Es ist auf dem Papier ein Duell im unteren Mittelfeld der Zweiten Handball-Bundesliga, wenn der TV Emsdetten an diesem Samstag (19 Uhr) die SG BBM Bietigheim erwartet. Auf beiden Seiten steht gerade deshalb einiges auf dem Spiel. Die Schwaben wollen nach der Heimpleite gegen N-Lübbecke wieder Boden gutmachen. Die auf Rang 15 rangierenden Westfalen könnten ihrerseits mit einem Sieg den Bundesliga-Absteiger in der Tabelle überflügeln.

Den Kopf freibekommen

„Die Länderspielpause war gut für uns“, sagt Hannes Jon Jonsson. „Nach dem Spiel gegen Lübbecke haben ein paar freie Tage jedem gut getan“, ist sich der SG-Trainer sicher. Danach stand allerdings intensiviertes Training auf dem Programm, ehe diese Woche wieder in den normalen Spielrhythmus eingeschwenkt wurde. „Wir haben die 22:28-Niederlage gegen Lübbecke ausführlicher als gewöhnlich analysiert“, verrät der Isländer. „Abwehr und Angriff haben wir getrennt verarbeitet, die Dinge deutlich angesprochen und uns im Team auf einige Basics geeinigt“.

Was mit den „Basics“ gemeint ist? Wenn das Spiel nicht gut laufe, dann entwickle sich bei seinen Jungs beispielsweise zu schnell eine Blockadesituation. „Dann werden wir zu statisch im Angriff und verteidigen auf der anderen Seite zu harmlos, verlieren unsere Aggressivität“, so Jonsson. Jetzt, da die Punkte angesprochen sind, sieht der 39-Jährige sein Kollektiv wieder auf Kurs. Der Optimismus ist vor dem Spiel in Emsdetten zurückgekehrt. „Ich spüre das Feuer im Training und den Hunger, wieder einen Erfolg zu erleben“, sagt der Coach. Allein schon die Trainingsbeteiligung scheint ihn zu bestätigen: Alle 19 Spieler des Kaders sind beschwerdefrei bei der Sache.

„Auch wenn der Fokus am Samstag ganz klar auf unserer eigenen Leistung liegt“, so Jonsson, „haben wir uns natürlich mit Emsdetten beschäftigt.“ Denn da gilt es in der Tat vorbereitet zu sein. Der hitzigen Atmosphäre in der Emshalle fiel in dieser Saison schon Bietigheims Mitabsteiger zum Opfer. Der VfL Gummersbach unterlag am achten Spieltag dem TVE mit 25:26. Die Mannschaft von Trainer Daniel Kubes legte am letzten Spieltag gleich einen 30:29-Erfolg beim Aufsteiger HSG Konstanz nach. Nach einem schlechten Saisonstart ist mit den beiden jeweils in letzter Sekunde herausgeworfenen Siegen die Stimmung in Emsdetten momentan bestens.

Das Handball-Ensemble aus dem nördlichen Münsterland präsentierte sich zuletzt ausgesprochen kampfstark. Die Rückraumreihe mit Sven Weßeling und den Neuzugängen Marcel Schliedermann (Eisenach) und Johannes Wasielewski (Dessau-Roßlau) besitzt ordentlich Wurfkraft aus der Distanz. Mit 46 Toren ist der 22-jährige Wasielewski im rechten Rückraum erfolgreichster Feldtorschütze im Team.

Erfahrung an der Seitenlinie

Der 41-jährige Tscheche Kubes trainiert in Doppelfunktion sowohl den westfälischen Zweitligisten als auch das Nationalteam seines Heimatlandes. Als Spieler brachte es der Defensivspezialist auf 289 Begegnungen in der Bundesliga, spielte für Lübbecke, Nordhorn, Lemgo, Kiel und Melsungen. Jonsson, Bietigheims Pendant an der Seitenlinie, erinnert sich an viele Matches gegen Kubes. 2014, nach der ersten und bislang einzigen Spielzeit des TV Emsdetten in der Ersten Liga, übernahm Kubes das Team, es ist seine erste Station als Coach.

Ihren bislang einzigen Sieg in Emsdetten verbuchte die SG BBM in der Aufstiegssaison 2017/18. In der Emshalle feierten die Schwaben beim letzten Kräftemessen einen 34:30-Sieg – ein Erfolgserlebnis, an das die Jonsson-Truppe am Samstag allzu gerne anknüpfen würde.