Zwei Spieltage stehen in der Handball-Bundesliga noch an und es sieht alles danach aus, als ob es am letzten Spieltag zu einem Endspiel um den Klassenerhalt in der Bietigheimer EgeTrans-Arena zwischen der SG BBM Bietigheim und dem VfL Gummersbach kommt. Mit einem dramatischen 25:23-Sieg gegen den TBV Lemgo Lippe zog das Team von Trainer Hannes Jon Jonsson mit dem Konkurrenten aus dem Oberbergischen nach Punkten gleich. Nun trennt die beiden Abstiegskandidaten nur noch die Tordifferenz, die allerdings mit einem Plus von 20 klar für den VfL spricht.

Dass Lemgos Trainer Florian Kehrmann kein guter Verlierer ist, ist in der Handballszene bekannt. Nach der Niederlage in Bietigheim lehnte er sich allerdings ein wenig weit aus dem Fenster, als er meinte, dass das Schiedsrichtergespann Martin Thöne und Marijo Zupanovic in der Schlussphase zu Gunsten der SG BBM eingegriffen habe. „Da haben die Schiedsrichter ein Offensivfoul gegen uns gegeben, das sie das ganze Spiel noch nicht gepfiffen haben“, ätzte Kehrmann. Aber genau da lag das Problem. Denn es gab durchaus drei, vier Szenen, vor allem in der ersten Hälfte, in denen man durchaus auch auf Offensivfoul von Lemgo anstatt auf Abwehr durch den Kreis und Siebenmeter entscheiden hätte können.

Kehrmann konnte auch von Glück sagen, dass sein bester Werfer, der gebürtige Ludwigsburger und ehemalige Bietigheimer Patrick Zieker, nach der 25. Minute überhaupt noch auf die Platte durfte. Denn bei einem Bietigheimer Tempogegenstoß foulte er Patrick Rentschler heftig. Der SG-Kapitän nahm ihn allerdings in Schutz: „Paddy hat mir gesagt, dass es keine Absicht war. Von daher ist es in Ordnung.“

Ob Zieker ganz vom Feld gemusst hätte oder ob die zwei-Minuten-Strafe ausreichend war, spielte in der ersten Hälfte auch noch keine tragende Rolle. Denn die SG BBM spielte einfach so auf, wie man es von einer Mannschaft erwartet, die um ihre letzte Chance kämpft. Jonsson hatte seine Jungs gut eingestellt. Sie agierten bissig und griffig und setzten seine Marschroute so gut um, dass sie fast die gesamte erste Hälfte führten. Lediglich in der Anfangsphase bis zum 4:4 konnte der TBV immer wieder ausgleichen. Dann setzten sich die Gastgeber leicht ab – auch weil Domenico Ebner unter anderem einen Siebenmeter von Tim Hornke parierte. Lemgo kam nur noch zum 7:8 relativ nahe heran. 45 Sekunden vor der Pause traf der sehr starke Dominik Claus zum 13:10-Halbzeitstand. Mit der Sirene scheiterte noch Fabian van Olphen aus allerdings schlechter Position an Ebner und Vetle Rönningen kassierte seine zweite Zeitstrafe.

Obwohl sie die zweite Hälfte in Unterzahl beginnen musste und Lemgo Anwurf hatte, hielt die SG BBM insgesamt die Führung, baute sie sogar auf 16:12 aus. Der vier-Tore-Vorsprung hielt bis zum 19:15, ehe sich die Gastgeber zunächst einen einfachen Ballverlust leisteten und dann Michael „Mimi“ Kraus an TBV-Schlussmann Peter Johannesson scheiterte. Die Gäste nutzten die Gelegenheit, um auf 17:19 zu verkürzen. Kraus traf zwar noch zum 20:17, doch danach gelang der Jonsson-Truppe nur noch ein Treffer in den folgenden fast acht Minuten.

So ging Lemgo mit 22:21 erstmals in der Partie überhaupt in Führung. Claus glich aber postwendend aus. Und nun wurde es dramatisch. Beide Seiten ließen Chancen liegen. Jürgen „Krake“ Müller, der inzwischen zwischen den Bietigheimer Pfosten stand, zeigte zwei überragende Paraden. Unter anderem gegen einen Siebenmeter von Christoph Theuerkauf. Auf der anderen Seite traf Christian Schäfer von der Siebenmeterlinie – 23:22.

„Mimi“ Kraus fällt aus

Kurz zuvor hatte sich „Mimi“ Kraus bei einer Offensivaktion an den linken Oberschenkel gegriffen. Für ihn war die Partie nach einem Muskelfaserriss vorzeitig beendet.  Doch seine Teamkameraden wollten den Sieg unbedingt, steckten den erneuten Ausgleich durch Zieker weg und gingen nach einer letzten Auszeit eineinhalb Minuten vor Schluss erneut in Führung.  Dann das von Kehrmann monierte Offensivfoul. Rentschler nutzte den Ballgewinn und machte 24 Sekunden vor Schluss vor 2400 ohrenbetäubend lauten Fans alles klar. „Wir müssen keinen schönen Handball liefern. Das Wort Abstiegskampf sagt schon alles“, fasste der erleichterte Sportdirektor Jochen Zürn die Partie zusammen.