Das Handball-Trikot von Robin Haller mit der Nummer zwei ist das einzige, das unter dem Hallendach der EgeTrans-Arena hängt – als besondere Würdigung für seine Verdienste um die SG BBM Bietigheim. Zwölf Jahre lang hatte der 33-jährige Rückraum-Shooter selbst für den Verein gespielt. Am Samstagabend stand er nun den früheren Teamkollegen erstmals als Gegner gegenüber – im Dress des Mitabsteigers VfL Gummersbach. „Es war ein ganz komisches Gefühl“, gab Haller später im Gespräch mit der BZ zu. „Vor dem Spiel habe ich an der Bietigheimer Kabine sogar kurz gedacht: Gehe ich jetzt da rein?“

Herzlich war der Applaus von den Rängen, als sein Name bei der Mannschaftsaufstellung der Gäste genannt wurde. Das Spiel selbst verlief für Haller dann alles andere als erfreulich. VfL-Trainer Torge Greve setzte ihn in der ersten und zweiten Hälfte sporadisch bei Gummersbacher Ballbesitz im linken Rückraum ein. Ein Tor erzielte Haller aber nicht, dafür standen am Ende vier Fehlwürfe neben seinem Namen in der Statistik. Und als ein Haller- Wurf in der siebten Minute tatsächlich mal im Netz landete, gaben die Schiedsrichterinnen Tanja Kuttler und Maike Merz den Treffer nicht, weil sie die Partie bereits unterbrochen hatten.

„Ich bin sauer und etwas angepisst“, machte Haller mit Blick auf die verkorkste Vorstellung aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Heute hatte ich keinen guten Tag. Ich kann das besser“, sagte er selbstkritisch. Sogar im Bietigheimer Lager hätte man dem Rückkehrer einen besseren Auftritt an der alten Wirkungsstätte gegönnt. „Schade für Robin, dass er keinen Treffer gemacht hat. Wir kennen ihn aber halt gut und haben uns gut auf ihn eingestellt“, sagte SG-Talent Nikola Vlahovic.

Erst seit drei Wochen ist Haller wieder fit und für Gummersbach im Einsatz. Davor hatte er mit einem Sehnenanriss im Oberschenkel sechs Wochen lang gefehlt. Auch wenn er im Ellental viele bekannte Gesichter gesehen habe, sei bei ihm keine große Nostalgie aufgekommen. Stattdessen versuchte Haller, ganz Profi, das Duell mit dem Ex-Klub als eines wie jedes andere zu betrachten – und dachte in erster Linie an die Ambitionen des eigenen Vereins. „Ich spiele jetzt für den VfL, und heute ging es für uns eben gegen Bietigheim. Wir hätten gerne die zwei Punkte mitgenommen, denn wir wollten auf die vorderen Teams Druck machen“, so der Rechtshänder.

Sowohl für die mitgereisten Gummersbacher Fans als auch für SG-Anhänger nahm er sich nach der Begegnung viel Zeit. Die Rückfahrt mit dem VfL-Mannschaftsbus fand sowieso ohne Haller statt. Denn der ehemalige Jugendnationalspieler durfte einen Tag länger im Schwabenland bleiben – und tauschte sich an der Theke des VIP-Raums noch lang mit dem früheren Bietigheimer Kapitän Christian Heuberger aus. Erst am Sonntag fuhr Haller ins Bergische Land zurück. Schließlich steht für ihn an diesem Montagmorgen bereits das nächste Training auf dem Programm.

Sein Vertrag beim VfL läuft noch bis 2021. In Gummersbach habe er sich gut eingelebt, berichtete Haller, der in einer Zwei-Zimmer-Einliegerwohnung nur zwei Kilometer von der Schwalbe-Arena und eineinhalb vom Stadtzentrum entfernt wohnt. Die beiden Zweitliga-Standorte seien vergleichbar, so Haller. Der Hauptunterschied liegt aus seiner Sicht in der Witterung: „In Gummersbach regnet es häufiger als in Bietigheim, das Wetter ist trüber und nebliger. Aber daran gewöhnt man sich.“