Handball Konditioneller Härtetest in Leipzig

Bietigheim-Bissingen / bg 04.09.2018

Nach zwei Niederlagen zum Auftakt der Handball-Bundesliga wartet der erste konditionelle Härtetest auf die SG BBM Bietigheim. Nur 48 Stunden nach der ersten Heimpartie gegen die MT Melsungen (24:33) muss der Aufsteiger an diesem Dienstag (19 Uhr) beim ebenfalls noch punktlosen SC DHfK Leipzig antreten. Zumindest in punkto Regeneration ist die Chancengleichheit zwischen beiden Teams an diesem dritten Spieltag in etwa gewahrt. Auch Leipzig war am Sonntag beim SC Magdeburg gefordert und unterlag im Ostduell deutlich mit 20:28. Jetzt sollen vor dem Heimpublikum in der Arena Leipzig gegen den Aufsteiger die ersten Punkte her. Die SG BBM hofft erneut auf eine Außenseiterchance.

Keiner dürfte im Vorfeld der Partie in der größten Stadt Sachsens unglücklicher sein als Max Emanuel. Der Linkshänder, der im Aufstiegsjahr eine herausragende Saison bei der SG BBM spielte, stammt aus Schkeuditz vor den Toren Leipzigs. Der 24-Jährige war in jungen Jahren in Leipzig aktiv, ehe er 2015 ins Schwabenland wechselte. „Ich habe bestimmt über 50 Karten an Freunde und Verwandte verkauft“, freute sich Emanuel schon vor Wochen auf die Partie. Für ihn wäre es ein besonderes Handballspiel geworden. Doch der frühere Junioren-Nationalspieler wird von der Tribüne aus verfolgen, wie sein Team sich in der Arena Leipzig schlägt. Mit hartnäckigen Rückenbeschwerden verpasste der Rückraumrechte die komplette Saisonvorbereitung. Immerhin ein Lichtblick: Nachdem die Behandlung endlich angeschlagen hat, soll Emanuel noch in dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können.

Leipzig hat Verletzungsprobleme

Indes verläuft der Saisonstart für die Truppe von Leipzig-Chefcoach Michael Biegler alles andere als optimal. Den 57-Jährigen, der bereits seit 1985 als Handballtrainer tätig ist, kennen viele noch als Frauen-Bundestrainer. In dieser Funktion schaute er im vergangenen Jahr wiederholt auch in der Bietigheimer Viadukthalle vorbei. Nach der WM im eigenen Land übernahm er wieder einen Trainerposten in der Männer-Bundesliga und kehrte zum SC DHfK Leipzig zurück, den er schon 2013 übergangsweise in der Zweiten Liga betreut hatte.

Leipzig hat zum Saisonbeginn mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Mit Lucas Kzikalla, Gregor Remke, Andreas Rojewski sind drei Linkshänder langzeitverletzt. Zudem verletzte sich Kapitän und Torwart Jens Vortmann kurz vor dem Saisonauftakt am Kreuzband. Für ihn verpflichtete Leipzig kurzfristig mit dem Dänen René Villadsen einen qualitativ hochwertigen Ersatzmann. In dem Slowaken Milos Putera besitzt Leipzig zudem einen starken zweiten Mann auf der Torhüterposition.

Die bittere Quittung für die Verletzungsprobleme war eine knappe 26:27-Heimniederlage zum Auftakt gegen den TVB Stuttgart. Am Sonntag folgte erneut ersatzgeschwächt eine deutliche 20:28-Niederlage beim favorisierten SC Magdeburg. Leipzigs Trainer setzt in dieser Situation Prioritäten: „Das Heimspiel gegen Bietigheim ist für uns das wichtigere Spiel“, wird er nach dem Ostderby zitiert.

Im SC-Kader steckt viel Qualität

Die Qualität spricht trotz der Verletzungsthematik am Dienstag für die Gastgeber, die sich nach ihrem Aufstieg 2015 auf Anhieb in der Bundesliga etablieren konnten und die vergangene Saison als Tabellenachter abschlossen. Der Kader wurde mit Linksaußen Raul Santos (THW Kiel), Kreisläufer Maciej Gebala (Wisla Plock) und Rechtsaußen Patrick Wiesmach Larsen (Aalborg Handbol) weiter verstärkt. Im Team stehen mit Phillip Weber, dem Bundesliga-Torschützenkönig von 2017, und Niclas Pieczkowski zwei aktuelle deutsche Nationalspieler. Aber die Hintermannschaft der SG BBM wird beispielsweise auch auf den Franz Semper im rechten Rückraum oder den gegen Magdeburg erfolgreichsten Werfer Alen Milosevic am Kreis aufpassen müssen.

Belastungssteuerung war auch für Ralf Bader vor der englischen Woche ein großes Thema. Dank des großen Kaders des Aufsteigers kann der eine oder andere in Leipzig womöglich eine andere Rolle übernehmen als noch gegen Melsungen. „Wir müssen schauen, wie die hochbelasteten Spieler regenerieren können“, sagt Bader und denkt dabei vermutlich in erster Linie an Robin Haller, Jonas Link oder Kapitän Patrick Rentschler, die in den bisherigen Spielen überzeugen konnten und entsprechende Spielzeiten aufweisen. „Wir werden schauen, dass wir am Montag taktisch noch etwas tun“, ergänzt Coach Bader.

Dass die Aufgabe in der Sachsen-Metropole nicht einfach wird, davon ist der langjährige Pfullinger und Neuhausener Erstliga-Spieler überzeugt: „Nach den zwei Niederlagen wird Leipzig vor heimischem Publikum sicher etwas zeigen wollen.“ Gleichwohl will sein Team auf seine Chance lauern. Bader: „Wenn sich eine Tür öffnet, dann wollen wir einen Fuß drin haben.“

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