Frauenhandball Loerper spielt beim Ex-Klub groß auf

Augen zu und durch: Die Bietigheimerin Anna Loerper (links) behauptet sich hier gegen ihre ehemalige Metzinger Teamkollegin Shenia Minevskaja.
Augen zu und durch: Die Bietigheimerin Anna Loerper (links) behauptet sich hier gegen ihre ehemalige Metzinger Teamkollegin Shenia Minevskaja. © Foto: Marco Wolf
Bietigheim-Bissingen / Von Wolfgang Seitz 09.04.2018

Nach dem 21:20-Sieg der SG BBM Bietigheim im Bundesliga-Derby bei der TuS Metzingen waren beide Trainer mit ihrem Rückraum nicht zufrieden. Durchaus verständlich, dass es bei Metzingens René Hamann-Boeriths so war. „Der Rückraum war fast nicht da“, sagte er. Damit hatte er Recht. „Wir hatten fast keinen Rückraum“, sagte Bietigheims Coach Martin Albertsen, meinte aber etwas ganz anderes. Seine drei verbliebenen Cracks mussten durchspielen: Cecilie Woller, Karolina Kudlacz-Gloc und Anna Loerper. Zusammen machten sie 15 Tore, Loerper allein zehn. „Sie war überragend, der Hero“, so Albertsen über die Ex-Metzingerin, die von ihren ehemaligen Mannschaftskameradinnen nicht zu verteidigen war.

Herausragende Abwehrreihen

Es war eine Partie, in der Defensiv-Enthusiasten voll auf ihre Kosten kamen. Die Abwehrreihen dominierten das Geschehen, was unter anderem zur Folge hatte, dass der Gast elend lange Angriffe spielen musste, die er nicht immer zum Abschluss brachte. „Wenn es vorne nicht läuft, muss es die Abwehr richten“, so Albertsen ganz lapidar. Kollege Hamann-Boeriths sah es wie folgt: „In der Abwehr waren wir generell sehr gut. Es fehlten aber die einfachen Tore, ohne die man ein solches Spiel nicht gewinnen kann.“ Er sprach damit unter anderem acht vergebene „Freie“ an.

„Das Spiel müssen wir gewinnen, das Spiel können wir gewinnen, deshalb ist es umso ärgerlicher, wenn man am Ende ohne Punkt dasteht“, sagte Metzingens Kreisläuferin Julia Behnke. 21 Gegentore gegen Bietigheim seien sehr gut, 20 eigene viel zu wenig. Und so kam es zu diesem aus Metzinger Sicht deprimierendem Zahlenwerk.

Zunächst lag der Gast aus Bietigheim vorne, ehe die „Tussies“ aus dem 3:4 (9.) das 6:4 (13.) machten. Delaila Amega, Isabell Roch per „Empty-Net-Goal“ und Shenia Minevskaja aus sieben Metern hatten die Wende herbeigeführt. In der folgenden Viertelstunde traf nur noch Minevskaja ein weiteres Mal. Anna Loerper drehte in dieser Sequenz mächtig auf, Bietigheim führte mit 10:7 (27.), nahm ein 11:9 mit in die Pause. Der Gast hatte beileibe nicht alles richtig gemacht, in der Summe aber weniger Fehler als die Metzingerinnen.

Nach dem Seitenwechsel wurde das Albertsen-Team etwas fahrig – die TuS begann damit, auch beste Möglichkeiten nicht mehr an Torfrau Valentyna Salamakha vorbeizubringen. Als es nach 42 Minuten 12:17 stand, Loerper war weiterhin mit Vollgas unterwegs, sah es ganz schlecht aus Sicht der Metzingerinnen aus. Sie haderten in der Folge mit den Schiedsrichtern, die beim 13:18 großzügig übersehen hatten, dass Fie Woller bei einem Kempa klar im Kreis stand (44.). Die Aufregung von TuS-Manager Ferenc Rott war berechtigt, der sich allerdings auch über die Darbietungen seiner „Tussies“ mächtig ärgern musste. Die vergaben nun beste Chancen in Serie, zweimal landeten Bälle am Torgebälk.

Nach Loerpers Solo zum 17:21 (54.) schien das Ding gelaufen. Delaila Amega, Ina Großmann und Marlene Zapf schafften noch die Annäherung auf 20:21. Mehr war nicht drin. „Wir haben eine Minute Zeit, im letzten Angriff noch das Tor zu machen. In den 59 Minuten zuvor haben wir aber sicher mehr falsch gemacht“, brachte Julia Behnke den Spielverlauf auf den Punkt. „Ich bin einfach froh, dass wir gewonnen haben, für die TuS-Mädels tut es mir leid“, sagte Anna Loerper, die Pfiffe bei einem Siebenmeter als zusätzliche Motivation empfand. Und die setzte sie gewinnbringend in Tore um.

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