Nach sechs Reitmedaillen bei den Olympia in Rio ging es nun am Pferdemarkt-Wochenende mit hochkarätigen Reitwettbewerben unter dem Viadukt weiter. Von Freitagmorgen bis Sonntagnachmittag fanden in Bietigheim 18 Wettbewerbe mit 74 gemeldeten Reitern, 625 Nennungen, 430 Pferden und Preisgeldern in Höhe von 35 000 Euro statt. Der Höhepunkt: Der Große Preis der Stadt Bietigheim-Bissingen, ein Springen der Klasse S** mit Siegerrunde und 38 Teilnehmern. Auch die Resonanz bei der mittleren Tour sowie der Youngster Tour waren mit 55 und 47 gemeldeten Reitern erfreulich.

Beim Großen S**-Springen der Stadt Bietigheim-Bissingen sicherte sich Günter Treiber mit seinen Pferden „Buddy Holly“ und „Meteor“ die ersten beiden Plätze. Barbara Steuerer-Collee belegte mit „Big Boy“ Rang drei.

Derweil hatte sich Jonathan Gordon seine Titelverteidigung sicher anders vorgestellt. Der Vorjahressieger eröffnete das Springturnier mit vier Fehlerpunkten und einer Zeitüberschreitung. Auch mit seinem zweiten Pferd schaffte der Ire es in diesem Jahr nicht in die Siegerrunde. Markus Kölz aus Winnenden und Thomas Holz aus Nordrhein-Westfalen, die vorab als heiße Favoriten gehandelt wurden, mussten sich beim Großen Preis mit Platz sieben und acht begnügen.

Den ersten fehlerfreien Ritt schaffte an diesem Sonntagnachmittag der unbezwingbare Günter Treiber aus Eppelheim. Mit jeweils null Fehlerpunkten bezwang er mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit sowohl mit dem zehnjährigen „Holly Buddy“ als auch mit dem ein Jahr jüngeren „Meteor“ den tückischen Bietigheimer Parcours. Pferd und Reiter bildeten eine Einheit – Gänsehaut pur. Während Barbara Steurer-Collee im ersten Durchgang vorzeitig aufgab, gelang ihr mit ihrem zweiten Pferd „Big Boy“ als zweite Teilnehmerin nach Treiber ein fehlerfreier Durchlauf. Sie zog somit als erste und einzige Frau in die Siegerrunde ein. Auch Andy Witzemann glückte mit „Cinzaghi“ ein fehlerfreier Durchlauf, allerdings überschritt er die Zeitvorgabe und musste sich somit nach der Siegerrunde mit dem vierten Platz zufrieden geben.

Pia Reich mit „Wywace“ musste vorzeitig auf eine Fortsetzung verzichten, als sie mitten im Sprung einen Steigbügel verlor. Die baden-württembergische Hoffnung Jörg Widmaier aus dem Reitstall Benzelbühl bei Leonberg erreichte mit zwölf Fehlerpunkten keine Platzierung. Die Stute „La Belle“ von Tobias Schwarz zog sich beim Abwerfen mehrerer Stangen eine Verletzung am Hinterbein zu, Schwarz stieg sofort von der lahmenden Stute und erklärte seinen Ritt damit für beendet. Nach Umbau und Verkürzung des Hindernis-Parcours gelangen sowohl Treiber mit seinen beiden Pferden als auch Steurer-Collee und Witzemann vier fehlerfreie Durchläufe – und Treiber durfte sich als Doppelsieger feiern lassen und die 1600 Euro Prämie nach Hause nehmen.

Turniersplitter

Wolkenbruch Der Wettergott meinte es nicht gut mit dem Springturnier am Sonntag. Während jenes bei Bewölkung startete, fing es gegen Ende des Wettbewerbs kräftig an zu schütten. In der Siegerrunde des S**-Springens kam es zu einem heftigen Wolkenbruch. Von den bunten Regenschirmen und den kräftigen Windböen ließen sich die Profi-Pferde allerdings nicht im Geringsten beeindrucken. Und glücklicherweise kam es trotz des matschigen und rutschigen Grasbodens zu keinem Sturz.

 

Friesenshow Eröffnet wurde das große S-Springen mit einer eindrucksvollen Friesenshow der Schwarzwaldquadrille. Mit ihren imposanten Mähnen und dem einzigartigen Fesselbehang beeindruckten die anmutigen Pferde und ihre Reiter in barocker Ballkleidung das Bietigheimer Publikum. Mit dabei war auch Amela Riewerts, Auszubildende Pferdewirtin des RV Bietigheim-Bissingen und Gewinnerin des „Barockpferdecups Südwest 2016“.

 

Kniffliges Hindernis Der „Knackpunkt“ an diesem Sonntag war das Hindernis „Die Bietigheimer Pferdeköpfe“ gegen Ende der Parcours-Runde. Hier räumten die Pferde regelmäßig die Stangen ab, und die fleißigen Helfer auf dem Platz hatten an dieser Stelle einiges zu tun. Das Publikum hielt regelmäßig kollektiv den Atem an, wenn Reiter und Pferd das tückische Hindernis erreichten. Nur einige wenige ließen die Stangen unberührt.

 

Zeitkorrektur Nach sieben Ritten erfolgte von Seiten der Turnierrichter beim Großen Preis der Stadt Bietigheim-Bissingen eine Zeitkorrektur. Nachdem die Reiter die vorgegebene Zeitangabe nicht eingehalten hatten, wurde die Vorgabe als zu knapp befunden und leicht nach oben korrigiert.

 

Wertschätzung Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing bedankte sich beim Publikum, das trotz kräftiger Regenschauer auf den Tribünen und am Rand des Reitplatzes verharrte, um den Springreitern die ihnen gebührende Wertschätzung entgegenzubringen. Kessing zeigte sich stolz auf das hochkarätige Turnier, das über mehrere Tage hinweg hochklassigen Reitsport nach Bietigheim bringe.

 

Vier Trostpflaster Jonathan Gordon, der 2015 das S***-Springen beim Pferdemarkt gewonnen hatte, landete diesmal beim Großen Preis nur unter ferner liefen – auf Rang zehn und elf. Dennoch hatte der für den RV Altheim startende Ire während der drei Turniertage durchaus Grund zur Freude: Gordon entschied immerhin vier andere Turniere für sich.

 

Gäste aus Korea Die weiteste Anreise hatte in diesem Jahr Thomas Holz aus dem Reitverein Greven in Nordrhein-Westfalen. Er hatte zudem einige koreanische Reiter dabei, die in Bietigheim Turnier-Erfahrung sammeln sollten – und „vielleicht auch ein paar Pferde kaufen wollen“, so Gabriele Hubl, Pressesprecherin des Reitervereins Bietigheim-Bissingen. def/ae