Nach neun Spielzeiten beim SGV Freiberg schließt sich Spetim Muzliukaj zur neuen Oberliga-Saison dem Erzrivalen FSV 08 Bissingen an. Über seine Beweggründe und die neue Herausforderung spricht der 31-jährige Mittelstürmer im Telefon-Interview mit der BZ.

Vor einer Woche hat der SGV Freiberg öffentlich verkündet, dass Ihr Vertrag nicht verlängert wird. Wie sehr hat Sie diese Entscheidung gewurmt?

Spetim Muzliukaj: Das habe ich schon auf Facebook kommentiert. Ganz so, wie es der SGV dargestellt hat, stimmt das nämlich nicht. Es war nicht so, dass ich keinen Vertrag mehr bekommen habe. Vielmehr war frühzeitig klar, dass ich nicht über die Saison hinaus in Freiberg bleiben werde. Schon im Dezember, Januar hatte ich dem Verein mitgeteilt, dass ich mir eine neue Herausforderung suchen werde. Darum hat mich der Inhalt der Mitteilung auch so gewurmt. Aber ich bin nicht nachtragend. Ich will über den SGV nichts Schlechtes sagen, denn ich hatte in Freiberg neun schöne Jahre.

Was war für Sie das größte Erlebnis während Ihrer Zeit am Wasen?

Es gab sehr viele schöne Momente. Wir haben in der Oberliga zwei-, dreimal fast bis zum Saisonende um den Aufstieg mitgespielt. Zweimal haben wir in dieser Zeit Großaspach im WFV-Pokal rausgehauen und sind ins Halbfinale eingezogen – und da habe ich jeweils auch getroffen. Und auch die beiden sofortigen Wiederaufstiege in die Oberliga waren toll.

Wieso zieht es Sie jetzt ausgerechnet zum Erzrivalen FSV 08?

Als sich „Alfo“ (Anm. d. Red.: 08-Trainer Alfonso Garcia) und Oli (der Sportliche Leiter Oliver Dense) bei mir gemeldet haben, war mir klar: Wenn du eine neue Herausforderung willst, passt Bissingen perfekt. Das ist eine junge, hungrige Mannschaft. Ich kann mir da noch mal alles abverlangen – und der Verein liegt nicht weit entfernt von mir daheim, meiner Familie und dem Arbeitsplatz in Möglingen. Zum Sportplatz und ins Training fahre ich gerade mal zehn Minuten. Das ganze Paket passt.

Wie kam die Kontaktaufnahme zustande?

Ich bin schon seit Januar mit „Alfo“ in Kontakt. Er hat mir gesagt, dass ich in den Bissinger Planungen eine wichtige Rolle spiele. Ende Februar habe ich mich mit Oli getroffen und wir haben uns ausgetauscht. Dann kam aber Corona dazwischen. In den vergangenen Tagen haben wir den Wechsel dann fix gemacht. Darum habe ich auch gar nicht die vielen Spekulationen in letzter Zeit um meine Person verstanden.

Auf was freuen Sie sich in Bissingen am meisten?

Der Platz dort liegt mir irgendwie. Ich finde, dass die Zuschauer immer nah am Geschehen dran sein müssen und du als Spieler die Atmosphäre spüren musst. In Freiberg hast du das nicht. Dort gibt es die Tartanbahn, die Zuschauer sind weit weg, und man hört sie auch nicht. Außerdem kenne ich viele Jungs, die jetzt für Bissingen spielen, aus früheren Freiberger Zeiten wie Marius Kunde oder „Ricci“ Gorgoglione. Ich freue mich brutal auf die Aufgabe – und natürlich auch auf die beiden Duelle gegen Freiberg.

Auffällig ist, dass seit Jahren viele Fußballer mit einer SGV-Vergangenheit an den Bissinger Bruchwald wechseln. Haben Sie eine Erklärung für diesen Einbahnstraße-Verkehr?

Die Spieler, die von Freiberg nach Bissingen gekommen sind, haben dort alle voll eingeschlagen. Insofern hat der FSV 08 alles richtig gemacht – und man kann sich schon fragen, warum der SGV diese Spieler weggeschickt hat.

Was haben Sie sich für die Saison 2020/21 vorgenommen?

Als erstes will ich topfit sein. Ich will der Mannschaft helfen. Über Ziele werden wir intern noch sprechen, aber wir wollen sicher das Bestmögliche herausholen.

Sie sind 31. Wie lange wollen Sie noch auf diesem Niveau spielen?

Mein Geburtsdatum sagt, dass ich 31 bin. Aber wer mich sieht, schätzt mich auf 25 oder 26. Was das Alter angeht, bin ich glaube ich fünf, sechs Jahre hinterher. Nach meinem Kreuzbandriss 2017 hätte ich nicht gedacht, dass ich wieder so zurückkomme und absolut schmerzfrei bin. Ich fühle mich super, bin beschwerdefrei und hungrig – und brenne schon jetzt auf die Zeit in Bissingen.