Es kommt selten vor, dass sich ein Trainer beim eigenen Publikum entschuldigt. Doch genau dies tat Hannes Jon Jonsson vor zwölf Tagen nach der 18:27-Auftaktpleite der SG BBM Bietigheim gegen den ASV Hamm-Westfalen. „Das hat uns allen sehr leidgetan. Dass wir uns da aufgegeben haben, ist nicht zu akzeptieren. Das sehen die Spieler genauso“, sagt der 39-jährige Isländer. Vor der zweiten Heimpartie in der noch jungen Zweitliga-Saison an diesem Freitag (19.30 Uhr) in der EgeTrans-Arena gegen Tusem Essen gelobt Jonsson Besserung. „Wir wollen und wir werden ganz anders auftreten als gegen Hamm“, verspricht er.

Immerhin zwei Zähler hat der Bundesliga-Absteiger dank des schwer erkämpften 25:23-Erfolgs beim Aufsteiger HSG Konstanz bereits im Sack. Doch wie schon gegen Hamm ließ am Bodensee erneut die Offensivleistung zu wünschen übrig, was auch Jonsson anprangert: „Im Angriff haben wir noch nicht unseren Flow gefunden. Da müssen wir uns gegen Essen steigern.“

Die Bietigheimer Torflaute hing wohl auch damit zusammen, dass Michael „Mimi“ Kraus kurzfristig mit einem Faserriss im Oberschenkel ausgefallen war. Ob der Weltmeister von 2007 nun gegen Tusem wieder mitwirkt, ist noch offen. Am Mittwoch trainierte er immerhin rund 40 Minuten mit. Jonsson will allerdings nichts überstürzen. „Es wäre dumm, wenn wir ein Risiko eingehen würden, gerade zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison.“

Sollte Kraus ausfallen, rückt wie in Konstanz Vetle Rönningen zu Spielmacher Jonas Link und Tim Dahlhaus in die erste Rückraum-Formation. Da der 21-jährige Norweger aber auch im Innenblock gefordert ist, will Jonsson dessen Spielzeit gut dosieren – und da kommt ihm zupass, dass er einen breiten Kader hat und, abgesehen von Kraus, alle Spieler fit sind. Dies gilt auch wieder für Link und Rönningen, die am Montag und Dienstag noch leicht angeschlagen waren und deshalb mit dem Training aussetzten.

Trotz der durchwachsenen Vorstellung beim ersten Saisonsieg in Konstanz hat der Coach dort auch Positives registriert: „Kampf und Einstellung waren völlig in Ordnung. Die Köpfe sind nie runtergegangen, selbst beim 0:5-Rückstand nicht.“

Tusem zählt zum Favoritenkreis

Mit Essen wartet auf sein Team jetzt aber ein völlig anderes Kaliber. Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet, der zu seinen Glanzzeiten je dreimal Deutscher Meister und Pokalsieger war, zählt wie Hamm zum Kreis der Aufstiegskandidaten. Auch sonst sieht Jonsson mehrere Parallelen zwischen dem Auftaktgegner und Tusem: „Essen spielt ebenfalls schon lange so zusammen und ist eingespielt. Die Mannschaft ist im Rückraum sehr variabel und auf allen Positionen stark besetzt – und nicht abhängig von nur zwei Spielern“, analysiert der Coach den Gegner und spricht von einer „Riesenherausforderung“.

Mit 3:1 Zählern sind die Gäste vielversprechend in die Runde gestartet. Am ersten Spieltag holten sie ein 25:25 beim Bietigheimer Mitabsteiger VfL Gummersbach. Vor einer Woche überrollte Essen dann den TuS Ferndorf in der heimischen Sporthalle Am Hallo mit 35:22. Dabei glänzte Linksaußen Tom Skroblien mit 13 Treffern, darunter acht verwandelten Siebenmetern. Die Rückraum-Größen Dennis Szczesny und Lucas Firnhaber waren weitere Aktivposten. Das Duo trug elf Tore zum ersten Essener Saisonerfolg bei.

Der Tusem-Tross ist bereits am Donnerstag ins Schwabenland gefahren, um eine optimale Vorbereitung zu gewährleisten. „Wir reisen mit viel Rückenwind an und wollen maximal investieren, um die zwei Punkte mit nach Essen zu nehmen“, sagt Gästetrainer Jaron Siewert. Zugleich zeigt er aber großen Respekt vor der SG BBM: „Bietigheim hat viel Erfahrung im Kader und schnelle Leute im Angriff, sodass unsere Abwehr eine starke Leistung bringen muss, damit wir selber in unser Tempospiel kommen.“