Handball Jonssons Trainer-Einstand endet mit einer Heimpleite

Bietigheim-Bissingen / Andreas Eberle 11.02.2019

Er sprüht vor Ideen, ist fachlich fit, kann mitreißen und brennt für seine neue Aufgabe – aber ein Wunderheiler ist Hannes Jon Jonsson nicht. In seinem ersten Spiel als Trainer der SG BBM Bietigheim kassierte der 38-jährige Isländer mit seiner neuen Mannschaft am Sonntag gegen den SC DHfK Leipzig eine 15:24-Heimpleite – nach einer ansprechenden ersten Hälfte und einem Einbruch im zweiten Spielabschnitt.

Vor den 2913 Zuschauern in der EgeTrans-Arena wurde dem Bundesliga-Aufsteiger seine Abschlussschwäche zum Verhängnis. 15 erzielte Treffer bedeuten Minusrekord in der laufenden Spielzeit. Dieses Manko konnten auch die starke Abwehr und das gut aufgelegte Torhüter-Duo Domenico Ebner und Jürgen Müller nicht mehr wettmachen.

Emotionale Ansprache

Zur Vorbereitung hatte Jonsson, der Nachfolger des entlassenen Ralf Bader, nur drei Trainingseinheiten mit dem Team zur Verfügung. „Er hat uns vor allem auf der emotionalen Schiene angesprochen und uns vermittelt, dass wir Spaß an der Sache haben und immer Vollgas geben sollen“, erzählte Torhüter Müller – und bat, auch im Namen seines neuen Coaches, um Geduld: „In so kurzer Zeit kann ein Trainer noch nicht seine Philosophie auf eine Mannschaft übertragen und seine Handschrift hinterlassen. Aber das wird kommen.“

Die Leipziger Fans durften hingegen einen Schlachtruf brüllen, den sie wohl fast schon vergessen hatten. „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ tönte es aus ihrem Block. Denn der deutliche Erfolg im Ellental war das erste Erfolgserlebnis in dieser Runde in fremder Halle. Zuvor war bei neun Gastspielen nur ein Zähler herausgesprungen: Am fünften Spieltag holte der SC DHfK ein 24:24 bei den Rhein-Neckar Löwen. Der letzte Auswärtstriumph ereignete sich am 10. Mai 2018 und stammte noch aus der Vorsaison: ein 22:17 beim späteren Absteiger TuS N-Lübbecke. „Wir hüpfen jetzt aber nicht fröhlich aus der Halle. Das kann nur der Auftakt sein“, betonte Karsten Günther, Leipzigs Geschäftsführer.

Verlassen konnten sich die Gäste auf den deutschen Nationalspieler Philipp Weber, der mit acht Treffern zum Topwerfer des Nachmittags avancierte. Ansonsten hatte die Deckung der SG BBM den gegnerischen Angriff aber bestens im Griff. In Durchgang eins lieferte sich der Tabellenvorletzte mit dem Viertletzten aus Sachsen ein packendes Kellerduell. Beide Abwehrverbünde machten einen exzellenten Job, was auch für die Torhüter Ebner und Milos Putera galt. Bietigheim lag zwar nie selbst in Führung, blieb aber stets in Reichweite. Nach einem 9:9-Zwischenstand musste die Spielgemeinschaft kurz vor der Pause noch zwei Gegentreffer zum 9:11 schlucken, aber alles schien möglich. „Wir sind mit einem guten Gefühl in die Kabine gegangen“, bekräftigte Müller später.

Nur vier Feldtore nach der Pause

Doch in der zweiten Hälfte glitt dem Aufsteiger die Heimpartie völlig aus den Händen. Die in der ersten Hälfte schon schlechte Trefferquote wurde sogar noch schlechter, was sich in nur sechs erzielten Toren nach der Pause manifestierte, darunter zwei per Siebenmeter. Zwischen der 47. und der 59. Minute gingen die Jonsson-Schützlinge sogar völlig leer aus. So hatte Leipzig leichtes Spiel, einen lockeren Sieg herauszuwerfen. „Wir hatten viele einfache Fehlwürfe, das darf uns nicht passieren“, monierte Müller, der in der 42. Minute Ebner zwischen den Pfosten ablöste und einige grandiose Paraden zeigte.

Der Leistungsabfall und die gleich zwölf Fahrkarten in der zweiten Hälfte missfielen auch Jonsson. „Der Fitnesszustand könnte besser sein“, konstatierte der Isländer, gab sich aber im nächsten Moment gleich wieder kämpferisch: „Ich freue mich auf meine Aufgabe hier und bin zuversichtlich, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Es wird Höhen und Tiefen geben. Wichtig ist, den Kopf hochzuhalten und immer Gas zu geben.“ Die nächste Gelegenheit dazu haben die Bietigheimer am nächsten Sonntag (16 Uhr) im Duell beim Tabellensechsten MT Melsungen.

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