Bietigheim-Bissingen. Hannes Jon Jonsson war auf 180. Nach der 22:28-Heimniederlage gegen den TuS N-Lübbecke knöpfte sich der isländische Trainer der SG BBM Bietigheim in der Kabine seine Mannschaft vor und redete Tacheles. In der anschließenden Pressekonferenz wiederholte er dann auch öffentlich seine Kritik. „Mit dieser Leistung hätten wir heute in jeder Halle verloren, egal ob daheim oder nicht daheim“, stellte Jonsson ernüchtert fest. Besonders die Führungsspieler bekamen ihr Fett ab. „Man hat nicht gesehen, dass wir im Angriff zwei erfahrene klasse Mittelmänner haben. Was die beiden heute abgeliefert haben, war eine Katastrophe. Sie müssen sich einfach steigern“, sagte der Coach an die Adresse von Jonas Link und Michael Kraus gerichtet.

Die zwei Rückraum-Asse hatten in der Tat einen ganz schlechten Tag erwischt. Allerdings spielte die komplette Mannschaft am Samstag weit unter ihren Möglichkeiten, und so verpasste der Erstliga-Absteiger auch im fünften Anlauf den herbeigesehnten ersten Heimerfolg in dieser Zweitliga-Saison. In den ersten fünf Spielen in der EgeTrans-Arena sprangen nur zwei magere Punkte heraus – für die mit großen Ambitionen in die Runde gestarteten und aktuell nur auf Rang elf stehenden Bietigheimer ein Armutszeugnis. „Heute haben einfach die nötigen fünf bis zehn Prozent gefehlt“, sagte Jonathan Fischer. „Jetzt sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen.“ Der Kreisläufer erzielte nach seiner Einwechslung im zweiten Durchgang vier Tore und war damit der einzige Gewinner an diesem aus Bietigheimer Sicht tristen Handball-Abend. Fischer hatte in den vergangenen beiden Partien gar nicht zum Kader gehört und nutzte seine Chance. „Ich habe mit Wut im Bauch gespielt und wollte dem Trainer zeigen, dass an mir kein Weg vorbeiführt“, meinte der 22-jährige Südbadener.

Bis zur 20. Minute sah es vor den 2030 Zuschauern noch danach aus, als ob die Spielgemeinschaft den Heimfluch endlich bannen könnte. Nach einer starken Auftaktphase führte sie mit 8:6, doch plötzlich schien der Stecker gezogen. Fortan klappte hinten und vorne gar nichts mehr, mit jedem Gegentreffer schwand das Selbstvertrauen. Die Gäste aus Ostwestfalen spielten ihre körperlichen Vorteile aus, tankten sich immer wieder energisch im Rückraum durch und verwandelten ihre Chancen zielsicher. Dank eines 7:2-Laufs lag der TuS zur Pause mit 13:10 vorne.

Tatai gewinnt Torhüterduell

Zur zweiten Hälfte versuchte es Jonsson mit einem Torwartwechsel, aber der für Jonas Maier eingewechselte Jürgen Müller, der nun bis zur 54. Minute im Kasten stand, parierte nur zwei von 14 Würfen. Wieder mal ging das Torhüterduell an den Gegner: Bei Lübbecke zeigte der Ungar Peter Tatai eine Topleistung und hatte am Ende 14 Paraden in der Statistik stehen. Die SG BBM kämpfte sich noch zweimal auf zwei Treffer heran, doch die Wende blieb aus – auch, nachdem Jonsson seine Stars Link und Kraus vom Feld genommen und die Youngsters Max Öhler, Nikola Vlahovic und Fischer ins kalte Wasser geworfen hatte. Am Ende fiel das Team auseinander und fügte sich in sein Schicksal. Entsprechend hoch fiel die Pleite noch aus. „Es war heute leider wieder der Fall, dass die Mannschaft geglaubt hat, es geht von allein“, klagte Jonsson.

Der 39-Jährige hat jetzt in der Länderspiel-Pause mit seinen Mannen einiges aufzuarbeiten. Bis zum 2. November dürfte sich auch sein Puls wieder gelegt haben. Dann sind die Bietigheimer in Emsdetten zu Gast. Und da sie auswärts im Gegensatz zu den Heimspielern bisher überzeugt haben, ist ihnen das derzeit vermutlich sogar lieber, als zu Hause anzutreten.