Privat sind Marcel Fehr und Hanna Klein von der SG Schorndorf ein Paar. Neben der Liebe vereint die beiden die Leidenschaft für den Laufsport. Bei der 39. Auflage des Bietigheimer Silvesterlaufs feierten sie beim größten Lauf an Silvester in Süddeutschland über die 11,1 Kilometer lange Distanz einen Doppelsieg. Der 27-jährige Fehr, der für das Team Filstal am Start war und 2018 noch Zweiter an Enz und Metter wurde, gewann in 32,57 Minuten vor Mitku Seboka vom LAC Quelle Fürth (33,02 Minuten). Klein wiederholte ihren Erfolg vom Vorjahr (37,21 Minuten) und stellte mit ihrer Siegerzeit von 36,05 Minuten einen neuen Streckenrekord auf. Mitfavoritin Alina Reh (SSV Ulm), die als Zweite 61 Sekunden nach Klein ins Ziel kam, hatte auch in ihrem letzten Rennen 2019 kein Glück. Nach rund sechs Kilometern stolperte sie und musste den Kontakt zu Klein abreißen lassen. Die 22-Jährige hatte bei den Weltmeisterschaften in Doha über 10 000 Kilometern geführt und musste dann mit Magenkrämpfen ausscheiden.

Alina Reh stolpert

„Ich hatte mich auf Alina eingestellt. Das tut mir leid. Ich hätte das Rennen gerne bis zum Ende gegen sie ausgetragen. Das macht mehr Spaß. Wir sind die ersten sechs Kilometer zusammen gelaufen“, bedauerte die Bietigheim-Siegerin aus Schorndorf, die seit 2019 von der Wienerin Isabelle Baumann – die 1992 ihren Ehemann Dieter zum Olympiasieg führte – in Tübingen trainiert wird, dass der Kontakt zu ihrer Hauptkonkurrentin früh abgebrochen ist. „Ich habe mich gut gefühlt, es war ein guter Tag. Die Stimmung war richtig toll. Ich habe es so richtig genossen, als ich in der Altstadt den Berg runter gelaufen bin“, hatte die aus Landau in der Pfalz stammende Klein dennoch viel Spaß. Sie war von Anfang an wesentlich lockerer auf der Strecke unterwegs als Reh. Platz drei in Bietigheim sicherte sich in 39,18 Minuten Thurid Gers vom SSC Berlin. Mit Isabel Leibfried (Rang 6) und Betina Englisch (10) platzierten sich zwei Läuferinnen von Therapie-Reha Bottwartal unter den ersten zehn Läuferinnen.

Nach Rang zwei an Silvester 2018 lief diesmal Marcel Fehr bei den Männern als Erster über die Ziellinie vor der Halle am Viadukt. Es war ein enger Zieleinlauf, denn fünf Sekunden später beendete Seboka aus Fürth das Rennen, gerade mal zwei Sekunden vor dem Drittplatzierten Thorben Diehl, der ebenso wie Sieger Fehr für die LG Filstal antrat.

Damit hieß erstmals wieder seit 2014 der Sieger in Bietigheim nicht Simon Boch. Der schnelle Mann von der LG Telis Finanz Regensburg, der viermal in Folge gewonnen hatte, musste seinen Start diesmal kurzfristig wegen einer Erkrankung absagen. Bochs letzte Siegerzeit von 2018 unterbot Fehr diesmal um sechs Sekunden. 2018 war er noch 17 Sekunden hinter Boch ins Ziel gelaufen.

Gabius fällt zurück

Schon früh hatte sich eine Gruppe um Fehr, den hoch gehandelten Arne Gabius (Sieger 2013), Seboka, Karl Junghanß, Erik Hille, Thorben Dietz und Lukas Eisele etwas abgesetzt und ordentlich aufs Tempo gedrückt. Nach knapp fünf Kilometern fiel  der deutsche Marathon-Rekordhalter Gabius (Therapie-Reha Bottwartal) etwas zurück und belegte am Ende Rang sieben (34,01 Minuten).  „Das Wetter war top, die Strecke war nicht rutschig und ich habe nicht gefroren. Es ist toll, wie die Stadt hinter dem Lauf steht. Das macht richtig Lust, auch mit den Hotspots an der Strecke“, lobte der gebürtige Hamburger die Veranstaltung und das Publikum. Zu seiner Leistung meinte der Arzt: „Ich habe am Anfang Druck gemacht. Ich hatte eine harte Trainingswoche hinter mir. Nach Kilometer fünf haben die anderen angezogen. Ich habe es den Berg hoch auch versucht und mich selbst geärgert. Da musst du eben durch.“

Sieger Fehr lobte hinterher den Konkurrenten Gabius: „Arne hat gleich Druck gemacht und das Tempo hochgehalten. Nach fünf Kilometern und einer Tempoverschärfung wurden aus acht Leuten noch vier oder fünf an der Spitze und später drei oder vier. Einen Kilometer vor dem Ziel waren wir noch zu dritt. Es war ganz gut, dass es den Berg runter in der Altstadt etwas eng war, da konnte man nicht so leicht überholen. Ich hatte den Schwung, wusste aber nicht, ob es reicht. Ich wollte mich aber auch nicht umdrehen, denn das bedeutet, dass man nicht mehr kann. Auf der Zielgeraden habe ich nochmals richtig aufgedreht“, kommentierte der gebürtige Freiburger seinen Siegerlauf.

Schon am Neujahrstag ging es für den 27-Jährigen Bahnspezialisten sportlich weiter. Er setzte in einer Halle in Mannheim sein Trainingspensum fort.

Gut vertreten auf der Strecke entlang der Enz, vorbei an den Sportstätten im Ellental, durch den Bürgergarten und die Altstadt war der verhinderte Seriensieger Boch durch seinen Teamkameraden Hille aus Regensburg, der bei seiner Bietigheim-Premiere auf Rang sechs landete hinter Junghanß aus Erfurt und Eisele von der LG Filder.