Bietigheim-Bissingen / Bernhard Gaus  Uhr

Im Fernduell um den Klassenerhalt zwischen der SG BBM Bietigheim und dem VfL Gummersbach hat der Tabellenvorletzte die schwerere Aufgabe. Die Schwaben müssen am Mittwoch (18.30 Uhr) beim Tabellendritten SC Magdeburg ran, während zeitgleich Gummersbach zu Hause Frisch Auf Göppingen erwartet. Der vorletzte Spieltag der Handball-Bundesliga wird sowohl zur Meisterfrage wie zum Thema Abstieg einige Antworten bringen.

Ohne viel über die Konstellation am Tabellenende nachzudenken, gilt es jetzt auch in Magdeburg das auf die Platte zu bringen, was den Aufsteiger in den letzten Partien ausgezeichnet hat. Die Mannschaft kommt den Vorstellungen, die Trainer Hannes Jon Jonsson vom Abstiegskampf hat, immer näher: eine stabile Abwehr stellen, um jeden Ball kämpfen, vorne wenige einfache Fehler machen – und dennoch den Kopf oben behalten. Der Lohn: fünf Punkte aus den letzten drei Heimbegegnungen. Die Strategie in Magdeburg ist so einfach wie das eigene Spielkonzept: möglichst lange dranbleiben am haushohen Favoriten.

Ab sofort muss das allerdings ohne Michael „Mimi“ Kraus funktionieren. Der Routinier wird nach seiner Oberschenkelverletzung aus dem Spiel gegen Lemgo in den restlichen beiden Partien nicht mitwirken können. Während Jonsson mit der Abwehrleistung zuletzt zufrieden sein konnte, müssen die Schwaben jetzt im Angriffsspiel in kürzester Zeit andere Lösungen finden. Die Spielidee war bislang sehr auf den 35-jährigen Spielmacher zugeschnitten. „Wir werden den Ausfall kompensieren. Wir haben genügend Spieler im Kader“, sagt Jonsson wohl auch in Richtung seiner Spieler. Vielleicht denkt er da an Robin Haller, den hinter Kraus zweitältesten Akteur. Der Routinier war gegen Lemgo in der Schlussphase auf der Platte. Oder an den wiedererstarkten rechten Rückraum und einen erneuten Sahnetag von Dominik Claus und Max Emanuel. Für den verletzten Ex-Weltmeister Kraus wird in Magdeburg mit Youngster Nikola Vlahovic ein weiterer Rückraumspieler in den Kader zurückkehren.

Der heimstarke SC Magdeburg rüstet indes für ein großes Saisonfinale. Im letzten Heimspiel wird mit einer mit 6600 Zuschauern ausverkauften Getec-Arena gerechnet, Spieler wie Rechtsaußen Robert Weber, Torsteher Dario Quenstedt oder der Däne Mads Christiansen werden verabschiedet. Sportlich geht es im Fernduell mit den Rhein-Neckar Löwen um den – allerdings weitgehend bedeutungslosen – Kampf um den dritten Platz in der Abschlusstabelle.

Die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert hat mit Linksaußen Matthias Musche den aktuell erfolgreichsten Torschützen der Liga in ihren Reihen. Der deutsche Nationalspieler erzielte bislang 248 Tore, davon 96 von der Siebenmeterlinie. Der flinke Flügelspieler und Michael Damgaard im linken Rückraum (133 Saisontore) waren auch die erfolgreichsten Magdeburger Torschützen beim 33:29-Erfolg Mitte November in der EgeTrans-Arena. Bei der SG konnten sich im Hinspiel insbesondere die siebenfachen Torschützen Patrick Rentschler und Jonas Link in Szene setzen. Es sind intensive Tage für den Aufsteiger, der mit nur vier Tagen Vorbereitung und der Anreise in den Knochen in Magdeburg versuchen muss, diese Prüfung zu bestehen.

SG BBM hofft auf Göppinger Schützenhilfe

Ex-Trainer Hartmut Mayerhoffer und der frühere SG-Rechtsaußen Marco Rentschler haben zuletzt viele Anrufe und Mitteilungen aus dem Bietigheimer Lager erhalten – mit der Bitte um Schützenhilfe aus Göppingen. Denn Frisch Auf spielt am Mittwoch beim punktgleichen Bietigheimer Abstiegsrivalen VfL Gummersbach – und die SG BBM hätte bei einem Sieg von Frisch Auf im Bergischen Land weiterhin die Chance, den Klassenerhalt am letzten Spieltag noch aus eigener Kraft zu schaffen. „Allein aus eigenem Interesse wollen wir das Spiel gewinnen – aber wir haben natürlich das große Interesse, dass Bietigheim in der Liga bleibt“, sagt Mayerhoffer. ae