Turnen Hochspannung bis zum letzten Gerät

Der MTV Stuttgart holte sich  – hier mit Lara-Marie Hinsberger am Sprung – den zehnten deutschen Meistertitel in Folge.
Der MTV Stuttgart holte sich  – hier mit Lara-Marie Hinsberger am Sprung – den zehnten deutschen Meistertitel in Folge. © Foto: Hansjürgen Britsch
Patrick Nägele 03.12.2018

Das Finale um die Mannschaftsmeisterschaft in der Deutschen Turnliga (DTL) konnte bei den Männern kaum spannender sein. Erst mit dem letzten Duell am Reck entschied die KTV Obere Lahn den Wettkampf gegen die KTV Straubenhardt. Bei den Frauen gewann der MTV Stuttgart deutlich und holte den zehnten Titel.

Es war nur zweimal wirklich mucksmäuschenstill am Samstag in der Ludwigsburger MHP-Arena. Das war, als Ivan Rittschik (Straubenhardt) und Andrey Likhovitskiy (Obere Lahn) an das Königsgerät Reck schritten. Nach 46 Turnern an sechs Geräten stand es 34:34-Unentschieden nach Scorepunkten, die letzten beiden Übungen des Tages sollte über Sieg oder Niederlage entscheiden. Likhovitskiy, der weißrussische Turner der Mittelhessen erhielt von den Kampfrichtern 13,9 Punkte, Rittschik hatte mit 13,4 Punkten das Nachsehen. Aufgrund der Differenz erhielt Obere Lahn zwei Scorepunkte und gewann das Finale um den Mannschaftsmeistertitel mit 36:34.

Turner der Spitzenklasse

Die KTV aus dem Lahntal galt im Finale als Außenseiter, Straubenhardt gewann die letzten drei Jahre in Serie. In beiden Teams turnen sowohl nationale als auch internationale Turnstars. Für den Titelverteidiger aus dem Enzkreis trat in Ludwigsburg unter anderem der aktuelle deutsche Mehrkampfmeister und zweimalige Olympiasilbergewinner Marcel Nguyen an. Andreas Bretschneider konnte seinem Team nicht an den Geräten helfen, er riss sich im September die Achillessehne. Die KTV Obere Lahn reiste mit WM-Barrenfinalist Lukas Dauser und den beiden Gastturnern Artur Davtyan (Armenien) und eben Likhovitskiy an. 

Beide Teams begannen nervös und die Turner leisteten sich Stürze am Boden und Pauschenpferd. Straubenhardt gelang der bessere Start mit Siegen am Boden (7:1)  und am Pferd (9:8). An den Ringen schlugen die Hessen zurück, durch das 10:3 ging es mit 19:19 in die Halbzeitpause.

Bis dahin hatten die Zuschauer in der Halle schon einiges zu bestaunen, besonders begeisterte Nick Klessing (Obere Lahn) mit einem dreifach Salto an den Ringen. Nach dem Sprung (6:3) lagen die Hessen erstmals in Führung. Straubenhardt glich nach dem Barren (9:6) aber wieder aus. Das Reck begann zunächst mit einem Unentschieden. Dann verlor Nguyen sein Duell gegen Fabian Lotz, Belyavskiy – mit 18 Punkten Topscorer des Wettkampfes – glich gegen Dauser wieder aus.

Ohrenbetäubendes Geschrei

Rittschik musste im Duell gegen Likhovitskiy vorlegen und riskierte mit spektakulären Flugteilen alles. Likhovitskiy, Olympiasteilnehmer 2016, hielt an seinem Lieblingsgerät dagegen und turnte eine Übung mit demselben Schwierigkeitswert wie zuvor Rittschik. Die Kampfrichter zogen dem Weißrussen allerdings einen halben Punkt weniger ab, was zum Erfolg der Hessen und ohrenbetäubendem Geschrei führte. Die KTV Obere Lahn verabschiedet sich mit dem ersten Titel der Vereinsgeschichte aus der DTL. Der Verein zieht die erste Mannschaft ab dem kommenden Jahr aus dem Ligabetrieb zurück, da der Aufwand zu groß ist.

Das Finale der Frauen zuvor dominierte der MTV Stuttgart. Mit 207,5 Punkten gewannen die Schwäbinnen ihren zehnten Titel in Folge vor der TG Karlsruhe-Söllingen (192,3). Mit Elisabeth Seitz, Kim Bui, Carina Kröll (beide Stuttgart), Leah Grießer (Karlsruhe-Söllingen) und Sarah Voss (Köln) starteten fünf der sechs Turnerinnen des deutschen WM-Kaders. Seitz war die überragende Turnerin im Finale und sammelte 53,2 Punkte im Mehrkampf – keine andere kam über 50 Punkte. Dabei konnte sie sich auch einen Sturz an ihrem Paradegerät Stufenbarren leisten.

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