Selbst auf die Auswärtsstärke ist bei den Zweitliga-Männern der SG BBM Bietigheim nicht mehr Verlass. Sie unterlagen am Samstagabend beim TV Emsdetten mit 27:30 (13:13) und rutschten nach der zweiten Niederlage in Folge auf den 13. Platz ab. Der Rückstand zu den Aufstiegsrängen – das ursprüngliche Saisonziel des Absteigers – beträgt schon acht Punkte. Ein direkter Abstiegsplatz ist hingegen nur noch zwei Zähler entfernt. Sollten die Bietigheimer nun auch im sechsten Anlauf keinen Heimsieg schaffen, werden sie sich wohl für längere Zeit in der unteren Tabellenhälfte einnisten. Der Gegner am nächsten Sonntag (14.30 Uhr) könnte dabei kaum härter sein: In der Ludwigsburger MHP-Arena trifft die SG BBM auf den aktuellen Tabellenzweiten HSC 2000 Coburg. „Bis dahin haben wir einiges zu tun“, sagte Coach Hannes Jon Jonsson.

Teams gehen hart zur Sache

Vor den 1948 Zuschauern in der fast ausverkauften Ems-Halle ging es in den 60 Minuten hoch her. Beide Mannschaften lieferten sich ein von Kampf geprägtes Duell. Entsprechend viele Zeitstrafen sprachen die Schiedsrichter Fabian Friedel und Rick Herrmann aus: sechs gegen Emsdetten, acht gegen Bietigheim. Die Abwehrformationen machten es dem jeweiligen Angriff extrem schwer, Lücken zu finden. Bei Emsdetten schaffte dies noch Dirk Holzner am besten. Der TVE-Linksaußen war mit zwölf Toren, davon zehn aus dem Feld, auch der Topwerfer aller eingesetzten Akteure.

Die Anfangsphase gehörte allerdings Bietigheims Dominik Claus. Der 23-jährige Rückraumspieler brachte viel Dynamik aufs Feld und war an den ersten fünf SG-Toren beteiligt: Dreimal war er selbst erfolgreich, vor den beiden Siebenmeter-Treffern von Christian Schäfer zur 2:1-Gästeführung war er zudem jeweils gefoult worden. Überhaupt hatten die Schwaben im ersten Durchgang leichte Vorteile und lagen meist vorne, beim Stand von 3:6 (10.) einmal sogar mit drei Toren. Zur Pause stand es ausgeglichen 13:13. Damit war eine spannende zweite Hälfte programmiert.

Die Begegnung blieb auch nach der Pause hart umkämpft, und so reihte sich weiter Strafe an Strafe. In der 45. Minute hatte der zuvor für Jonas Maier eingewechselte SG-Torhüter Jürgen Müller noch ein doppeltes Erfolgserlebnis, als er erst grandios einen freien Wurf des TVE entschärfte und dann den Ball zum 22:23-Anschlusstreffer im leeren Emsdettener Kasten versenkte.

In der Schlussviertelstunde neigte sich die Waagschale dann aber in Richtung der Westfalen, und das war eigentlich verwunderlich. Denn bereits in der 44. Minute hatten die Gastgeber ihren Kapitän Yannick Dräger mit einer Roten Karte verloren – eigentlich eine gravierende Schwächung im Innenblock und am Kreis. Doch mit den Fans im Rücken zeigte Emsdetten eine Trotzreaktion und warf mit drei Treffern am Stück gegen die in dieser Phase offensiv verteidigenden SGler eine 26:22-Führung heraus (48.). Das war in diesem bisher so engen Spiel die halbe Miete. Obwohl Bietigheim weiter verbissen kämpfte, reichte es nicht mehr. Letztlich war das Bietigheimer Spiel zu fehlerlastig und nicht durchschlagskräftig genug.

„Das Entscheidende war, wie undiszipliniert wir in Unterzahl und Überzahl gespielt haben“, analysierte Trainer Jonsson und monierte die dürftige Trefferquote von nur 52 Prozent in der zweiten Hälfte. Da war auch der fleißig rackernde Michael Kraus angesprochen, der erneut kein Abschlussglück hatte: Von „Mimis“ neun Würfen aus dem Feld fanden nur zwei den Weg ins Netz. Auch Tim Dahlhaus und Jonas Link waren im Rückraum weitgehend wirkungslos. So war Claus auf halbrechts einmal mehr der auffälligste Bietigheimer Rückraum-Akteur. Jonsson: „Ich und wir alle sind enorm enttäuscht. Jetzt haben wir eine lange Woche vor uns.“