen. Die Fans an der Strecke können sich auch auf Maximilian Schachmann (Quick-Step Floors) und Nico Denz (AG2R La Mondiale) freuen. Letzterer schrammte erst zuletzt aufgrund eines Sturzes kurz vor dem Ziel an einer Medaille bei den European Championships in Glasgow vorbei (siehe Infokasten). Schachmann war bester Deutscher bei den Ardennenklassikern und hat sich mit seinem Etappensieg beim Giro d’Italia nicht nur bei Radsportfans einen Namen gemacht. Mit André Greipel (Lotto Soudal) und Christian Knees (Team Sky) treten auch die beiden deutschen Routiniers an, die bereits Erfahrungen mit der Deutschland-Tour haben. Für Greipel ist ein Jubiläum möglich, denn vor zehn Jahren sprintete der Hürther zum Etappensieg bei der letzten Auflage der Deutschland-Tour.

Doch nicht nur die Weltelite ist am Start. Zusätzlich zu den elf Mannschaften der World-Tour und den vier deutschen Kontinentalteams, die sich über die Platzierung in der Rad-Bundesliga des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) und die Europe-Tour des Weltverbands UCI qualifiziert haben, nehmen sechs Teams der Pro-Continental-Ebene teil. Das Feld mit 22 Teams komplettiert die Mannschaft Leopard Pro Cycling, die eine Einladung für die Deutschland-Tour erhalten hat. Das luxemburgische Team hat mit Alexander Krieger einen der erfolgreichsten deutschen Fahrer der UCI-Europe-Tour in ihren Reihen. 32 Renntage mit 27 Ergebnissen in den Top10 – das ist die überzeugende Saisonbilanz des 26-jährigen Vaihingers.

„Das ist eine geile Sache, zumal die Tour in Stuttgart endet“, freut sich Krieger auf das Rennen. „Wir haben das aber auch verdient. Wir sind in dieser Saison sehr gut gefahren.“ Und am besten geht es mit den Erfolgen bei der Deutschland-Rundfahrt weiter. „Ich würde gerne an einem Tag auf das Podium fahren“, setzt sich der Vaihinger als Ziel. „Das Profil kommt mir entgegen. Die Form stimmt auch. Und ich habe schon bewiesen, dass ich auch gegen solche Konkurrenz vorne mitmischen kann.“

Mäßige Vorfreude herrscht dagegen in den Etappenorten in der Region. Am Sonntag rollt das Peloton und der Tross der Deutschland-Tour durch Eppingen, Kleingartach, Stockheim, Brackenheim, Botenheim, Bönnigheim, Erligheim, Löchgau und Besigheim, bevor es auf der anderen Seite des Neckars durch Marbach, Waiblingen, Fellbach, Remseck bis auf die Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart geht. „Nichts geplant“, vermeldet Amtsleiter Timo Steinhilper aus Bönnigheim. Er rechnet nicht mit überbordendem Zuschauerinteresse: „Wir sind eben mitten in den Sommerferien.“

„Gänsehaut“ in Brackenheim

Brackenheim richtet sich dagegen auf ein Spektakel ein. „Gänsehaut ist garantiert. Denn Brackenheim ist ein wichtiger Teil dieses einmaligen Spitzensportereignisses.“ Stadtsprecher Steffen Heinrich spart in einer Pressemitteilung nicht an Superlativen. Die Botschaft ist klar: Wenn die Profis am Sonntag in einer Woche durchs Zabergäu rollen, will Brackenheim ein begeisterter Gastgeber sein. „Das ist eine hochkarätige Sache“, sagt Heinrich.

Info Hinweise zu den erwarteten Durchfahrtszeiten gibt es im Internet auf www.deutschland-tour.com/verkehr. Die Live-Übertragung am Finaltag beginnt in der ARD voraussichtlich um 15.40 Uhr. Dann hat der Tross die Region bereits hinter sich gelassen. Die Streckenabschnitte werden laut Veranstalter, der auch die Tour de France organisiert, für je 45 Minuten für den Verkehr gesperrt.

Vaihinger Radprofi Alexander Krieger landet in Glasgow auf Rang 27

Für eine Medaille hat es für Deutschland bei den European Championships im schottischen Glasgow nicht gereicht. „Das war ein ultraschweres Rennen. Der Kurs hat einem alles abverlangt. Man ist viel im roten Bereich gefahren, weil man die Karre immer wieder beschleunigen musste“, berichtet Alexander Krieger vom Leopard Pro Cycling. Der Vaihinger hat als einer von sechs deutschen Radprofis das Straßenrennen bei der EM bestritten. „Wir haben aber eine gute Teamleistung gezeigt. Mit dem Ergebnis waren wir letztlich aber nicht zufrieden. Wir hatten mit Nico Denz jemanden in der Spitzengruppe. Und ohne seinen Sturz kurz vor dem Ziel wäre wahrscheinlich auch was drin gewesen.“ Am Ende landete der 26-Jährige mit 2:32 Minuten Rückstand auf den neuen Europameister Matteo Trentin aus Italien auf dem 27. Platz. Nur 51 Fahrer kamen überhaupt ins Ziel. „Meine Wunschvorstellung wäre es gewesen, noch etwas mehr mitzugestalten. Aber ich bin solide gefahren und bin mit meiner Leistung zufrieden“, berichtet Krieger. nac

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