Die Handball-WM der Frauen vom 30. November bis 15. Dezember in Kumamoto (Japan) wirft ihre Schatten voraus. Bundestrainer Henk Groener hat am Dienstag in der Scharrena in Stuttgart sein Aufgebot für die Titelkämpfe bekanntgegeben. Mit dabei im 17-köpfigen Aufgebot sind gleich fünf Spielerinnen der SG BBM Bietigheim.

Der Ort der Bekanntgabe hat durchaus historische Bedeutung für den Bundestrainer. In der Stuttgarter Scharrena, der Sporthalle im Mercedes-Benz-Stadion, gab Groener im März 2018 mit einem 33:24-Erfolg gegen Spanien seinen Einstand als Nationaltrainer, und an eben jenem Ort wird sein Team auch seinen letzten Test vor der Abreise ins Land der aufgehenden Sonne am 22. November absolvieren. Gegner am 21. November wird Montenegro sein.

Fünf Bietigheimerinnen werden dann und zuvor ab dem 18. November im Trainingslager in der Sportschule Steinbach in Baden-Baden dabei sein. Auch Kreisläuferin Luisa Schulze, die derzeit nach einer Fingerverletzung gerade erst wieder ins Mannschaftstraining bei der SG BBM einsteigt. „Sie ist eine von drei Kreisspielrinnen, die sich super ergänzen. Jede davon hat ihre eigenen Stärken. Bei Luisa ist es ihre Körpergröße und ihre Präsenz in der Abwehr“, sagt der Bundestrainer zu ihrer Nominierung.

Berger verdrängt Zapf

Auch ein wenig überraschend gehört Amelie Berger auf der Rechtsaußenposition zum endgültigen Aufgebot. Sie verdrängte damit die erfahrene Metzingerin Marlene Zapf (78 Länderspiele) aus dem Kader. „Ich habe das mit Marlene auch besprochen. Wenn Spielerinnen in etwa gleichauf sind, nehme ich die jüngere mit. Wir müssen auch an die Zukunft denken, an die weitere Entwicklung“, erklärt Groener. „Amelie hat als junges Talent auch schon eine gute EM gespielt. Und obwohl sie im Verein Angela Malestein vor der Nase hat, hat sie auch eine Entwicklung gezeigt, die weiterhin positiv ist. Da muss sie sich einfach durchkämpfen, was sie auch tut“, ergänzt der Niederländer in Diensten des Deutschen Handball-Bundes.

Ebenso etwas überraschend fährt Antje Lauenroth als Linksaußen mit nach Kumamoto. In Bietigheim ist sie eigentlich eher am Kreis beheimatet. Die Linksaußenposition besetzen eigentlich die Dänin Fie Woller sowie Kim Braun. Eben jene Braun hat Lauenroth jetzt aus dem WM-Team verdrängt. „Antje hat sich sowohl in der Trainingswoche im September als auch jetzt im Oktober aufgrund ihrer Kampfkraft in der Abwehr, ihrer positiven Präsenz eindrucksvoll ins Team gespielt. Sie ist ein Energiebündel. Das hat sie wirklich hervorragend gemacht und somit auch die Nominierung verdient“, erklärt Groener seine Gründe für diese Entscheidung.

Offensiv wie defensiv wichtig

Fast schon so etwas wie ein Fixpunkt ist dagegen SG- und Nationalmannschafts-Kapitänin Kim Naidzinavicius. Sie absolvierte beim Testspiel-Sieg in Hannover gegen Spanien ihr 100. Länderspiel, und der Bundestrainer hält große Stücke auf sie. „Kim ist im Rückraum Mitte und Links sowohl im Angriff als auch in der Abwehr eine wichtige Spielerin. Sie spielt super Pässe von hinten an den Kreis nach vorne und verteilt das Spiel. Sie ist aber auch torgefährlich“, zählt er die Stärken der 28-jährigen gebürtigen Hessin auf.

Ebenso unumstritten ist Dinah Eckerle auf der Torhüterposition. Wobei es nun die kuriose Situation gibt, dass sie zusammen mit zwei ihrer Vorgängerinnen zwischen Bietigheimer Pfosten zur WM fährt. Denn neben Isabel Roch, die Groener ohnehin mitgenommen hätte, fährt auch Ann-Cathrin Giegerich mit nach Japan. „Die Torhüter-Position ist die einzige, die wir im Falle eines kurzfristigen Ausfalls taktisch nicht auffangen können. Daher haben wir uns mit Blick auf die räumliche Distanz nach Kumamoto entschieden, drei Torhüterinnen zu nominieren“, erklärt der Bundestrainer.

Ebenso wie fünf Spielerinnen von Meister SG BBM Bietigheim sind auch fünf Akteurinnen von Vizemeister Thüringer HC im Kader. Neben Torhüterin Giegerich sind dies Meike Schmelzer, Emily Bölk, Ina Großmann und Alicia Stolle. Von Tabellenführer Borussia Dortmund fährt neben Torhüterin Roch Alina Grijseels mit nach Japan. Außerdem sind Julia Behnke (Rostov Don), Mia Zschocke (Bayer Leverkusen), Maren Weigel (TuS Metzingen), Jenny Behrend (VfL Oldenburg) und Shenia Minevskaja (Brest Bretagne) dabei.